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    Tödlicher Einsatz
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Tödlicher Einsatz
    Von Lars-Christian Daniels
    Money, Money, Money. Wenn ein Film die Aussicht auf das schnelle Geld thematisiert, große Teile der Handlung im Casino spielen und sich gleich ein ganzes Star-Ensemble vor der Kamera die Ehre gibt, denken wir sofort an...? Natürlich, Ocean´s Eleven, Steven Soderberghs kurzweilige Gauner-Komödie von 2001. Bestimmen aber statt der augenzwinkernden Unbeschwertheit George Clooneys tragische Elemente den Blick auf Las Vegas, ist zuerst Martin Scorseses Mafia-Drama Casino, zu Unrecht bei der Oscar-Verleihung 1996 beinahe vergessen, zu nennen. Auch in „Tödlicher Einsatz“ dreht sich alles um das liebe Geld, zerplatzte Träume und menschliche Tragödien. Leider erreicht das Crime-Drama von Mark Rydell („Die Cowboys“, „The Rose“), dem ein Kinostart trotz namhafter Besetzung verwehrt blieb, selten den nötigen Tiefgang, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

    Schriftstellerin Carolyn Carver (Kim Basinger) spielt ihrem Mann Tom (Ray Liotta) und ihrer Tochter Nicole (Carson Brown) die heile Welt vor. Statt an einem neuen Roman zu schreiben, bringt sie die Ersparnisse der Familie im Casino durch. Auch Clyde Snow (Forest Whitaker), hochverschuldeter Bruder des erfolgreichen Basketballers Godfrey Snow (Nick Cannon), ist spielsüchtig – er verzockt sein Geld bei Sportwetten. Clyde versucht seinem Glück auf die Sprünge zu helfen, indem er seinen Bruder bittet, auf Kosten der Karriere Spiele zu manipulieren. Carolyn hingegen verspürt neue Hoffnung, als der gescheiterte Zauberkünstler Walter (Danny DeVito) ihr eine unverhoffte Glückssträhne beim Black Jack beschert. Als der Magier ihr rät, alles auf den vermeintlich sicheren Ausgang des Basketball-Endspiels zu setzen, scheint ein schnelles Vermögen in Richweite. Dumm nur, dass dabei auch Clyde, der einflussreiche Buchmacher Victor (Tim Roth) und der korrupte Detective Brunner (Kelsey Grammer) ein Wörtchen mitreden wollen…

    Angesichts der beeindruckenden Besetzung und des Potenzials, das die Figuren mit sich bringen, ist es sehr bedauerlich, dass Robert Tannens Drehbuch kaum tiefere Einblicke in die Vergangenheit der Charaktere gestattet. Insbesondere die Vorgeschichte von Carolyn Carver – eine Figur, die ein wenig an die ebenfalls von Kim Basinger (L.A. Confidential, While She Was Out) verkörperte Rabenmutter in 8 Mile erinnert – wäre für den Zuschauer von großem Interesse. Doch warum wird aus der erfolgreichen Autorin eine verzweifelte Spielsüchtige? Wir sehen Carolyn bereits in der Eröffnungssequenz hektisch Jetons in einarmige Banditen schmeißen und erwarten die Antwort trotz einer überzeugenden Leistung Basingers vergebens. Wieso sie mit ihrem Doppelleben die Existenz ihrer ganz normalen und intakten Familie aufs Spiel setzt, bleibt offen. Auch bei Clyde Snow, den Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland, 8 Blickwinkel) gewohnt souverän auf die Leinwand bringt, wird auf eine entsprechende Einführung verzichtet. Auch der Hintergrund seiner Schulden und Probleme bleibt unklar. Stattdessen werden dem Zuschauer minutenlange Ausschnitte aus einer Basketballpartie seines Bruders vorgesetzt.

    Es dauert bis zum Auftritt des abgehalfterten Zauberers Walter (Danny DeVito, Batmans Rückkehr, Big Fish), ehe es erstmalig interessant wird. Walter, der früher als „Amazing Abraham“ im Zirkus für Aufsehen sorgte, hält sich inzwischen mit Taschenspielertricks über Wasser und erleichtert großzügige Witwen im Casino um ein paar Dollar. Mit seinem Eintritt ins Geschehen erhält die bis dahin seicht vor sich hinplätschernde Handlung erste wirksame Impulse. DeVito erweist sich als hervorragende Wahl, wirkt er in den Gesprächen mit Carolyn doch eher wie ein trauriger Clown als wie der berühmte Magier früherer Tage. Statt den Scherbenhaufen seiner Karriere aufzukehren, sucht er zwischen Wettbüro und Roulettetisch nach einem Rettungsanker. Das Schicksal dieses sympathischen Zauberers lässt einen nicht kalt. Andere Figuren in diesem Ensemblestück bleiben trotz ebenfalls prominenter Besetzung hingegen blass: Weder Kelsey Grammer („Frasier“, X-Men: Der letzte Widerstand) als zwielichtiger Detective Brunner, noch Nick Cannon (Day Of The Dead, Drumline) als Basketballstar vermögen Akzente zu setzen.

    Die Handlung wird vorwiegend durch das Misstrauen von Carolyns Ehemann Tom (Ray Liotta, GoodFellas, Crossing Over), dem die Ausflüchte seiner Frau zunehmend spanisch vorkommen, vorangetrieben. Dennoch bleibt sie stets vorhersehbar. Carolyns Doppelleben und die lieblos inszenierten Konflikte Clydes mit der Wettmafia werden zudem über das Glücksspiel-Motiv und die Figur des Zauberers Walter, den der eiskalte Victor (hervorragend: Tim Roth, Funny Games U.S., Der unglaubliche Hulk) immer wieder auflaufen lässt, nur recht oberflächlich und einfallslos miteinander verwoben.

    Das mäßige Ende, das mit dem Zaunpfahl an die banale Kernaussage des Films erinnert, vermag „Tödlicher Einsatz“ nicht mehr aufzuwerten. So bleibt der Film über die gesamte Spielzeit ein durchschnittliches DVD-Krimi-Drama, das trotz einiger guter Ansätze und der vielversprechenden Besetzung nie wirklich überzeugt. Dass „Tödlicher Einsatz“ mit dreijähriger Verspätung direkt in unseren Videotheken landete, ist somit alles andere als verwunderlich.
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