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    Zwei sind nicht zu bremsen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Zwei sind nicht zu bremsen
    Von Carsten Baumgardt
    Mit ihrem fünften gemeinsamen Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ schaffte das legendäre Duo Bud Spencer und Terence Hill 1971 den großen Durchbruch. Danach hatten die schlag- und kalauerkräftigen Italiener zehn Hits in Serie, bis 1984 „Vier Fäuste für Rio“ diesen Triumphzug stoppte und das Ende einer Ära einläutete. Die beiden letzten Werke „Die Miami Cops“ (1985) und „Die Troublemaker“ (1994) floppten ebenfalls. Einen der größten Erfolge feierten die Sympathieträger mit Sergio Corbuccis launiger Action-Komödie „Zwei sind nicht zu bremsen“.

    Die Navy in Florida hat endgültig die Nase voll. Den Matrosen wird in den Spielcasinos mit illegalen Methoden das hart verdiente Geld aus der Tasche gezogen. Von dem Vorgesetzten Admiral O’Connor (Woody Woodbury) bekommt der mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnete Tausendsassa Johnny Firpo (Terence Hill) den Auftrag, die Mafia aufzuspüren und zu erledigen. Er beherrscht zwar nahezu alles erdenkliche, aber von Glücksspiel hat der Navy-Offizier leider keine Ahnung. Deshalb soll er sich an die Fersen seines Halbbruders Charlie Firpo (Bud Spencer) heften. Der ist ein ehemaliger Top-Profispieler, aber inzwischen geläutert. Er verdient sein Geld lieber auf ehrliche Art und Weise als Trucker...

    Offiziell begann die Zusammenarbeit von Carlo Pedersoli (alias Bud Spencer) und Mario Girotti (alias Terence Hill) 1967 mit dem Western „Gott vergibt – wir beide nie“ (auch bekannt als „Zwei vom Affen gebissen“). 1959 spielten beide aber noch unter ihren Originalnamen bereits in dem Historienfilm „Hannibal“ gemeinsam. Allerdings hat Bud Spencer dort nur eine Minirolle und ist kaum zu sehen. Nach dem Riesenerfolg von „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ reihten sie einen Blockbuster an den nächsten. Die Chemie zwischen den Freunden stimmte einfach sensationell und das Publikum liebte diese Art von Filmen wenigstens knapp zwei Dekaden lang. Das Subgenre der Hau-Drauf-Komödie wurde durch Bud Spencer und Terence Hill definiert. Nebenbei waren beide auch noch solo sehr erfolgreich. Mitte der 80er Jahre ging dem Duo die Luft aus, dazu änderte sich der Publikumsgeschmack und das Comeback „Die Troublemaker“ (unter Hills Regie) ging 1994 daneben.

    Mit „Zwei sind nicht zu bremsen“ standen Bud Spencer und Terence Hill in der Blüte ihres Erfolges. In Deutschland lockte der Film über fünf Millionen Besucher in die Kinos. Der Hauch von Geschichte ist wie praktisch immer kaum der Rede wert. Sie dient lediglich dazu, die Kalauerrevue einigermaßen zusammen zu halten und von einem Schauplatz zum nächsten zu führen. Die Schauwerte der Gangster-Komödie sind hoch. Alle erdenklichen Arten von Rennen werden im sonnendurchfluteten Florida geboten: von Speedbooten über Traben bis hin zu Crashautos. Immer mittendrin: das ungleiche Brüderpaar Charlie und Johnny Firpo. Neben den herrlichen Trasheinlagen mit offenem Visier spähen hier und da immer wieder kleine Gags durch, die so etwas wie Hintergründigkeit und Ironie durchscheinen lassen. Die Vollblut-Italiener Carlo Pedersoli und Mario Girotti heißen im Film als Amerikaner Charlie und Johnny. Das ist so doof, dass es schon wieder Spaß macht und als Plus gewertet werden darf. Gleiches gilt für die Tatsache, dass sich das Duo als Halbbrüderpaar entpuppt. Völlig absurd, aber unglaublich komisch. Man hält sich auch gern mal mit Nebensächlichkeiten auf, zum Beispiel der kultverdächtigen Diskussion um das Pistazieneis oder totalen Albernheiten wie Bud Spencer in der Wiege als Kleinkind mit Schnuller. Trotzdem funktioniert's.

    Die Rollenklischees, die beide ausfüllen, haben sich in all ihren Filmen nie geändert. Jeder macht das, was vom ihm erwartet wird. Das ist aber auch überhaupt nicht wichtig, weil man den Eindruck bekommt, dass es einfach so gehört. Inszenatorisch wechseln sich die legendären, Comic-artigen Prügeleinlagen mit äußerst launigen Sprüchen ab. Wenn Terence Hill auf einmal fließend Delphinisch spricht und Bud Spencer im Schlussgag mit Möwisch kontert, ist das genauso albern, wie viele der Gags, aber es passt halt doch.

    „Zwei sind nicht zu bremsen“ gehört zu den sehr guten Filmen der beiden, wenn auch nicht zu den besten Werken. Sergio Corbucci, der 1981 nochmal zum zweiten und letzten Mal für das Duo in dem urkomischen „Zwei Asse trumpfen auf“ Regie führte, kann den typischen Takt eines Spencer/Hill-Vehikels problemlos halten. Hier dürfen Knallchargen noch Knallchargen sein - ohne zu nerven. Völlig außer Frage steht natürlich, dass man diese Art von Filmen im Allgemeinen und Filme des Duos im Besonderen mögen muss, um an Zwei sind nicht zu bremsen seinen Spaß zu haben. Ist diese Einstellung allerdings vorhanden, unterhält die urkomische, aberwitzige Komödie tadellos.
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