Groß angelegtes Gangster-Epos, das zwar in den 1970er Jahren spielt, aber aus jeder Pore sowas von 90ies atmet, dass es eine wahre Freude ist. Al Pacino ist einfach einer der ganz großen Legenden in Hollywood und stellt es auch hier wieder unter Beweis. Dabei verzichtet er aber zugunsten einer bedächtigen und ruhigen Performance auf seine markanten eruptiven Gefühlsausbrüche. Aber genau das passt ja so perfekt auf die Figur des Carlito, der vordergründig aus dem Milieu aussteigen will, sich aber doch genau eben dort wieder hineinbegibt und sich dann wundert, warum es nicht gelingt. Diese Ambivalenz seiner Figur kann er hervorragend anbringen, sein Spiel ist nuanciert und nie unglaubwürdig – stark!
Neben ihm kann Sean Penn (hier mit unfassbar spackiger Dauerwelle) nur blass aussehen, versucht aber dennoch alles, dagegen anzukämpfen. Pacino und Penn hier zusammen zu beobachten ist eine wahre Freude und fantastische Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Die Inszenierung von Brian de Palma nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und die Geschichte und weist dabei leider auch die eine oder andere Länge auf. Vor allem die Liebesgeschichte zwischen Carlito und Gail nimmt da aus meiner Sicht zu viel Raum ein, viele Szenen und Dialoge sind dann doch redundant, diese Ausführlichkeit hätte es nicht gebraucht. Auch zu Beginn wird der Rückkehr Carlitos sehr viel Raum eingeräumt, seine Gespräche mit alten Freunden und Feinden sind streckenweise auch etwas langweilig, die Figur des Lalin, gespielt von Viggo Mortensen, beispielsweise ist für die Handlung komplett überflüssig.
Ein cleverer Kniff besteht darin, den Zuschauer an Carlitos Gedanken durch immer wieder eingestreute VoiceOver-Kommentare teilhaben zu lassen. Dadurch gelingt eine bessere Identifikation und die Handlungen werden nachvollziehbarer. Als nicht so gelungen sehe ich die Anfangssequenz des Films, die nämlich schon auf unglückliche und zudem völlig unnötige Weise das Ende vorwegnimmt. Mann kann sich bei einem solchen Gangsterfilm natürlich eh schon denken, wie das Alles ausgeht, aber das Einspielen der Schlussszene zu Beginn hat keinerlei dramaturgischen oder künstlerischen Mehrwert und ist dadurch eben einfach überflüssig.
FAZIT: Al Pacino und Sean Penn sind schlichtweg überragend, man kann es nicht anderes sagen. Um die beiden herum entspinnt sich eine etwas generische Gangsterstory, die in Teilen auch zu langatmig geraten ist, dennoch aber spannend unterhält. Sehenswert.