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    Casanova
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Casanova
    Von Alina Bacher
    Giacomo Casanova - dieser Name ist Programm. Kein anderer hat seine zahlreichen erotischen Abenteuer so kunstvoll zu Papier gebracht, wie der venezianische Frauenliebhaber und Verführungskünstler. Seine Reisen durch ganz Europa endeten für den Abenteurer oft in den Betten der schönsten Frauen. Kein Wunder also, dass Casanovas Memoiren voller erotischer Abenteuer und Weisheiten über die hohe Kunst der Verführung auch heute noch gern gelesen werden. Dementsprechend haben sich auch bereits viele Filmemacher, wie zum Beispiel Federico Fellini, der Legende Casanova angenommen. Mit Lasse Hallströms „Casanova“ kommt nun eine Verfilmung in die Kinos, die sich dem Stoff auf sehr komödiantische Weise nähert. Tolle Kostüme, gute Schauspieler und ein richtig witziges Drehbuch, das sich gern hier und da selbst durch den Kakao zieht, machen „Casanova“ zu einem lustigen Kinoabenteuer, das besonders das weibliche Kinopublikum schnell verführen wird.

    Venedig im 18. Jahrhundert. Ein Name versetzt die Frauenwelt schon allein beim hören in leidenschaftliche Wallungen: Giacomo Casanova (Heath Ledger). Der attraktive Junggeselle verbringt seine Freizeit am liebsten in fremden Betten und tut alles, um seinem Ruf als leidenschaftlicher Verführungskünstler gerecht zu werden. Doch der Inquisition sind Casanovas Liebeleien schon lange ein Dorn im Auge. Aber als waghalsiger Frauenliebhaber lässt sich Casanova nur ungern seiner Liebesabenteuer berauben, bis er eines Tages von Venedigs Herrscher (Tim McInnery) vor eine schwere Wahl gestellt wird. Entweder Casanova heiratet und setzt so seinem freizügigen Betten-Hopping ein Ende, oder er wird für immer aus Venedig verbannt. Widerwillig macht sich Casanova auf die Suche nach einer geeigneten Braut und wählt niemand anderen als die hübsche Victoria (Natalie Dormer), die in ganz Venedig für ihre Unschuld bekannt ist. Doch selbst Victorias Vater stimmt der geplanten Heirat zu und so steht dem Fest nichts mehr im Wege. Aber Casanova wäre nicht Casanova, würde er nicht plötzlich Hals über Kopf seine Liebe zu einer anderen Frau entdecken. Francesca Bruni (Sienna Miller), eine emanzipierte Wissenschaftlerin, ist Casanovas Auserwählte, doch zum ersten Mal in seinem Leben, stoßen seine Avancen bei einer Frau auf taube Ohren, denn Francesca ist bereits einem anderen Mann versprochen. Casanova lässt nichts unversucht, um die Hand seiner Traumfrau zu gewinnen, doch die Inquisition, allen voran Bischof Pucci (Jeremy Irons), ist ihm bereits dicht auf den Fersen und möchte Casanova hängen sehen ...

    Smart, sexy und wahnsinnig komisch - so präsentiert sich Lasse Hallströms farbenfrohe Komödie für Erwachsene. Die meiste Komik nimmt der Film daher, dass er sich selbst nun mal gerne auf den Arm nimmt. Einfach alles nicht so ernst sehen, die Situation übertrieben zuspitzen und schon hat das Publikum seine helle Freude an dem bunten Treiben in Venedig. Und bunt ist das Treiben im wahrsten Sinne des Wortes, denn in „Casanova“ wird viel Wert auf prächtige Kostüme gelegt. Die bereits acht Mal für den Oscar nominierte Kostümdesignerin Jenny Beavan (Gosford Park, „Anna und der König“) zaubert die schönsten Kleider, die buntesten Mäntel und die aufwendigsten Perücken auf die Kinoleinwand.

    Dass sich der Film selbst auf die Schippe nimmt, macht „Casanova“ zwar wahnsinnig sympathisch, doch entschuldigt das leider nicht kleine Patzer, wie die wohl schlechtesten Blue-Screen-Effekte seit langem. Ob das nun von Lasse Hallström so gewollt ist oder nicht, sei dahingestellt, aber ein klein wenig bessere Effekte hätten dem Film sicher nicht wehgetan.
    Natürlich darf in einem Film über den wohl berühmtesten Liebhaber der Welt das erotische Techtelmechtel nicht fehlen, doch Hallström begrenzt sich auf das Nötigste, schließlich soll „Casanova“ eine romantische, keine erotische Komödie sein. Lasse Hallström (Chocolat, Schiffsmeldungen, Gottes Werk und Teufels Beitrag) beweist nicht nur ein Händchen für witzige Situationen und eindrucksvolle Kostüme, sondern landet auch bei der Besetzung wieder einen Volltreffer nach dem anderen.
    Heath Ledger (Brokeback Mountain, Ritter aus Leidenschaft) in der Rolle des smarten Verführungskünstlers lässt nicht nur Frauenherzen dahin schmelzen. Mit jugendlichen Charme und einer Prise Selbstironie spielt er einen Casanova, der sich sehen lassen kann. Es gehört schließlich viel dazu in engen Jacketts, spitzen Schuhen und langen Perücken trotzdem noch verführerisch auszusehen. Doch auch für das männliche Publikum gibt es eine Augenweide. Sienna Miller (Layer Cake) sieht nicht nur unheimlich gut aus, sondern beweist, dass sie auch in komischen Rollen überzeugen kann. Die große Überraschung des Films ist und bleibt allerdings Jeremy Irons (Der Kaufmann von Venedig). Der Oscar prämierte Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen ist zwar eher für seine ernsthaften Rollen bekannt, spielt aber in „Casanova“ so köstlich komisch, dass Bischof Pucci wohl trotz seiner kleinen Rolle am besten in Erinnerung bleibt. Mit viel britischem Understatement und einem Hang zur Selbstironie mimt Irons den wohl lustigsten Bischof seit langem.

    „Casanova“ trägt mit seinen vielen kunstvollen Einstellungen ganz deutlich die Handschrift von Lasse Hallström und bietet wunderschöne Bilder von Venedig, die die Stadt malerisch in Szene setzen. Neben einem wirklich verführerischen Heath Ledger, einer zauberhaften Sienna Miller und einem urkomischen Jeremy Irons, lebt „Casanova“ vor allem von seinem ständigen Hang zur Selbstironie. Wer mal wieder abschalten und einfach nur eine nette Komödie für Erwachsene genießen will, der liegt mit „Casanova“ goldrichtig. Link-Tipp: CD-Kritik „Casanova“-Soundtrack
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