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    Breaking and Entering – Einbruch und Diebstahl
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Breaking and Entering – Einbruch und Diebstahl
    Von Deike Stagge
    Gerade hat der Kinozuschauer die harte und zum Nachdenken anregende Kost des meisterhaften Problemfilms Babel halbwegs verdaut, da schlägt in genau diese Nische direkt im Anschluss auch schon „Breaking And Entering“ aus der Feder von Anthony Minghella (Der englische Patient, Unterwegs nach Cold Mountain). Und auch dieser ist verdammt nachdenklich - und ziemlich gut gemacht. Statt jedoch den Globus mit seiner Geschichte einmal komplett zu umspannen, wie der Plot von „Babel“ es tut, bleibt Minghellas Romantik-Drama von Anfang bis Ende in der britischen Hauptstadt und thematisiert die Auswirkungen des Schmelztiegels London auf seine aus aller Welt stammenden Bewohner. Im Zentrum handelt „Breaking and Entering“ neben der Dreiecksgeschichte zwischen Jude Law, Juliette Binoche und Robin Wright Penn vor allem von der Frage, wie weit Eltern für ihre Kinder gehen würden.

    Denn eigentlich sind es die 13-jährige Bea (Poppy Roger) und der 15-jährige Miro (Rafi Gavron), die ihre Elternteile zusammenbringen und für den Konfliktstoff sorgen. Bea steht an der Grenze zum Autismus und bringt mit ihren ausgefallenen Aktionen und ihren Anfällen ihre schwedischstämmige Mutter Liv (Robin Wright Penn) an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Da diese sich außer Stande sieht, die Probleme mit ihrem langjährigen Freund Will (Jude Law) zu teilen, stürzt dieser sich mehr und mehr in seine Arbeit als Landschaftsarchitekt. Als Wills neues Büro vom bosnischen Jungen Miro wiederholt ausgeraubt wird, heftet sich Will an dessen Fersen und trifft auf seine engagierte Mutter Amira (Juliette Binoche), zu der er sich langsam aber sicher hingezogen fühlt.

    Die Charaktere sind auch bei „Breaking And Entering“ der Schlüssel zum Erfolg des filmischen Konzepts. Wer sich auf den Film einlässt, entwickelt schnell Interesse an ihrem Schicksal. Besonders die beiden Hauptdarstellerinnen bringen durch ihr nuanciertes Spiel die Facetten ihrer Figuren eindrucksvoll zum Ausdruck. Robin Wright Penn (Forrest Gump, Unbreakable) gibt einen memorablen Auftritt als unterkühlte Schwedin, die immer nur gibt und sich nicht traut, auch mal etwas zu fordern. Juliette Binoche (Der englische Patient) knüpft als praktisch ausgelegte Überlebenskünstlerin genau an ihre Rolle aus Chocolat an.

    So unterschiedlich die beiden Frauencharaktere auch angelegt sind, eine Gemeinsamkeit haben sie: Sobald es um ihre Kinder geht, kann Jude Law sich einfach mal gehackt legen - so lecker er auch aussehen mag. Im Schutzbemühen um ihre Sprösslinge kennen die Damen kein Pardon. Zwischen diesen Vollzeitmüttern versucht Jude Law (Liebe braucht keine Ferien, Hautnah) in einer überzeugend verzweifelten Performance, seinen Platz zu finden; an der Seite einer der Frauen und auch als Bezugsperson für seine Ziehtochter. Die erst 14-jährige Poppy Rogers (Herr der Diebe, From Hell) spielt sich an seiner Seite so richtig warm und brilliert als schwieriger aber absolut liebenswerter Teenager. Auch der Newcomer Rafi Gavron kann mehr als nur durch sportliche Leistung überzeugen. Dieser gut zusammengestellte Cast ist das wirksamste Erfolgsrezept für Regisseur Minghella.

    Die eigentliche Hauptrolle spielt aber eigentlich der Handlungsort selbst. Bis in alle Einzelheiten liebevoll wirkt die Inszenierung, die Minghella seiner Wahlheimat zukommen lässt. In jeder Szene ist London präsent und mixt die Charaktere aktiv zusammen. Sicher wäre der Film ein völlig anderer geworden, hätte der Filmemacher eine andere Stadt ausgewählt - so eindringlich tritt London ins Bild als urbaner Problemdschungel. Mit seinem ersten Originaldrehbuch liefert der britische Regisseur auch ein Zeugnis der globalisierten Metropole ab.

    So interessant die Thematik von „Breaking And Entering“ auch ist, sie rutscht an einigen Stellen der Erzählung doch in eine Art von Patchworkmuster ab. Alle Figuren, die außerhalb der Beziehungen zwischen Will und den beiden Frauen stehen, werden immer dann aus der Tasche gezogen, wenn man sonst nicht weiterkommt. Wills Partner Sandy und die lebenserfahrene Prostituierte Oana verschwinden ewig, um dann in einem kurzen Moment noch mal eben einen wichtigen Satz auszuspucken. Die Erzählstruktur wirkt teilweise wie aus sprunghaften Dialogstücken zusammengeworfen.

    Auch Liv muss für längere Zeit ihre Leinwandpräsenz an Amira abtreten und taucht länger in keiner Szene auf. Was hinzukommt: Manchmal sind genau diese Dialogstücke direkt an der Grenze zum Abgleiten ins Kitschige oder Klischeehafte. Schade, dass dadurch ein bisschen der ansonsten sehr stimmigen Atmosphäre verloren geht.Trotzdem ist „Breaking And Entering“ sehenswert - thematisch und filmisch. Schon allein die Farbgebung des Films ist beeindruckend und setzt die Stimmung der Charaktere in Bezug zu ihrer Umgebung. Vor allem aber die Stimmigkeit der Schauspieler überzeugt. Nicht nur Fans von „Babel“ werden den Film genießen.
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