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    James Bond 007 - In tödlicher Mission
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    James Bond 007 - In tödlicher Mission
    Von Matthias Ball
    Der Anziehungskraft des wieder auflebenden Science-Fiction-Films Ende der 70er Jahre konnte sich auch die James-Bond-Reihe nicht entziehen. Mit „Moonraker“ (1979), dem bis dato elften Bond-Film, stellte sich jedoch gleichermaßen die Frage, welchen Weg der britische Geheimagent in Zukunft einschlagen sollte? Nach dem kurz-kontroversen Ausflug ins Weltall war man zum einen an einer Barriere des technisch Machbaren angelangt, zum anderen entfernte man sich immer weiter vom ursprünglichen Bond-Charakter, dem Agentenfilm. Anstatt übertriebener High-Tech und vielen Effekten setzte das Team um Albert Broccoli, dem Mitbegründer der Bond-Filme, und Regisseur John Glen nun verstärkt auf Realismus und Spannung. Weniger Liebe, dafür umso mehr Härte - James Bond sollte wieder erwachsen werden. Und das Konzept ging auf: Auch wenn er im Grunde auf altbewährtes setzt, „In tödlicher Mission“ punktet mit kurzweiliger Action und einem durchweg härteren Ton.

    Ein als Fischerboot getarntes Spionageschiff der britischen Navy wird im Ionischen Meer vor der griechischen Insel Korfu versenkt. Mit an Bord, ein so genannter ATAC (Automatic Targeting Attack Communicator), der es ermöglicht, die gesamte britische Atom-U-Boot-Flotte fernzusteuern. Da man in London befürchtet, dass der russische Geheimdienst KGB an dem Computer interessiert ist, engagiert das britische Verteidigungsministerium den Archäologen Sir Timothy Havelock (Jack Hedley), der das Wrack aufspüren und den ATAC wenn möglich bergen soll. Doch soweit kommt es nicht: Havelock und seine Frau werden Opfer eines Attentats. Zurück bleibt nur Tochter Melina (Carole Bouquet), die nach Rache für den Mord an ihren Eltern sinnt. Nahe Madrid trifft sie auf James Bond (Roger Moore), der den Auftrag hat, die Drahtzieher des Attentats aufzuspüren und Havelocks Arbeit anschließend fortzusetzen…

    Die Eröffnungssequenz schlägt zunächst einen weiten Bogen zurück zu Bond jahrelangem Widersacher Ernst Stavro Blofeld (diesmal gespielt von John Hollis), der sich Bond mittels eines ferngelenkten Hubschraubers endgültig vom Hals schaffen möchte. Doch der Plan geht nach hinten los – die Ära Blofeld geht schneller zu Ende, als Blofelds Katze knurren kann. Der Rückbezug zu „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (1969) wird durch Bonds Besuch am Grab seiner Frau noch zusätzlich verdeutlicht und markiert den Beginn eines neuen Abschnitts und somit auch eines neuen Bonds: weg vom Image des Charme versprühenden Briten, hin zu einem Agenten mit Härte und ohne Skrupel. Auch die eingebauten Stunts und zusätzliche Details im Script des Autorenduos Richard Maibaum und Michael Wilson betonen den rauen Stil.

    Bei all den Veränderungen im Stil ist „In tödlicher Mission“ noch immer ein klassischer Bond und bleibt somit der konsequenten Action-Linie treu: An wechselnden Schauplätzen, quer durch Europa, wird ohne Ende geschossen, geprügelt, Mordpläne werden ausgeheckt, Sprengsätze gezündet, es wird gejagt, geflohen und gestorben. Die Szenerie hätte dabei kaum unterschiedlicher ausfallen können. Ob im Schnee des italienischen Nobel-Skiorts Cortina d’Ampezzo, Unterwasser vor Korfu, im spanischen Dorf, oder beim Bergsteigen – immer wieder muss Bond vor allem seine körperliche Fitness unter Beweis stellen. Zu den Highlights der immer wieder gefährlichen Stunts gehört neben einer perfekt getimten Skiabfahrt in Cortina, vor allem die rasante Verfolgungsjagd im örtlichen Eiskanal hinter einem Bob.

    Das Drehbuch basiert auf der Buchvorlage von Ian Flemings gleichnamigen Roman „Risiko“ und einem Auszug aus „Leben und sterben lassen“. Der Plot um den gesunkenen ATAC ist zwar ähnlich absurd, wie vieles andere aus der Bond-Welt, den Schwachpunkt bildet jedoch weniger die fehlende Logik, als vielmehr Ideenlosigkeit im Design. Weder der an eine Schreibmaschine erinnernde Computer, noch die seelenlos gezeichneten Charaktere der Gegenseite können die in dieser Hinsicht verwöhnten Bond-Fans vom Hocker reißen und trüben somit das sonst so stimmige Gesamtbild. Kristatos (Julian Glover), der griechische Mittelsmann, versucht zunächst vergeblich Bond zu instrumentalisieren, bleibt im weiteren Verlauf aber blass. Im Charisma Vergleich mit der Größe eines Gert Fröbe alias Goldfinger hat Julian Glover nicht den Hauch einer Chance. Auch der für das Grobe zuständige Emile Leopold Locque (Michael Gothard) verpasst es, Akzente zu setzen.


    Für den Briten Roger Moore war es der fünfte Einsatz als Agent in britischen Diensten. Im Bond internen Darstellervergleich hat Sean Connery zwar noch immer die Nase vorn, an Moores Leistung gibt es allerdings nichts zu beanstanden. Ab und zu ein knackiger Einzeiler („Now put your clothes back on, and I’ll by you an ice cream“) sowie deutlich mehr Härte machen Bonds Charakter wesentlich ausgeglichener als zuvor, ohne dabei zu große Sprünge zum Einsatz in „Moonraker“ zu machen. Dass Bond der ambitionierten Eiskunstläuferin Bibi Dahl (Lynn-Holly Johnson) widerstehen kann, gehört zu den wenigen Überraschungen eines durchgängig sehr geradlinigen Bond-Streifen. Den Part des Bondgirls übernahm die Französin Carole Bouquet, die unter anderem als Model für das Modelabel Chanel bekannt wurde. Bouquet ist eine der wenigen Bondgirls, die neben der Figur auch Können als Schauspielerin mitbringt, dennoch fehlt zwischen Beiden die richtige Chemie: Bouquets Ausdruck ist kühl wie ein Eisblock und auch den Dialogen mangelt es an der nötigen Lockerheit.


    John Glen sah sich zu Beginn mit einem eher ungewöhnlichen Dilemma konfrontiert: „Moonraker“ wurde schnell zum finanziell erfolgreichsten Bond-Film, spaltete jedoch die Fangemeinde. Es lag also an „In tödlicher Mission“, nicht nur an die finanziellen Erfolge von „Moonraker“ anzuknüpfen, sondern ebenso einen neuen Stil zu etablieren. Glen verzichtete dabei auf alle unnötigen Spielereien und vertraute der altbewährten Formel aus einem übermächtigen Schurken, grandiosen Stunts, scharfen Bond-Girls und dem smarten Agenten. Obwohl „In tödlicher Mission“ mit „Goldfinger“ (1964), oder „Der Spion der mich liebte“ (1977) nicht ganz mithalten kann, zeigt sich dennoch was mit bodenständiger Action alles möglich ist. Für Fans der Serie ohnehin ein Muss.
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