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    Fantastic Four
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Fantastic Four
    Von Jürgen Armbruster
    Es ist immer wieder die gleiche Leier: Jawohl, Tom Storys „Fantastic Four“ ist die Verfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe aus dem Hause Marvel. Das bedeutet allerdings nicht, dass hier ein Film erwartet werden darf, der in einer Liga mit Sam Raimis „Spider-Man“ und Bryan Singers „X-Men“ spielt. Im Gegenteil. Wer bei Begutachtung der ersten bewegten Bilder ein knalligbuntes, aber auch hohles Kasperle-Theater erwartet hat, trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf.

    Der geniale Wissenschaftler Reed Richards (Ioan Gruffudd) vermutet, dass ein kosmischer Sturm der Anfang allen Lebens auf der Erde gewesen sein könnte. Um einen solchen Sturm genauer untersuchen zu können, plant er mit seinem Freund, dem Astronauten Ben Grimm (Michael Chiklis), eine Expedition ins All. Zur Finanzierung seiner Forschungen tut er sich mit seinem ehemaligen Studienkollegen Victor Von Doom (Julian McMahon) zusammen. Dieser ist mittlerweile nicht nur der Kopf eines milliardenschweren Unternehmens, sondern beschäftigt in seiner Forschungsabteilung auch noch Reeds Ex-Freundin Susan Storm (Jessica Alba). Kurze Zeit später geht es dann auch schon auf zu Victors Raumstation. Mit an Bord: Susans hitzköpfiger, kleiner Bruder Johnny (Chris Evans)...

    Da es sich bei „Fantastic Four“ nicht um eine Dokumentation handelt, geht im All angekommen auch prompt die Post ab. Reed hatte Geschwindigkeit und Stärke des Sturms falsch berechnet. Die Abschirmung der Raumstation ist zu schwach und deren Crew bekommt eine volle Breitseite kosmischer Strahlung ab. Wieder auf der Erde, entwickeln die Raumfahrer allmählich recht seltsame Fähigkeiten. Reeds Körper wird zu einem menschlichen Gummiband. Susan kann sich nicht nur unsichtbar machen, sondern auch durch reine Gedankenkraft ein undurchdringbares Schutzschild erschaffen. Johnny wird zu einer menschlichen Fackel und ist fortan der heißeste Mittzwanziger auf dem Planeten. Bei Ben sind die Änderungen auch äußerlicher Natur: Er wird zu einem steinigen Ungetüm mit unglaublicher Kraft. Und dann wäre da noch Victor, der ein Musterbeispiel dafür ist, dass ein skrupelloser, raffgieriger Charakter gepaart mit Superkräften eine ganz gefährliche Kombination ist.

    Bereits die Vorgeschichte zur ersten (veröffentlichten) Realverfilmung zu den „Fantastic Four“ ist eine Sache für sich. Deutschlands Star-Produzent Bernd Eichinger hat sich die Filmrechte bereits vor rund 20 Jahren gesichert. Damit diese nicht verfallen, ließ er den Stoff 1994 mit dem lächerlichen Budget von gerade einmal 1,5 Millionen Dollar zum ersten Mal verfilmen. Doch der Film wurde nie veröffentlicht, was auch von Beginn an so geplant war. Jeder wusste das – mit Ausnahme von Regisseur Oley Sassone und seinen Darstellern. Rückblickend betrachtet ist dies eine mehr als linke Tour. Sassone und Co. müssen sich jedenfalls mächtig veräppelt vorgekommen sein. Der clevere Eichinger-Bernd wusste eben schon immer, was er wollte. Beziehungsweise was er nicht wollte. Und 1994 war dies eben noch kein „Fantastic Four“-Film. So einfach ist das.

    Mittlerweile hat sich diese Einstellung allerdings grundlegend geändert. Was für ein Produzent wäre Eichinger auch, wenn er den aktuellen Comic-Boom nicht ausnutzen würde? Die Beliebtheit der „Fantastic Four“ hat seit dem ersten Comic aus dem Jahr 1961 schließlich kaum abgenommen. Aber warum wurde mit Tim Story ausgerechnet der Mann auf den Regiestuhl gesetzt, der die zwar trashigen, aber durchaus unterhaltsamen, französischen „Taxi“-Filme in seinem US-Remake vollkommen verhunzte? Warum bekommt „Batman Begins“ einen Regie-Ästheten wie Christopher Nolan, die „X-Men“ einen exzellenten Handwerker wie Bryan Singer, „Spider-Man“ einen Perfektionisten wie Sam Raimi und die „Fantastic Four“ einen Stümper wie Tim Story? Wenn Story sich wenigstens seiner eigenen Grenzen bewusst gewesen wäre und er einfach nur eine Kopie bewährter Dinge abgeliefert hätte. Aber nein, er vermeidet konsequent alles, was die prominenten Vorbilder stark gemacht haben. Charakterentwicklung, packend choreographierte Kämpfe, atemberaubende Spezialeffekte… alles Fehlanzeige. Verdient haben dies die „Fantastic Four“ jedenfalls nicht.

    Tatkräftige Unterstützung bei der Operation „Wie machen den Mythos F4 kaputt“ erhielt Story von seinen beiden Drehbuchautoren Michael France („Cliffhanger“, „The Punisher“) und Mark Frost („Twin Peaks“). Entweder wurde hier all zu offensichtlich auf die Dummheit der potenziellen Zuschauer spekuliert oder ihnen sind schlicht die Sicherungen durchgebrannt. Beispiel gefällig? In einer Schlüsselszene des Films wird eine Brücke von zahlreichen Polizisten abgesperrt. Unsere Helden müssen aber unbedingt auf eben jene. Was tun? Reed Richards hat die zündende Idee: Susan kann sich doch unsichtbar machen. Sollte für sie doch kein all zu großes Problem sein. Also ratzfatz den Unsichtbarkeits-Modus an, runter mit den Kleidern und ab durch die Mitte. So weit, so gut. Aber als Susan auf der anderen Seite der Absperrung ankommt, warten dort schon ihre Kollegen auf sie und überreichen ihr die zuvor abgelegte Kleidung. Also entweder hatten diese in der Zwischenzeit Besuch von Captain Kork und wurden auf die andere Seite der Absperrung gebeamt oder – was wahrscheinlicher ist – da will dem Publikum irgendwer einen mächtigen Bären aufbinden. Sicherlich: Ein kurzzeitiger Blick auf Jessica Alba in Unterwäsche entschädigt für vieles, aber die Szene ist bedauerlicherweise kein Einzelfall.

    Eine einzige Zumutung ist auch das große Finale zwischen Dr. Doom und unseren vier Freunden (nein, gemeint sind nicht Julian, Dick, Anne und George… und einen Hund namens Timmy gibt es auch nicht). Nach zwei Minuten ist das Käschen gegessen und der olle Bösewicht eingebunkert. Was zurückbleibt, ist Enttäuschung. Ernüchterung. Wut. Mit dem ersten „Fantastic Four“-Comic läutete Stan Lee in den 60er Jahren eine neue Ära der Superhelden ein. Der Comic bräuchte eigentlich ein filmisches Denkmal. Bekommen hat er eine vollkommen hohle, lieblose Leinwandadaption ohne jeden bleibenden Wert. Allenfalls eine Hand voll gelungener Szenen (bei den Streitereien zwischen Ben Grimm und Johnny Storm darf tatsächlich ab und an gelächelt werden) retten den Film vor einer totalen Bauchlandung. Operation misslungen – Patient tot? Pustekuchen! Trotz der vernichtenden Kritiken legten die „Fantastic Four“ mit einem Einspiel von 56 Millionen Dollar am Eröffnungswochenende den drittbesten US-Start des Jahres hin. Schon wird über einen möglichen zweiten Teil spekuliert und der Rezensent fasst sich fassungslos an den Kopf. Tipp der Filmstarts-Redaktion: Alle, die diese Woche den dringenden Drang verspüren, unbedingt eine Comic-Verfilmung im Kino anschauen zu müssen, sollten sich folgende Zeile gut einprägen: Einmal „Batman Begins“, bitte...
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