Wenn es um die größten Kultfilme der 1990er-Jahre geht, gibt es an „Fight Club“ kein Vorbeikommen. Nicht umsonst wurde die brachiale Satire von David Fincher von der FILMSTARTS-Community zum besten Thriller aller Zeiten sowie zum drittbesten Film des Jahrzehnts gewählt. In unserer offiziellen Kritik bekam „Fight Club“ die vollen 5 Sterne verliehen – und damit den seltenen Meisterwerk-Status. In dem Text heißt es unter anderem:
„‚Fight Club‘ […] ist ein exzellent gefilmter und erzählter, vielschichtiger Film, in dem es Fincher vermeidet, zu erklären, zu psychologisieren, zu urteilen. […] [Er] vereinigt großes Erzählkino mit Mainstream zu einer bunten, knallharten, fast schon gnadenlosen und spannenden Mischung, die uns wieder einmal zeigt, wie wir weiß Gott nicht nur im Kino der Manipulation erliegen.“
Wer weitere Belege für die Bedeutung des modernen Klassikers mit Brad Pitt und Edward Norton braucht: In der Liste der 250 besten Filme aller Zeiten laut den Usern der Filmdatenbank IMDb steht „Fight Club“ auf Platz 13, während 96 Prozent aller Nutzer*innen der Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes den Film positiv bewertet haben. Doch es gibt keinen Film, der von ausnahmslos allen gemocht wird – das gilt auch für „Fight Club“. Ausgerechnet ein großer Filmemacher geht dabei ziemlich hart mit dem Thriller ins Gericht ...
... und zwar Paul Thomas Anderson, der in den 1990er-Jahren mit Filmen wie „Boogie Nights“ als Wunderkind gefeiert wurde – und seinen Status als Meisterregisseur mit Werken wie „There Will Be Blood“ oder „Der seidene Faden“ festigte. Als er vor 26 Jahren anlässlich seines 3-Stunden-Opus „Magnolia“ mit dem Rolling Stone sprach, kam Anderson auch auf „Fight Club“ zu sprechen – und ließ kein gutes Haar an dem Film (via Cigarettes and Red Vines):
„Ich habe nur 30 Minuten davon gesehen, weil unser Trailer davor gezeigt wurde. Und ich würde zu gerne weiter über den Film herziehen, aber ich werde einfach so tun, als hätte ich ihn nicht gesehen. Er ist einfach unerträglich.“ Doch statt es dabei zu belassen, setzte der „Licorice Pizza“-Schöpfer noch eins drauf: „Ich wünsche David Fincher Hodenkrebs, für all seine Witze darüber. Ich wünsche ihm verdammten Hodenkrebs.“
Damit spielt er auf die von Rockstar Meat Loaf verkörperte Figur des Robert „Bob“ Paulson an, die der namenlose Protagonist in einer Selbsthilfegruppe kennenlernt. Bei Bob handelt es sich um einen ehemaligen Bodybuilder, der an Hodenkrebs erkrankt ist und aufgrund seiner Hormonbehandlung Brüste bekommen hat. Das nimmt sich der Erzähler (Norton) mehrmals zum Anlass, im Off Witze über dessen „riesige schwitzige Titten“ zu machen.
David Fincher kann Paul Thomas Andersons harte Kritik verstehen
Man kann zu der Szene stehen, wie man will – einem Regisseur deswegen eine schwere Krankheit an den Hals zu wünschen, ist aber vielleicht eine Spur zu drastisch. Nachdem er sich zwölf Jahre lang bedeckt hielt, hat Fincher im Jahr 2021 schließlich – ebenfalls im Rolling Stone – auf Andersons verbale Attacke reagiert:
„Ich habe miterlebt, wie jemand, den ich liebe, an Krebs erkrankte“, so der „Sieben“-Schöpfer. Er könne deshalb gut verstehen, dass man die Szene in den falschen Hals bekommen könnte. Aber: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir uns über Krebspatienten oder -überlebende lustig gemacht haben. Ich glaube, was Chuck [Palahniuk, der Autor der Romanvorlage] beschrieb, war ein therapeutisches Umfeld, das manipuliert oder ausgenutzt werden kann.“
Tatsächlich hatte Fincher zu Beginn seiner Karriere neben zahlreichen Musikvideos auch einen Werbespot für die „American Cancer Society“ gedreht. „Krebs ist schrecklich“, fährt der 62-Jährige fort. „Es ist eine verdammte Horror-Erkrankung. Was Pauls Kommentar betrifft – ich verstehe es. […] Mein Vater ist gestorben, und das hat meine Sicht auf Tod und Leid definitiv verändert. Und wahrscheinlich mochte mein Vater ‚Fight Club‘ sogar noch weniger als Paul.“
Fincher ist also einen großen Schritt auf Paul Thomas Anderson zugegangen, der sich aber zumindest in der Öffentlichkeit nicht mehr zu dem Sachverhalt geäußert hat. Ob die beiden Hollywood-Größen sich noch einmal ausgesprochen haben (oder Anderson jemals die verbleibenden etwa 110 Minuten von „Fight Club“ gesehen hat), ist nicht bekannt.
Wenn ihr wissen wollt, in welchem Thriller es fast zur „Fight Club“-Reunion gekommen wäre, dann sei euch auch der folgende Artikel ans Herz gelegt:
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