Mittlerweile sind Spielfilme, die einen Einblick in die Vorgeschichte eines Erfolgsproduktes gewähren, Filmalltag geworden: Sei es ein markanter Turnschuh in „Air“, eine pikante Maissnack-Geschmacksrichtung in „Flamin' Hot“ oder der GameBoy-Bestseller „Tetris“ – inzwischen locken solche Projekte kaum noch zweifelnde Blicke hervor. Das sah Ende der 2000er-Jahre anders aus:
Als bekannt wurde, dass „Fight Club“-Regisseur David Fincher und „The West Wing“-Autor Aaron Sorkin die Vorgeschichte von Facebook nehmen und in Spielfilmform gießen wollen, war Häme nicht weit. Häme, die rasch in Vergessenheit geriet: „The Social Network“ wurde hervorragend aufgenommen, sicherte sich acht Academy-Award-Nominierungen, gewann den Oscar in drei Kategorien und wurde von Quentin Tarantino zum stärksten Film der 2010er-Jahre gekürt (mehr dazu hier).
Falls ihr euch das Thrillerdrama über Mark Zuckerberg, rechtliche Streitigkeiten und zum Geschäftsmodell hochstilisierte Vereinsamung im Gewand digitaler Vernetzung in Erinnerung rufen wollt oder es nachholen möchtet: ZDFneo zeigt „The Social Network“ heute, am 3. Juni 2025, ab 22.35 Uhr. Der Film ist außerdem via Netflix abrufbar.
"The Social Network": Darum geht’s
Es ist der unscheinbar wirkende, doch schicksalsträchtige Abend des 28. Oktobers 2003: Erica Albright (Rooney Mara) hat genug von der hochnäsigen, charakterlosen Nervensäge, mit der sie in einer Beziehung festsitzt. Also macht sie Schluss mit dem Harvard-Studenten – der stapft daraufhin beleidigt in sein Zimmer und verfasst in seinem Blog einen herablassenden Eintrag über Erica.
Auf diesen spätpubertären Akt lässt es Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) allerdings nicht beruhen: Er programmiert eine Seite, auf der man sämtliche Studentinnen Harvards danach bewerten soll, wie heiß man sie findet. Die Seite wird zum Megaerfolg und zwingt mit ihrer hohen Nachfrage Harvards Netzwerk in die Knie. Daraufhin kontaktieren die gut betuchten, sportlichen Winklevoss-Zwillinge (Armie Hammer) Ericas gekränkten Ex und pitchen ihm mit ihrem Geschäftspartner Divya Narendra (Max Minghella) eine Harvard-Datingseite.
Parallel dazu schlägt Marks guter Freund Eduardo Saverin (Andrew Garfield) ihm ein soziales Netzwerk vor, das sich nicht auf Dating und Harvard allein beschränkt, sondern generell der Vernetzung von Studierenden auf Ivy-League-Unis dient. Als auch noch Napster-Mitgründer Sean Parker (Justin Timberlake) Wind von dem Projekt bekommt, beginnt ein finanzielles Wettrüsten, das später wiederum für allerhand sinnbildliches Messerstechen sorgen sollte...
Einsamkeit, Distanz und Unwohlsein
Wie macht man sozial ungelenke Typen, die in zumeist arg ungesunder Haltung vor ihren Bildschirmen hocken und Befehle in ihre Tastaturen hämmern, sowie ihre missgünstigen, hinterhältigen Unterredungen an Konferenztischen visuell ansprechend? Das war die wohl größte Herausforderung, der sich Fincher und „One Hour Photo“-Kameramann Jeff Cronenweth bei diesem Projekt stellen mussten – und die Antworten, die sie fanden, sind ein essentieller Aspekt dessen, weshalb „The Social Network“ so gelungen ist:
Fincher und Cronenwerth erzeugen mit ihren kalt durchgetakteten Bildern eine subtil-unwohle Atmosphäre der Distanziertheit. Dadurch wirkt das Gezeigte dezent unwirklich, was Anspannung provoziert, weil es dem Publikum schwer fällt, den sprichwörtlichen Raum zu lesen und die weiteren Ereignisse einzuschätzen. Zugleich kommentieren Fincher und Cronenwerth somit unerbittlich, wie weltfremd, unbarmherzig und vereinsamt die meisten der handelnden Figuren sind – und was das Menschen angeblich zusammenbringende Produkt Zuckerbergs in Wahrheit zumeist anrichtet.
„The Social Network“ begründete auch die äußerst fruchtbare Filmära im musikalischen Schaffen von Trent Reznor & Atticus Ross: Mit ihrem innovativen, angespannt-ominösen Score helfen sie ungemein, dieses Thrillerdrama tonal abzurunden. Seither sind sie Fincher-Dauerkollaborateure und verliehen außerdem so unterschiedlichen Filmen wie Pixars „Soul“, Jonah Hills Coming-Of-Age-Film „Mid90s“ und dem erotischen Tennisspektakel „Challengers“ ihren Klang.
Man darf mutmaßen, dass sie auch für „The Social Network 2“ angefragt werden. Nachdem viel über das Sequel spekuliert wurde, nahm das Unterfangen vergangenes Jahr wieder Fahrt auf. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Beitrag:
Nach 14 Jahren soll der laut Quentin Tarantino beste Film der 2010er endlich fortgesetzt werden