Die sogenannte StageCraft-Technik und die dazugehörige Soundstage namens The Volume haben in den vergangenen Jahren für viel Aufsehen gesorgt und die Film- und Serienproduktion revolutioniert. Hier werden hochauflösende LED-Wände verwendet, um dynamische, fotorealistische Hintergründe in Echtzeit darzustellen. Diese Technik erlaubt es, virtuelle Umgebungen direkt am Set zu integrieren, wodurch traditionelle Greenscreens oft überflüssig werden.
Die Schauspieler*innen sehen bereits während des Drehs, in welcher Umgebung sie agieren, anstatt sich diese nur vorstellen zu müssen. Das ermöglicht eine viel eine natürlichere Interaktion, macht gleichzeitig aber auch das Filmemachen günstiger. Schließlich bietet es die Möglichkeit, komplexe Szenarien ohne aufwendige Location-Wechsel zu realisieren. Ein Knopfdruck und ein paar Umbauarbeiten reichen und man hat einen völlig anderen Schauplatz.
StageCraft: Kritisiert, aber trotzdem ein Segen!
Bekannt wurde die von Lucasfilm vorangetriebene Technik vor allem durch die „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“. Auch beim Dreh weiterer Titel aus der Saga wie „Obi-Wan Kenobi“, „Ahsoka“ oder „The Acolyte“ wurde die Technik umfangreich genutzt – und sorgte zuletzt bei Fans für Kritik. Denn wenn man am Set von LED-Wänden umgeben ist, schränkt dies den Bewegungsradius der Darsteller*innen sowie der Kamera ein. Man kann teilweise erkennen, wie sich Figuren auf den immer selben Linien durchs Bild bewegen, immer wieder ähnliche Kameraperspektiven zum Einsatz kommen. Zudem wird oft eine fehlende Tiefe bei den Hintergründen bemängelt. Gerade „Obi-Wan Kenobi“ und „Ahsoka“ wurden so für eine statische, uninspirierte Bildgestaltung kritisiert.
Ist die StageCraft-Technik also eher Fluch als Segen? Nein, das beweist Mel Gibson mit „Flight Risk“...
"Flight Risk" zeigt: So setzt man StageCraft richtig ein
In dem aktuell in den deutschen Kinos laufenden Action-Thriller spielt „Downton Abbey“-Star Michelle Dockery eine US-Marshal, die einen Kronzeugen (Topher Grace) von Alaska nach New York City bringen muss – in einem kleinen Flugzeug durch einen Schneesturm. Zu allem Überfluss erweist sich ihr Pilot (Mark Wahlberg) als sadistischer Profikiller, der sie ausschalten muss.
Fast der komplette Film spielt an Bord einer kleinen Propellermaschine. Umgebung sind die drei Figuren von der Eislandschaft Alaskas – und natürlich wurde nicht in luftiger Höhe gedreht, sondern auf dem Boden. Während die drei Schauspieler*innen in einem auf einer Plattform befestigten Flugzeug saßen, erlebten sie die Umgebung durch die StageCraft-Technik anstelle eines Greenscreens. Die Vorzüge fasste Michelle Dockery in einem Interview mit Collider zusammen: „Dieses Set war außergewöhnlich, weil man jeden Tag darauf gehen und in das Flugzeug steigen konnte. Die Landschaft, die man im Film sieht, konnten wir auch sehen, weil wir das Videomaterial hatten. Wir mussten nicht die ganze Zeit auf eine grüne Leinwand starren, was für einen Schauspieler längst nicht so großartig ist, wie die echte Umgebung zu erleben.“
„Flight Risk“ ist ein Musterbeispiel, wie man StageCraft nutzen kann und wo es Greenscreen weit überlegen ist. Es sind Szenen, in welchen die Bewegungsradien der Schauspieler*innen ohnehin eingeschränkt sind. Hier ermöglicht die Technik bessere Schauspielleistungen, weil alle wissen, worauf sie genau reagieren und wie das aussieht.
Gibson reiht sich in die Riege von Spielberg und Co. ein
Mel Gibson ist auch nicht der erste Filmemacher außerhalb der „Star Wars“-Saga, der die Technik zu nutzen weiß. Steven Spielberg hat für „Die Fabelmans“ eine zentrale Sequenz mittels StageCraft realisiert. Einige Teile von Matt Reeves' „The Batman“ mit Robert Pattinson wurden auch in The Volume gedreht – schließlich ist Kameramann Greig Fraser (Oscar für „Dune“) einer der Erfinder der Technik und weiß perfekt, wann und wie sie einzusetzen ist.
Diese Beispiele zeigen, dass es beim Filmemachen nicht einfach gute oder schlechte Techniken gibt – genauso wie CGI nicht immer schlecht und praktische Effekte immer besser sind. Die richtige Anwendung ist entscheidend. Es kommt darauf an, dass man weiß, wie die zur Verfügung stehenden Mittel am besten eingesetzt werden und welches am meisten in welcher Situation Sinn ergibt – gerade auch bei einer Technik, die frisch ist und sich noch entwickelt.
Nutzt weiter StageCraft bei "Star Wars" - aber richtig
StageCraft wurde noch nie so umfassend und dabei durchgängig gelungen eingesetzt wie nun in „Flight Risk“ – und es ist die Hoffnung, dass die „Star Wars“-Verantwortlichen um Dave Filoni und Jon Favreau daraus lernen. Sie sollen die Technik weiter nutzen, denn es wird diese auch weiter verbessern. Sie sollen sie aber nicht einfach durchgehend verwenden, weil es am einfachsten ist, sondern dort, wo es Sinn ergibt, wo es den Bildern wirklich hilft.
Gerade „Star Wars“ wird hier weiter eine Schlüsselrolle einnehmen. Raumschiffe sind Orte, die sich gut für einen Dreh mit TheVolume eignen. Auch viele Szenen auf fremden Planeten, in denen sich die Figuren nicht so viel bewegen müssen, sind dafür ideal. Es ist aber wichtig, sich nicht sklavisch nur an die Technik zu klammern, weil es vielleicht gerade die einfachste Lösung ist.
„Flight Risk“ läuft aktuell in den deutschen Kinos. Hier haben wir den Trailer für euch: