Auf dem Papier müsste es sich bei „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ um einen modernen Klassiker handeln: Schließlich beschritt mit der F.-Scott-Fitzgerald-Verfilmung niemand Geringerer als Regiemeister David Fincher völlig neue Wege, der sich nach mehreren düsteren Thriller-Stoffen zum ersten Mal an einem ausladenden Fantasy-Epos mit romantischen Elementen versuchte.
Dafür tat er sich nach „Sieben“ und „Fight Club“ – die es aus guten Gründen beide auf unsere Liste der besten Filme der 1990er-Jahre nach den Bewertungen der FILMSTARTS-Community geschafft haben – zum dritten Mal mit Brad Pitt zusammen, der in die Titelrolle des rückwärts alternden Benjamin Button schlüpfte. Der in weiteren Rollen u.a. mit Cate Blanchett („Der Herr der Ringe“), Tilda Swinton („Doctor Strange“) und Julia Ormond („The Walking Dead: World Beyond“) namhaft besetzte Film folgt der Figur über mehrere Jahrzehnte – von ihrer Geburt in der körperlichen Verfassung eines 80-jährigen Greises bis hin zu ihrem unausweichlichen Tod als Säugling...
In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es sehr gute 4 von 5 Sternen für den bis heute wohl untypischsten David-Fincher-Film, wobei Autor Julian Unkel insbesondere die Effektarbeit positiv hervorhebt: „Brad Pitt beim Verjüngen (und später auch Cate Blanchett beim Altern) zuzusehen, versetzt regelmäßig in ähnliches Staunen wie in den 90ern das erste Auftauchen der Dinosaurier in ‚Jurassic Park‘.“
Doch auch darüber hinaus habe David Fincher trotz kleinerer erzählerischer Mängel und einzelner Längen „etwas Großes geschaffen: handwerklich perfektes, visuell atemberaubendes, schauspielerisch gefühlsechtes und originelles Kino.“ Dafür gab es im Jahr 2009 satte 13 (!) Oscar-Nominierungen, was außer „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ nur wenigen anderen Filmen gelungen ist. In den großen Kategorien ging das 150 Millionen US-Dollar teure Werk zwar leer aus, doch drei Goldstatuen konnte es immerhin einheimsen – für das Szenenbild, Make-Up sowie die visuellen Effekte.
Der Nachhall von „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hält sich trotz allem in Grenzen. Später entstandene Regiearbeiten von David Fincher wie „The Social Network“ und „Gone Girl“ kommen einem eher in den Sinn, wenn man den Namen des Regisseurs hört – und 17 Jahre später hört man Filmfans nur noch selten über den 166-Minuten-Film sprechen.
Dieser Eindruck hat sich für den Autor dieser Zeilen bestätigt, als er vor etwa einem Jahr auf einem kleinen Filmfestival in Berlin unterwegs war, in dessen Rahmen eine 35mm-Kopie von „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ zur Aufführung gebracht wurde. Egal, mit wem ich nach der Bekanntgabe des Programms gesprochen hatte, die Reaktionen waren immer die gleichen: Niemand hatte in der letzten Zeit auch nur einmal an die Existenz des Films gedacht.
Vielleicht hängt das damit zusammen, dass „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ letztlich aus guten Gründen eine Anomalie in Finchers Filmografie geblieben ist? Das erneute Anschauen jedenfalls hat bestätigt, dass der „Alien 3“-Schöpfer für melodramatische, gefühlsbetonte Stoffe womöglich schlichtweg nicht der richtige Regisseur ist...
Bei den Oscars hat „Benjamin Button“ in der Königskategorie übrigens gegen einen Film verloren, der ebenfalls ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein scheint – aber trotzdem demnächst fortgesetzt werden soll. Um welchen Leinwand-Hit es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
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