Trotz aller Schwächen ein wahrlich tolles und tragisches Finale!
George Lucas machte sich mit „Star Wars“ unsterblich und seine drei Original-Filme in den 70ern und 80ern bestimmen auch heute noch die Popkultur. Als Lucas jedoch 1999 seine neue Prequel-Trilogie startete, erntete er viel Kritik, bis heute. Die Story um den jungen Anakin Skywalker war zwar interessant, aber es mangelte an echten Emotionen und echten Schauplätzen. Dass die Prequels bis heute als überladene SFX-Werke gelten, ist nicht verwunderlich, auch wenn ich das damals als Jugendlicher natürlich nicht so sah. Doch als Erwachsener muss ich zugeben, dass die Filme deutlich an Charme verloren und für mich noch größtenteils aus nostalgischen Gründen einen Wert haben. Dennoch… katastrophal sind die Filme in meinen Augen nicht und haben immer wieder großartige Momente und tolle Action. Und als ich 2005 ins Kino ging, um den dritten und letzten Teil der Reihe zu sehen, war ich unfassbar aufgeregt und vorfreudig. Episode III, „Die Rache der Sith“, war (wie zu erwarten) ein erneuter Hit und der zweiterfolgreichste Film des Jahres, hinter „Harry Potter und der Feuerkelch“. Doch nicht nur das: Der letzte Teil gilt für viele Fans als der Beste und auch ich muss nach wie vor sagen, dass „Star Wars“ hier stellenweise so gut wie noch nie war und immer noch ist. Der tragische Weg von Anakin zur dunklen Seite wurde uns versprochen und tatsächlich äußerst kraftvoll umgesetzt und kann mich auch heute noch berühren.
Der Kanzler wurde entführt und Obi-Wan und Anakin machen sich auf ihn zu befreien. Ihnen stellt sich aber nicht nur der finstere Count Dooku entgegen, sondern auch der heimtückische General Grievous, der den Krieg zwischen Klonkriegern und den Droiden rücksichtslos voran treibt. In all den Kämpfen offenbart Padmé Anakin, dass sie ein Kind erwartet…
So schwer es mir fällt, aber auch „Die Rache der Sith“ ist kein perfekter Film und das, obwohl mir Lucas´ Werk bis heute viel bedeutet. Der Film war damals meine erste eigene DVD, die ich besaß und über viele Jahre hinweg mein Lieblingsfilm überhaupt. Doch aus heutiger Sicht, kann und muss ich anerkennen, dass auch Episode III seine Macken hat. Da wären zum Beispiel Kleinigkeiten, wie die Droiden, die unnatürlich slapstickhafte Stimmen bekommen haben. Vielleicht, weil weder Jar Jar Binks noch C-3PO für unnötige Comedy herhalten konnten… Auch das finale „NEEEEEIIIIIN“ von Vader ist einfach unnötig und ruiniert einen sonst ikonischen Moment für mich. Es ist zwar schön, dass der Film im Gegensatz zu den beiden Vorgängern größtenteils auf albernen Humor verzichtet, aber einige Momente sind doch etwas dämlich...
Schwerwiegender sind jedoch andere Dinge, wie etwa Anakins Wandel zur dunklen Seite, der auch noch nach über 20 Jahren etwas zu krass ist. Und sowohl im Drehbuch als auch in der Theorie funktioniert das Alles, aber es fehlt nach wie vor an den echten Emotionen. Episode III geht in die Vollen, wenn es um Gewalt und Krieg geht: Es gibt unzählige Tote und einige wirklich heftige Taten von Anakin. Doch die Figuren bleiben oftmals sehr verhalten bei all diesen schrecklichen Dingen. Klar, es ist nach wie vor ein „Star Wars“-Film, aber so düster war es bis dato niemals gewesen (und auch später übrigens nicht).
Nun aber zu den guten Aspekten: „Star Wars“ war bis 2005 nie wirklich für ausgefallene Skripte bekannt. Selbst „Das Imperium schlägt zurück“, welcher für viele Fans als der beste Film der Reihe gilt, ist vor allem gut und packend inszeniert, bietet Story-technisch aber recht klassische Fantasy-Elemente. In Episode III jedoch schafft es „Star Wars“ mich auch heute noch wirklich zu fesseln. Die Story hatte ihre Höhen und Tiefen, aber hier gipfelt nun Alles in einem wahrlich packenden Finale. Alle Figuren haben ihren Platz und ihre Berechtigung, die Motivationen sind klar und meistens extrem. Hier steht viel auf dem Spiel: Das Ende des Krieges, die Demokratie in der Galaxis, der Kampf gegen die Sith und für Anakin das Leben seiner Frau Padmé. Und da kommt der manipulative Palpatine ins Spiel, der hier seinen wichtigsten Auftritt in der Reihe hat. Und auch wenn es sich hier um ein Fantasy-Film mit Lichtschwertern und ulkigen Droiden handelt, so berühren mich einige Momente hier nach wie vor. Der politische Zerfall der Republik, der Aufstieg der teuflischen Sith unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit und Anakin, der von Palpatine in dem ganzen Trubel emotional manipuliert wird. Dabei sind Anakins Motive für den Wechsel zur dunklen Seite verständlich, denn vor allem die Jedi zeigen hier ihre „dunkle“ Seite. Lucas traute sich hier seine sonst so guten Jedis in einem anderen Licht zu zeigen, was den Film und sein Story erstaunlich reif macht. Da muss ich Lucas wieder einmal loben, denn seine Art die Story voran zu treiben, war immer einer der stärksten Aspekte dieser Filme. Da kann ich auch über ein paar kitschige Dialoge hinwegsehen („Du bist so wunderschön.“ „Das liegt nur daran, dass ich dich so sehr liebe.“ „Nein, das liegt daran, dass ich dich so sehr liebe.“).
Schauspielerisch können die drei großen Protagonist*innen (Hayden Christensen, Ewan McGregor und Natalie Portman) ihre besten Leistungen zeigen, trotz meiner Kritik von vorhin. Besonders Christensen verdient die Kritik, die er damals bekam überhaupt nicht. Er spielt den jungen, zornigen und verwirrten Mann, der zu einem waschechten Faschisten wird, wirklich gut. Ich mag vor allem, wie aggressiv er seine Angst in den Kämpfen umsetzt. Der heimliche Star ist aber diesmal Ian McDiarmid als finsterer Puppenspieler Palpatine. Er ist wahrlich ein Monster, auf das Anakin leider herein fällt.
Optisch ist Episode III der beste Film der Trilogie und hat nicht mehr ganz den künstlichen Look, den Episode I und II hatten. Die CGI-Effekte sind nach wie vor merklich gealtert (über 20 Jahre hat der Film bereits auf dem Buckel), haben sich aber solide gehalten, manche weniger, manche dafür aber sehr gut. Das Design der neuen Welten und Plätze, ist wieder einmal grandios mit dem Lava-Planeten Mustafar als Highlight. Und was die Action angeht: Die ist hier so gut wie nie. Ja, es gibt ein paar alberne Videospiel-Momente, wie die Szenen im Aufzug, wenn Anakin und Obi-Wan Palpatine retten, aber die ganze Eröffnungsschlacht ist auch heute noch aufregend, packend und visuell grandios. Die Lichtschwertduelle sind hier ebenfalls am Limit (so viele gab es nie wieder in eine „Star Wars“-Film) und überaus energetisch. Das emotionale Finale ist natürlich der parallele Kampf zwischen Yoda und Palpatine und Anakin und Obi-Wan. Bei diesen Momenten bekomme ich auch heute noch Gänsehaut! Einziger Kritikpunkt: Die Farben der Lichtschwerter zeichnen sich nie auf den Figuren ab und wirken dadurch leider etwas unecht. Das ist ein kleines, aber wichtiges Detail, was die Disney-Sequels besser gemacht haben.
Musikalisch gibt John Williams noch einmal alles und präsentiert einen emotionalen und düsteren Score, dessen Hauptthema die ganze Story prägt!
Fazit: Mit Episode III lieferte George Lucas ein wirklich zufriedenstellendes und erstaunlich tragisches Ende seiner „Star Wars“-Saga ab. „Die Rache der Sith“ ist trotz seiner Probleme ein packender und wahrlich guter „Star Wars“-Film. Zum ersten Mal stehen die Figuren und die Story im Vordergrund und nicht die Schlachten, Raumschiffe oder Kreaturen. Für mich ist dies auch das wahre Ende von „Star Wars“, bzw. der wahre letzte Film der Reihe. Disney hatte leider nie wirklich verstanden, was „Star Wars“ eigentlich ist. Es ging um so viel mehr als um Lichtschwerter, die cool aussehen. Es ging um die Entscheidung zwischen Gut und Böse und wie schwierig dieser Weg manchmal sein kann, selbst in einer weit, weit entfernten Galaxis!