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    Im Auftrag des Teufels
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Im Auftrag des Teufels
    Von Robert Kock
    Der Teufel steckt nicht nur im Detail, sondern auch in vielen Filmen. Jedes Jahr werden zahlreiche Horrorstreifen mit dem ollen Lucifer produziert. Der Typ ist eben nicht tot zu kriegen. Neben den üblichen und sich ewig wiederholenden Himmel-und-Hölle-Stories aus dem Splattergenre gibt es aber auch von Zeit zu Zeit Filme, die sich diesem Thema ein wenig origineller widmen. Der Exorzist zum Beispiel, oder Rosemaries Baby von Roman Polanski. Auch Taylor Hackford (Ray, „Lebenszeichen“, „Gegen jede Chance“) drehte 1997 mit „Im Auftrag des Teufels“ einen Mystery-Thriller ab, der die Klischees vom Diabolo ein wenig umkrempelt. Er vermutet das Teuflische nicht unter der Erde, sondern dort, wo es schon viele gesehen haben wollen: im Innern gewissenloser Anwälte…

    Der eine Anwalt heißt Kevin Lomax (Keanu Reeves), ein junger Emporkömmling aus einer kleinen Stadt in den Südstaaten, der schon 64 Gerichtsverhandlungen in Folge gewonnen hat. Gelegentlich bedient er sich dabei jedoch moralisch fragwürdiger Methoden, um seine Ziele zu erreichen. Der andere Anwalt heißt John Milton (Al Pacino) und ist Boss einer der mächtigsten Kanzleien im ganzen Land mit Sitz in New York City. Er ist auf den Staranwalt aus der Provinz aufmerksam geworden und bietet ihm einen Job an, mitsamt stattlichem Honorar und einem riesigen Apartment in der Fifth Avenue. Kevin nimmt das Angebot an und zieht mit seiner Frau Mary Ann (Charlize Theron) in die große Stadt. Zunächst sind die beiden begeistert vom neuen Leben und Kevin blüht auf in seiner Position. Doch schon bald bemerkt Mary Ann, dass etwas faul ist an dieser Firma. Sie hat plötzlich Erscheinungen und beginnt merkwürdige Dinge zu sehen…

    Die Idee zum Film basiert auf dem Roman des amerikanischen Autors Andrew Neiderman. Man fühlt sich auch oft an John Grishams Die Firma erinnert, sogar an Goethes „Faust“, womit wir schon beim ersten wichtigen Element des Films sind: dem subtilen Spiel mit Allegorien, mit Andeutungen und Symbolik. Bereits zu Beginn, während man noch den Eindruck vermittelt bekommt, dass es sich um ein normales Gerichtsdrama handelt, hört man merkwürdige Geräusche und sieht Bilder (wie die Zeitrafferaufnahme des New Yorker Nachthimmels), die einen erahnen lassen, dass seltsame Dinge geschehen werden. Wer genauer hinsieht, bemerkt vielleicht, dass die Hausnummer 555 im Bild auftaucht, eine Anspielung auf die teuflische Zahl des Tieres. Auch der Name von Pacinos Figur John Milton geht zurück auf den gleichnamigen englischen Dichter des 17. Jahrhunderts, aus dessen Werk der Satz „Lieber in der Hölle regieren, als im Himmel zu dienen“ stammt, den Lomax im Film zitiert. Alle Details fallen einem sicher erst nach mehrmaligem Sehen des Films auf, denn die Metaphern sind zahlreich und fast nie offensichtlich, was der Atmosphäre und dem Spannungsaufbau durchaus zu Gute kommt.

    Ohnehin funktioniert die sukzessiv stärker werdende Dramatik, die zeigt wie sich das Böse in den Alltag von Kevin Lomax einschleicht, wirklich hervorragend. Gleichzeitig jedoch ist genau das der einzige Schwachpunkt. Denn für eingefleischte Horrorfans dürfte der Film etwas zu langsam in die Gänge kommen. Es dauert eine Weile, bis sich dem Zuschauer das Grauen offenbart, obwohl man schon die ganze Zeit weiß, woher der Wind weht. Danach allerdings bleibt der Film spannend und wartet mit einigen tollen Szenen und Überraschungen auf. Besonders in der letzten halben Stunde überschlagen sich die Ereignisse. Die Geschichte kommt nochmal so richtig in Fahrt und stimmt auf das große Finale ein. Spätestens dort können dann auch die Schauspieler zeigen, was sie so gelernt haben.
    Besonders der charismatische Al Pacino (Insider, Heat, Der Pate-Trilogie), der die Rolle erst fünf Mal ablehnte, bevor er zusagte (die frühen Fassungen des Drehbuchs waren ihm zu effektlastig), konnte sich hier mal so richtig auslassen und brilliert in den tollen Dialogen mit Reeves (Matrix, Constantine). Dieser hat denn auch ganz schöne Schwierigkeiten, mit ihm Schritt zu halten, macht seine Sache im Endeffekt jedoch ganz gut. Besonders hervorheben sollte man noch die Leistung der bezaubernden Charlize Theron (Aeon Flux, Monster). Die hat sich für die Rolle der allmählich in den Wahnsinn abgleitenden Ehefrau auch gut vorbereitet. Sie übte täglich mit einem Psychotherapeuten, der ihr beibrachte, wie sich Schizophrene verhalten. Es scheint sich gelohnt zu haben, denn sie wirkt durchaus überzeugend und haucht der Figur Leben ein, so dass man ihren Wandel sehr gut nachvollziehen kann.

    Auch sonst ist die Inszenierung überaus gelungen. Taylor Hackford spielt anscheinend nicht gerne herum und verlässt sich beim Filmemachen eher auf die traditionellen Werte. Das tut dem Film auch gut und gibt der ganzen Geschichte die Glaubwürdigkeit, die sie verdient, schließlich ist das hier ein waschechter Mystery-Thriller und kein 08/15-Horrorschinken. So ist auch die Musik zum Film, komponiert vom äußerst talentierten James Newton Howard (The Sixth Sense, Collateral), sehr gut gelungen, hätte aber vielleicht in der einen oder anderen Szene ein wenig mehr Beachtung finden können. Ein kleiner Wermutstropfen für alle, die den Film bisher nicht gesehen haben: Nur in der älteren US-Version der DVD sieht man die komplette Engelsskulptur in Miltons Büro. Sie musste aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Werk „Ex Nihilo“ des Künstlers Frederick Hart aus ein paar kleineren Szenen rausgeschnitten werden und darf nur beim Finale zu sehen sein. Die TV-Version des Films allerdings zeigt immer noch die alte Originalfassung.

    Würde es eine Kardinaltugend sein, meisterliche Filme zu drehen, wäre Taylor Hackford dem Himmel sicher schon ein gutes Stück näher gekommen. Mit „Im Auftrag des Teufels“ ist ihm ein spannendes, unterhaltsames Machwerk über die Abgründe des Menschseins gelungen. Dabei bleibt der Film nicht an der Oberfläche, sondern beleuchtet das religiöse Thema um Gut und Böse durchaus kritisch und hinterfragt liebgewonnene Erklärungsversuche. Die offensichtlichen Angriffe auf unser modernes Justizsystem machen dabei genau soviel Spaß wie das grandiose Spiel von Al Pacino, durch das der Film nochmals kräftig aufgewertet wird. Ein höllisches Sehvergnügen und ein Muss nicht nur für Fans des Okkulten.
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