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    Woman wanted
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Woman wanted
    Von Björn Becher
    „Woman Wanted“ ist nicht nur der Titel von Kiefer Sutherlands vierter (und bis dato letzter) Regiearbeit, sondern auch die Überschrift einer Anzeige, welche Richard Goddard (Michael Moriarty) zu Beginn aufgibt. Für die drei Protagonisten beginnt damit eine schicksalhafte Dreiecksbeziehung, an deren Ende sich ihr aller Leben gewendet haben wird. Für den Zuschauer beginnt dagegen eine über 100 Minuten lange Schlaftablette von Film, bei der einzig Holly Hunter und der Soundtrack für spärliche lichte Momente sorgen. Denn das Romantik-Drama, das der deutsche DVD-Verleih auch noch als Thriller verkaufen will, ist bieder und langweilig inszeniert und wartet mit unglaubwürdigen Charakteren auf, zu denen zu keinem Zeitpunkt eine Bindung aufgebaut wird.

    Richard Goddard gibt jene Anzeige auf, weil er mit seinem Sohn Wendell (Kiefer Sutherland) nicht mehr klar kommt. Der ist Mitte Zwanzig, störrisch und abneigend gegen seinen Vater, mit dem er seit dem Tod der Mutter (für welchen der Sohn dem Vater die Schuld gibt) alleine zusammen lebt. Die Haushälterin Emma (Holly Hunter), die sich auf die Anzeige bewirbt, soll so den beiden Männern nicht nur den Haushalt schmeißen, sondern auch für einen Ausgleich sorgen und ihre Beziehung besänftigen. Doch wie es das Unglück so will, verlieben sich Vater und Sohn in die hübsche Frau im Haus.

    Wenn man das deutsche DVD-Cover zu „Woman Wanted“ in den Händen hält, dann liest man dort Dinge wie „Genre: Thriller“ oder schon vorne auf der Front die schweren Begriffe „Rivalität, Missgunst, abgrundtiefer Hass“, natürlich versehen mit einem Ausrufezeichen und im Klappentext noch einen Hinweis auf eine „mysteriöse Vergangenheit“ der neuen Haushälterin. Das sind Begriffe, die sicher mehr locken sollen, als es „Genre: Romantik-Drama“, die Begriffe: „Eifersucht, Versöhnung, Liebe“ und „bewegtes Vorleben“ der neuen Haushälterin würden. Zweiteres wäre zwar vielleicht weniger verkaufsfördernd, aber dafür wenigstens richtig. Exemplarisch sei dies für die Genrebezeichnung „Thriller“ dargelegt. Könnte man die fehlende Spannung noch verzeihen (es muss ja auch schlechte Thriller geben, die sich oft dadurch „auszeichnen“), zeichnet sich das Genre ja zumindest durch den Versuch der Erzeugung einer solchen Spannung aus, einer Akzentuierung gegenüber dem Zuschauer. Davon ist in „Woman Wanted“ nicht die Spur einer Intention zu erkennen.

    Eine solche Fehlinformation des deutschen Verleihs darf man dem Film selbst natürlich nicht anlasten und ihn somit nicht als Thriller betrachten, wie er hierzulande vermarktet wird, sondern muss ihn als Romantik-Drama einordnen, was er sein will. Leider kann er aber auch auf diesem Feld keine Punkte erzielen. Die Geschichte ist zwar altbekannt, die Konstellation zwischen Liebe von Hausherrn zur Angestellten und gleichzeitiger Liebe derer zu dem Sohn des Hauses kann durchaus als klassisch bezeichnet werden, birgt aber Potential für ein dramatisches Liebeskonstrukt. Das entwickelt sich aber niemals, da die Figuren dem Zuschauer herzlich egal bleiben. Der eingestreute Ödipus-Komplex des Sohnes wirkt genauso beliebig eingebaut, wie die Beweggründe der Frau, sich in beide zu verlieben. Vor allem die beiden männlichen Figuren bleiben völlig kalt und vom Zuschauer entfernt, trotz aller emotionalen Ausbrüche, die das Drehbuch für den Sohn vorgesehen hat.

    Dass Kiefer Sutherland den Regiecredit im Nachhinein an das bekannte Synonym Alan Smithee (welches Regisseure verwenden, die sich von ihrem Film distanzieren wollen) übertrug, verwundert daher nicht weiter. Da er aber auch die Hauptrolle übernahm, bringt dieses Verstecken hinter dem „Smithee“ wenig. Zumal gerade diese Entscheidung dem Film genauso viel schadet, wie die ganze träge Inszenierung und die schwache Figurenbildung. Der damalige Mittdreißiger Sutherland scheitert auf der ganzen Linie an seiner Rolle als trotzköpfiger Hobby-Poet in den Zwanzigern. Es ist weniger der Altersunterschied der Sutherlands Darstellung unglaubwürdig macht, als die Tatsache, dass er es ihm zu keinem Zeitpunkt gelingt, glaubwürdig zwischen den beiden Extremen seiner Figur (Kind im Manne und intellektueller Charmeur) zu wechseln, sondern sein Spiel über weite Strecken zu eintönig bleibt. Besonders fällt dies im Vergleich mit Kollegin Holly Hunter auf, die mit Variantenreichtum aus ihrer Rolle deutlich mehr macht, als in ihr eigentlich drin steckt. Sie schafft es als Einzige, aus dem Hauptdarstellertrio das Innenleben ihrer Figur zwischenzeitlich einmal dem Zuschauer näher zu bringen. Es verwundert daher nicht, dass „Woman Wanted“ genau aus jener Zeit stammt, als Kiefer Sutherlands Karriere auf ihrem absoluten Tiefpunkt angelangt war und ihm kaum jemand mehr ein Comeback zutraute, welches ihm dann wenige Zeit später mit dem gewagten Schritt in die TV-Branche und der Hit-Serie „24“ gelang.

    Holly Hunter ist somit der einzige kleine Grund, den man finden kann, der für ein Anschauen des Films spricht. Denn die Geschichte, wie sich durch die rivalisierende Liebe der beiden Männer zu der Haushälterin langsam ihre Beziehung wieder bessert und sie beide neues Selbstvertrauen erlangen, rauscht in ihrer Belanglosigkeit einfach nur am Zuschauer vorbei.
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