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    Christopher Nolan hat beim Drehbuch zu "Oppenheimer" eine Methode angewendet, die für viele Schauspieler gefährlich ist
    Pascal Reis
    Pascal Reis
    -Redakteur
    Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.

    Eigentlich kennt man Method Acting aus der Schauspielerei. Regisseur Christopher Nolan hat diese Methode nun aber gewissermaßen ebenfalls angewandt, als er das Drehbuch zu „Oppenheimer“ geschrieben hat.

    Wie Christopher Nolan („Inception“) nun in einem Interview mit dem Empire Magazine verraten hat, hat er beim Verfassen des Drehbuches zu seinem neuen Film „Oppenheimer“ etwas getan, was er in mehr als zwei Jahrzehnten als Filmemacher noch nie getan hat: Er hat das Skript in der ersten Person geschrieben:

    „Da ist diese Idee, dass wir uns in den Kopf von jemandem hineinversetzen und sehen, wie er sich diese radikale Neuerfindung der Physik vorstellt. Eines der Dinge, mit denen sich das Kino in der Vergangenheit schwergetan hat, ist die Darstellung von Intelligenz und Genialität. Oft gelingt es nicht, die Menschen damit zu begeistern.“

    Christopher Nolan hat das fertige „Oppenheimer“-Drehbuch an Andrew Jackson, den Chef für die CGI-Effekte, geschickt und betonte ihm gegenüber, dass es besonders wichtig sei, „einen Weg in den Kopf dieses Mannes zu finden. Wir müssen die Welt so sehen, wie er sie gesehen hat, wir müssen sehen, wie sich die Atome bewegen, wir müssen sehen, wie er sich Energiewellen vorstellt, die Quantenwelt. Und wir müssen die Gefahr spüren, die Bedrohung, die von all dem ausgeht, irgendwie spüren.“

    Ist das gesund?

    Wenn man so möchte, hat sich Christopher Nolan beim Schreiben des Drehbuches gewissermaßen am Method Acting orientiert. Es handelt sich dabei um eine Methode aus der Schauspielerei, bei der sich die Darsteller*innen regelrecht in die Gefühlswelten ihrer Charaktere einleben. Dieses Verfahren ist nicht nur weit verbreitet, sondern wird auch kritisch betrachtet, da sich Method Acting in einigen Fällen negativ auswirken kann. Das gezielte Abrufen eigener Emotionen kann nämlich an einem Trauma rühren und schlussendlich eine Retraumatisierung auslösen. Hier erfahrt ihr mehr über die Gefahren.

    Dass sich Christopher Nolan in den Kopf von Oppenheimer hineinversetzt hat, hätte durchaus Probleme mit sich bringen können, schließlich ist nicht zuletzt dieser Mann dafür verantwortlich, dass im Zuge des Manhattan-Projekts die Atombombe entwickelt wurde. Offenbar aber hat der Meisterregisseur hier keine Nachteile erfahren. Über seinen sehr besonderen Schreibprozess sagt Christopher Nolan in dem Interview:

    „Ich habe tatsächlich in der Ich-Perspektive geschrieben, was ich vorher noch nie getan habe. Ich weiß nicht, ob das schon mal jemand gemacht hat. Aber es geht darum, dass in den Farbsequenzen, die den Großteil des Films ausmachen, alles aus Oppenheimers Sicht erzählt wird – man sieht buchstäblich durch seine Augen.“

    Alles aus der Oppenheimer-Perspektive

    Wie Nolan erklärt, wurden auch die Figuren, die Details der Kulissen und die Regieanweisungen des Drehbuches in der Ich-Perspektive von Oppenheimer geschrieben. Dass dieses Verfahren noch einen weiteren Vorteil mit sich brachte, gab Nolan ebenfalls zu:

    „Es war für mich eine Besinnung, wie man den Film dreht. [...] Ich wollte die Geschichte wirklich mit Oppenheimer durchgehen, ich wollte nicht neben ihm sitzen und ihn verurteilen. Das schien mir sinnlos. Das ist eher etwas für Dokumentarfilme, für politische Theorie oder für Wissenschaftsgeschichte. Dies ist eine Geschichte, die man mit ihm erlebt – man urteilt nicht über ihn.“

    Ob dieser Ansatz am Ende auch wirklich aufgehen wird, sehen wir ab dem 27. Juli, wenn „Oppenheimer“ in den deutschen Kinos starten. In der titelgebenden Hauptrolle wird Cillian Murphy zu sehen sein, während der Rest des Ensembles mit Emily Blunt, Matt Damon, Florence Pugh, Robert Downey Jr., Jack Quaid, Rami Malek und Josh Hartnett sehr hochkarätig besetzt ist.

    Wegen IMAX und Mammut-Laufzeit: So schwer (!) ist Christopher Nolans neuer Film "Oppenheimer"

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