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    The Fog - Nebel des Grauens
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    The Fog - Nebel des Grauens
    Von Deike Stagge
    Remakes haben aufgrund ihres Status innerhalb eines bekannten Franchises eigentlich einen guten Start für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Ohne diese Karte auszuspielen, läuft der Horrorfilm „The Fog“ in den Kinos an. Wenn der Verleih auf Pressearbeit verzichtet, ist dies meist kein gutes Zeichen für die Qualität des Films...

    Nick Castle (Tom Welling) lebt im malerischen Antonio Bay auf einer kleinen Insel. Das hundertjährige Stadtjubiläum steht an, zu dem die vier Gründungsväter mit einem Denkmal geehrt werden sollen. Ein Vorfahre Nicks gehört dazu. Den jungen Mann interessiert das kaum: Ihm und seinem Freund Spooner (DeRay Davis) fehlen Kunden für den Bootsservice und Freundin Elisabeth (Maggie Grace) ging von sechs Monaten ohne sich zu verabschieden aufs Festland. Doch plötzlich steht sie wieder vor der Tür, geplagt von Alpträumen über Feuer und Ertrinken und meint, nur Antonio Bay könne sie von ihren Visionen erlösen. Helfen kann Nick ihr nicht, statt dessen will er verhindern, dass die Aufgetauchte der sexy Radiomoderatorin Stevie (Selma Blair) über den Weg läuft, mit der er sich kürzlich vergnügte. Niemand denkt sich etwas dabei, als ungewöhnlich dichte Nebelschwaden aufziehen, die auf Antonio Bay zuziehen. Doch sie bergen ein tödliches Geheimnis. Denn die Gründung der Kleinstadt verlief nicht so friedlich, wie in den Geschichtsbüchern dargestellt. Nick, Elisabeth, Stevie und andere Nachkommen der Gründerväter sollen jetzt für die Taten ihrer Vorfahren auf brutale Art und Weise mit dem Leben bezahlen. Und wie sollen sie sich gegen etwas wehren, dass sie nicht einmal anfassen können?

    Im Jahr 1980 schuf Grusel-Legende John Carpenter, der die Massen mit der „Halloween“-Filmreihe das Fürchten lehrte und seine Genre-Expertise in „Vampires“ und Steven King’s „Christine“ ausspielte, mit „The Fog“ einen Horrorfilm, der zwar nicht alle Zuschauer vom Hocker riss, aber für einen großen Teil der Genrefans direkten Kultstatus erreichte. Vor allem durch die durchgängig schaurig-mysteriöse Atmosphäre und die Verpflichtung von Scream-Queen Jamie Lee Curtis („Halloween“) und „Psycho“-Lady Janet Leigh konnte der Film beim Publikum punkten. Davon ist das Remake „The Fog“ meilenweit entfernt. Das Hauptproblem ist ein Gravierendes: Das Drehbuch schafft es nicht, in irgendeiner Form einen Anflug von Gruseln beim Zuschauer zu erzeugen, von einem Mitfiebern ganz zu schweigen. Der zentrale Sinn eines Horrorfilms ist es aber, gruselig zu sein und hin und wieder das Publikum zu erschrecken oder auf falsche Fährten zu locken. Aber hier schwenken die überraschenden Wendungen der Story schon aus großer Entfernung riesige Banner, um ihr Kommen anzukündigen, frei nach dem Motto „Nachtigall, ick hör dir trapsen“ . Die Opfer und die Reihenfolge ihres Todes erschließen sich nach kürzester Zeit auch dem unerfahrenen Teil des Publikums. Die Schockeffekte kommen öfter durch zu laute, plötzlich einsetzende Musik zustande als intelligente Schnitte und in der Dunkelheit lauernde Killer. Die bekannte Kirchenszene des Originals wurde an einen anderen Drehort verlegt und büßt dadurch einen Großteil ihrer Stimmung ein.

    Auch in Sachen Effekte bekleckert sich das neueste Werk von Regisseur Rupert Wainright (Stigmata, „The Sadness Of Sex“) nicht gerade mit Ruhm. „Je dicker, desto besser“ schien der simple Wahlspruch für die Kreation des Nebels gewesen zu sein. So sieht das Endprodukt dann auch aus, als hätten die Macher sämtliche Nebelmaschinen von billigen 80er-Jahre-Discotheken aufgekauft und mit dem Rauch von Feuerlöschern angereichert. Vor dieser undurchsichtigen Suppe fliehen die Protagonisten mit ihren niedlich-sinnfreien Taschenlampen planlos über die Insellandschaft. Die Darsteller rekrutieren sich hauptsächlich aus der Serienwelt. Sonnyboy Tom Welling, der seinen Durchbruch als der junge Superman in der Serie „Smallville“ schaffte und auf der großen Leinwand in Im Dutzend billiger und Im Dutzend billiger 2 zu sehen war, schleppt seinen durchtrainierten Body neben der vor allem aus „Lost“ bekannten Maggie Grace über 100 Minuten zähe Filmzeit. Die Rollen bieten leider kaum die Möglichkeit, sich als Schauspieler gekonnt in Szene zu setzen und so begnügen sich beide Schauspieler damit, den physischen Anforderungen gerecht zu werden und präsentieren ihre Traumkörper im besten Licht und einer obligatorischen Sexszene in der Dusche. Selma Blair, zuletzt erfolgreich in Hellboy und Reine Chefsache, bringt als einzige Hauptrolle noch einige wenige Charaktermomente ein, wenn sie sich auf die Suche nach ihrem vom Nebel verschluckten Sohn macht und dabei den Geistern über den Weg läuft. Doch der Gesamteindruck von „The Fog“ kann dadurch nicht verbessert werden.

    Es ist schon traurig, wenn das gruseligste Element eines Horrorfilms seine Dialoge sind. Die vorhersehbare Handlung zieht sich schocklos dahin, bis der Showdown den Zuschauer erlöst. Die Freigabe ab 16 Jahre erscheint angesichts des Plots fast schon zu hoch gegriffen, wären da nicht ein paar wenige Einstellungen, die einen sehr dezenten Hauch von Splatter tragen. Kurz gesagt: „The Fog“ ist nichts Halbes und nichts Ganzes. In Ermangelung anderer genretechnischer Alternativen empfiehlt sich dem Fan eher der Gang zur Videothek, um sich das Original oder einen anderen Klassiker anzusehen.
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