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    Hidalgo
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hidalgo
    Von Stefan Ludwig
    „Hidalgo“ ist Kino, wie es die Masse der Kinozuschauer sich wünschen wird: Spektakuläre Action, klar definiertes Gut-und-Böse-Schema, ein bisschen eingestreute Identitätsfindung und jeweils eine Hand voll Liebe und Witz. Joe Johnston („Jurassic Park 3", „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft”) drehte diesen Abenteuerfilm, der sich ein wenig anfühlt, als wäre er getreu einem Buch „Wie filme ich einen Blockbuster“ vorgegangen. Die Probe von Viggo Mortensen, sich außerhalb der Federführung von Peter Jackson zu bewähren, besteht er gut, seine Rolle ist auch klar auf ihn zugeschnitten. „Hidalgo“ soll auf einer wahren Begebenheit basieren, daran gibt es berechtigte Zweifel, was jedoch nicht weiter tragisch ist.

    Frank T. Hopkins (Viggo Mortensen) hat in seinem Pferd Hidalgo den richtigen Gefährten für sich gefunden. Mit ihm bestreit er Rennen oder verdingt sich als Kurier im Wilden Westen der 1890er Jahre. Was er verbirgt, ist sein Kummer, den er ständig mit sich herumschleppt: Er ist halbindianischer Abstammung und musste vor einigen Jahren zusehen, wie eine ganze Siedlung seines Volkes von den Weißen wegen eines Missverständnisses niedergemetzelt wurde. Bei seiner Arbeit in der Western-Show „Buffalo Bill“ bekommt er das Angebot, an dem legendären 3.000-Meilen-Rennen „Ocean of Fire“ teilzunehmen, das durch die arabische Wüste führt. Dort angekommen muss er erkennen, dass er mit seinem in der Wildnis gefangenen Mustang als absoluter Außenseiter ins Rennen geht, denn Pferdezucht wird bei den Arabern ausgesprochen groß geschrieben - zudem sind die meisten mit der Teilnahme eines „Ungläubigen“ ganz und gar nicht einverstanden.

    Die dem Drehbuch von John Fusco („Halbblut“, „Nessie“) entstammende Story bietet Potenzial und funktioniert über den gesamten Film. Langeweile kommt nicht auf, obwohl „Hidalgo“ sich deutlich mehr als zwei Stunden Zeit nimmt. Dem steht auch der nette Wechsel zwischen Darstellungen der beschwerlichen Reise durch die Wüste und Actionsequenzen im Wege. Omar Sharif („Lawrence von Arabien“, „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran") spielt einen Scheich, der alle seine Söhne verloren hat und jetzt dank seiner emanzipierten Tochter immer mehr von den alten Gebräuchen und Traditionen abweicht. So lässt er sie heimlich reiten, was eigentlich für Frauen verboten ist und auch die bevorstehende Heirat, von der seine Tochter gar nicht begeistert ist, scheint angesichts des Willens seiner Tochter gefährdet. Seine Rolle des scheinbaren Gegners von „Cowboy“ Hopkins wandelt sich langsam zum Befürworter und schließlich zur Freundschaft, was jedoch schon früh erkennbar wird.

    Generell geht der Film mit Überraschungen etwa so geizig um, wie Bill Gates mit virensicheren Betriebssystemen. Er bietet schlicht keine. Fast alle Geschehnisse und Szenen sind vorhersehbar, weil sie nach bekannten Schemata und bisweilen auch Klischees funktionieren. Wendungen, die wirklich Erstaunen hervorrufen, kommen nicht vor. Dadurch scheitert „Hidalgo“ nicht daran zu unterhalten, doch er kann sich nicht deutlich genug von der Mainstream-Konkurrenz absetzen. Diesem Teil der Filmindustrie gehört der Film jedenfalls zweifelsohne an. So gelingt es, eine Art Grundspannung und eine passende Atmosphäre aufzubauen, die allerdings nicht an vergleichbar episch anmutende Filme wie „Last Samurai" oder „Herr der Ringe" heranreichen kann. Die Dialoge haben ein ähnliches Problem, geschickt aufgebaut, mit guten kleinen Witzen versehen, aber frei von Überraschung oder Besonderheit – einfach passend und nett, mehr aber nicht.

    Viggo Mortensen schafft es, seinen Charakter im Großen und Ganzen überzeugend darzustellen, sieht man von einer Szene mit einer Fata Morgana seiner Urahnen einmal ab. Diese Szene scheitert allerdings nicht an ihm, sondern an ihrer Konzeption. Er zieht die Sympathie des Zuschauers auf sich, kann allerdings seine indianische Abstammung nicht komplett glaubhaft machen. Diese wird ohnehin mehr am Rande erwähnt und in den Hintergrund gestellt. Die anderen Darsteller spielen grundsätzlich solide ihre klischeehaft anmutenden Rollen, die sehr stark einem Schwarz-Weiß-Schema unterliegen. In diesem Genre ist das allerdings auch sozusagen nötig, denn der Film baut darauf schlicht auf. Zu stark ist dieser Kritikpunk damit nicht anzusehen.

    Am Schluss wird kaum einer enttäuscht aus dem Kinosessel aufstehen, sondern zufrieden dank der Unterhaltung, die „Hidalgo“ ihm geboten hat. Die Überlänge bringt den Vorteil, dass die Filmwelt in Ruhe aufgebaut werden kann und sich das Abenteuer Zeit nimmt für das, was er hervorheben will. Die Effekte sind wie in einem Joe-Johnston-Film üblich gut gelungen, dieser gewann Anfang der 80er Jahre einen Oscar für die Spezial-Effekte in „Jäger des verlorenen Schatzes“ und seine Fähigkeit für solche merkt man auch „Hidalgo“ deutlich an. Wer Interesse hat an einer abenteuerlichen Reise durch die Wüste, die alles was das Herz des Mainstream-Fans begehrt, bieten kann, der sollte sich diesem Film annehmen und sich nicht an Logikfehlern und ähnlichem stören – die tun hierbei nichts zur Sache.
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