Quentin Tarantino ist bekanntlich nicht nur einer der größten Kult-Regisseure unserer Zeit, sondern auch ein glühender Cinephiler, der bei wirklich jeder Gelegenheit, die sich ihm dazu bietet, über Schätze aus der Kinogeschichte schwärmt – ob in Interviews, Podcasts oder auch seinem von Filmkritikerin Pauline Kael inspirierten Buch „Cinema Speculation*“.
Nicht selten geht es in seinen Ausführungen um das Exploitationkino der 1970er-Jahre, das sein eigenes Schaffen stark beeinflusst hat – ob nun „Jackie Brown“ (in der Titelrolle besetzt mit Blaxploitation-Ikone Pam Grier), das bluttriefende Martial-Arts-Epos „Kill Bill“ oder die Grindhouse-Hommage „Death Proof“.
Meistens sind Parallelen zu älteren Filmen also reine Absicht, schließlich versteckt Tarantino seine Vorbilder und Inspirationsquellen nicht, sondern stellt sie im Gegenteil offen aus. Doch manchmal sind sie auch reiner Zufall. Dies trifft in jedem Fall auf einen Moment in „Once Upon A Time... In Hollywood“ zu, bei dem ein Journalist von Deadline auffällige Ähnlichkeiten zu einer Szene aus „Supervixens“ von B-Movie-Ikone Russ Meyer erkannt haben wollte.
In der fraglichen Szene will die hypersexuelle SuperAngel (Shari Eubank) nach einem Streit mit ihrem Ehemann den Polizisten Harry Sledge (Charles Napier) verführen, der wegen einer Lärmbeschwerde bei ihnen zu Hause angerückt ist. Als der keinen hochkriegt, verspottet sie ihn erst – bevor sie ihn in eine mit Wasser gefüllte Badewanne stößt, wiederholt auf ihn eintritt und ihm schließlich durch einen Elektroschock den Rest verpasst.
An die Art, wie dieser brutale Moment inszeniert ist, fühlte sich der Deadline-Interviewer an die finale Gewalteskalation aus „Once Upon A Time... In Hollywood“ erinnert. Das war laut Tarantino gar nicht beabsichtigt – was den „Pulp Fiction“-Macher aber nicht davon abhielt, trotzdem ausgiebig über „Supervixens“ zu schwärmen:
„Ich weiß, dass ich ‚Supervixens‘ noch nicht gesehen hatte, als ich diesen Film drehte“, so der 61-Jährige. „Ich habe ‚Supervixens‘ erst vor Kurzem gesehen, als ich an einer Recherche über [den Los-Angeles-Times-Filmkritiker] Kevin Thomas gearbeitet habe. Ich wusste, dass er ein großer Russ-Meyer-Fan war, also habe ich einige seiner Rezensionen nachgeschlagen. Ich habe seine Kritik zu ‚Supervixens‘ gelesen – und auch wenn er darin schreibt, dass der Film an dieser Stelle scheitern würde, war seine Beschreibung der Badewannenszene so elektrisierend und spannend, dass ich dachte: ‚Ich muss mir das sofort ansehen!‘“
Das tat Tarantino – und er war alles andere als enttäuscht: „Ich habe mir die Szene angesehen – und sie hat mich förmlich aus dem Sessel geschleudert. Das ist eine der großen Gewaltszenen des 70er-Jahre-Kinos. Sie steht auf einer Stufe mit ‚Wer Gewalt sät‘, ‚Beim Sterben ist jeder der Erste‘ und ‚Die durch die Hölle gehen‘“.
Leider gibt es „Supervixens“ auf keinem deutschen Streamingdienst, auch eine deutschsprachige DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung steht noch immer aus. Ganz einfach sehen könnt ihr hingegen einen anderen Film, von dem der „Inglourious Basterds“-Macher begeistert ist. Mehr dazu erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Quentin Tarantino liebt "Rio Bravo"*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.