Seit über 50 Jahren dreht der nun 81-jährige kanadische Regisseur David Cronenberg seine unnachahmlichen Phantasmen aus Sci-Fi und Horror und hat etwa mit „Videodrome“ (1983), „Die Fliege“ (1986), „eXistenZ“ (1999) und dem etwas Action-Thriller „A History Of Violence“ (2005) nachhaltig beachtenswerte Werke geschaffen. Doch in den letzten Jahren ließen Äußerungen Cronenbergs immer wieder darauf schließen, dass er sich bald zur Ruhe setzen werde.
So auch im Mai 2024, als er im Rahmen der Aufführung seines aktuellsten Films „The Shrouds“ beim Filmfestival in Cannes dem Hollywood Reporter ein Interview gab. Angesprochen auf einen bevorstehenden Rückzug aus dem Filmgeschäft blieb Cronenberg eine klare Antwort schuldig: „Ich habe noch keine Ahnung, was ich als nächstes machen werde, aber ich will nicht sagen, dass ich keinen weiteren Film machen werde. Denn ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.“ Doch Schnee von gestern: Es besteht berechtigte Hoffnung, dass Cronenberg den Registuhl noch nicht räumen wird.
Mögliche Adaption seines Romans
Anfang Dezember 2024 wurde David Cronenberg nämlich auf dem Internationalen Filmfestival von Marrakesch mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet und gab vor Ort ein Interview, in dem er zaghaft einen möglichen nächsten Film ankündigte:
„Ich habe einen Roman geschrieben, er heißt ‚Verzehrt‘, und es gibt einen kanadischen Produzenten, der meint, ich solle einen Film auf der Grundlage meines Romans machen, und er könnte Recht haben. Ich werde also anfangen, das Drehbuch zu schreiben, und wenn es funktioniert, könnte das mein nächster Film werden.“
Hier geht’s zum gesamten Interview:
Cronenbergs Romandebüt „Verzehrt“ erschien 2014 und war wohl zwischenzeitlich für eine Serienadaption durch Netflix angedacht – der Streaming-Gigant zog sich aber wieder aus dem Projekt zurück, wie Cronenberg 2022 dem Branchenmagazin Variety verriet. Dabei sprach er davon, dass Netflix wohl etwas zu „konservativ“ und „Mainstream“ sei für Stoffe wie „Verzehrt“. Doch worum geht es in diesem Roman eigentlich?
Ein Journalistenpaar auf düsterer Jagd nach Sensationen
„Verzehrt“ (Original: „Consumed“) handelt von der jungen Reporterin Naomi Seberg und ihrem Freund Nathan Math, ein Medizinjournalist, die beide in naher Zukunft auf der Suche nach aufsehenerregenden Storys sind.
Naomi meint, solch eine im Fall um das Pariser Intellektuellenpaar Célestine und Aristide Arosteguy gefunden zu haben: In deren Wohnung wurden die geschlachteten und teilweise aufgegessenen Überreste von Célestine gefunden und ihr Ehemann ist verschwunden. Auf der Suche nach dem angeblichen Kannibalen Aristide verschlägt es Naomi nach Tokio.
Unterdessen ist Nathan unterwegs nach Toronto: Dort will er mit dem berühmten Entdecker einer Geschlechtskrankheit sprechen, die er sich vor kurzem selbst beim Verkehr mit der Krebspatientin eines umstrittenen ungarischen Arztes zugezogen hat.
Eine verstörende Erzählung über Kannibalismus, Technologie-Obsession und die Sehnsucht nach echter Empfindung hat Cronenberg Kritiken nach mit „Verzehrt“ geschrieben – es bleibt spannend, ob und wie er diese Vorlage fürs Kino adaptieren wird. In der Zwischenzeit gibt es eine gute Gelegenheit, in sein Altwerk einzusteigen:
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