Bekommt "Squid Game" einen würdigen Abschluss? So gut ist Staffel 3 des größten Netflix-Hits aller Zeiten
Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Vom Spurenverwischen mit Dexter bis zu Weltraum-Abenteuern mit Picard. Markus hat ein Herz für Serien aller Art – und schüttet es gern in Artikeln aus.

Nach drei Staffeln mit 22 Folgen geht das globale Streaming-Phänomen „Squid Game“ heute auf Netflix zu Ende. Wir verraten in unserer Kritik, ob sich die sechs neuen Episoden der Serie lohnen und sie Gi-huns blutige Geschichte krönend abschließen.

Plötzlich ging es dann irgendwie doch recht schnell: Nachdem wir geschlagene drei Jahre auf Staffel 2 des Netflix-Überhits „Squid Game“ (Staffel 1 ist bis heute die meistgestreamte Netflix-Produktion überhaupt) warten mussten, steht gerade mal sechs Monate später nun schon Staffel 3 in den Startlöchern – und wird den koreanischen Serienerfolg bereits abschließen. Tatsächlich wurden die Folgen der beiden Seasons direkt am Stück gedreht und dann einfach auf zwei Staffeln aufgeteilt.

Im Zuge dessen endete die zweite Staffel mitten im Geschehen mit einem massiven Cliffhanger – auf dessen Auflösung wir aber immerhin nicht allzu lange warten mussten. Nahtlos knüpft die dritte „Squid Game“-Staffel daher an das niederschmetternde Season-Finale an und beschert uns sechs weitere Stunden voller großer Emotionen und Hochspannung – zumindest meistens...

So geht es in "Squid Game 3" weiter

Nach dem Verrat durch den als Spieler getarnten Frontman (Lee Byung-hun) ist Gi-huns (Lee Jung-jae) Aufstand gegen die Verantwortlichen der tödlichen Kinderspiele gescheitert – was nicht nur seinem guten Freund Jung-bae (Lee Seo-hwan) das Leben gekostet hat. Gi-hun verliert daraufhin zunächst jeglichen (Über)Lebenswillen – doch die Spiele gehen tatsächlich weiter, mit einem Dreh, der alles noch perfider macht.

Und plötzlich hat Gi-hun ein neues Ziel vor Augen, das ihn aus seiner Lethargie holen kann, aber letztlich auch noch tiefer in den Abgrund reißen könnte. Die Hoffnung, der ganzen brutalen Veranstaltung ein für alle Mal ein Ende zu bereiten, droht endgültig zu erlöschen...

Desillusionierter Gi-hun, noch perfidere Spiele

Der Auftakt von „Squid Game“ Staffel 3 präsentiert uns erneut einen stark veränderten Gi-hun. Nach dem unbedarften Todesspiel-Anfänger in Staffel 1 und dem entschlossenen Rebellen in Staffel 2 wird er nach seiner bitteren Niederlage hier nun zum desillusionierten Schatten seiner selbst. Das ringt der Figur eine weitere tragische Facette ab, macht sie in all dem unmenschlichen Chaos um sie herum noch menschlicher.

Jedoch gestaltet sich der (Wieder-)Einstieg in die Serie zugleich etwas schleppend, wenn DIE zentrale Figur und Antriebsfeder plötzlich ihren Antrieb verliert, zumal die starke Dynamik zwischen Gi-hun und dem Frontmann In-ho aus Staffel 2 storybedingt nun erstmal auf der Strecke bleibt.

Squid Game
Squid Game
Starttermin 2021-09-17
Serie: Squid Game
Mit Jung-jae Lee, Lee Byung-Hun, Wi Ha-Joon
User-Wertung
3,9
Im Stream

Aber sobald der brutale Wettkampf fortgesetzt wird, ist „Squid Game“ wieder voll in seinem Element. Das erste neue Spiel (das wir an dieser Stelle nicht vorwegnehmen wollen) hetzt die Mitstreiter und Mitstreiterinnen so sehr wie noch nie direkt aufeinander und dreht damit wieder gehörig an der Spannungsschraube.

Doch damit nicht genug: Im Zuge der hochdramatischen Ereignisse bringt „Squid Game“ hier gleich mehrere gesponnene Handlungsstränge entscheidend weiter oder gar auf eine Weise zu Ende, die für die vielleicht emotionalsten Momente der gesamten Serie sorgt. Hier wird offenkundig, was man sich für ein starkes Figurenensemble in der zweiten Staffel aufgebaut hat, dessen Schicksal für so einige feuchte Augen sorgen dürfte.

Holprige Nebenschauplätze, schreckliche VIPs

Etwas ins Schlingern kommt „Squid Game“ in Staffel 3 allerdings oft dann, wenn es an die Nebenschauplätze rund um die Wächterin No-eul (Park Gyu-young) oder die langwierige Suche von Polizist Jun-ho (Wi Ha-joon) nach der Insel, auf der die brutalen Kinderspiele veranstaltet werden, geht. Wenn es dort wirklich mal vorangeht, funktionieren diese Einschübe zwar wunderbar als Ergänzung zum sonstigen Geschehen. Mehr als einmal dreht sich die Serie hier aber auch im Kreis und bremst sich damit selbst ein Stück weit aus.

Regelrecht ärgerlich wird es einmal mehr in den Szenen mit den sogenannten VIPs. Auf dem Papier sind die stinkreichen Sadisten, die auch diesmal gegen Ende des Wettbewerbs anreisen, um sich von den Spielen unterhalten zu lassen und auf sie zu wetten, ein weiteres adäquates, wenn auch fast schon karikatureskes Mittel, um die Abgründe des Kapitalismus und deren amoralische Auswüchse zu illustrieren.

Doch wie damals schon bei Staffel 1 geschieht das wegen der flachen Dialoge und des kaum besseren Schauspiels in diesen Abschnitten auf eine dermaßen plumpe Art und Weise, die dem Rest der Serie einfach nicht gerecht wird. Zumal die Szenen diesmal auch nicht direkt mit der eigentlichen Story verknüpft werden (in Staffel 1 hat Jun-ho die Runde immerhin noch infiltriert) und so noch stärker wie Fremdkörper wirken.

Gewohnte "Squid Game"-Magie trotz Füllmaterial

Zusammen mit so manchen übererklärenden und redundanten Wortwechseln, die sich stärker denn je durch die Staffel ziehen, wird man den Eindruck nicht los, dass hier weniger womöglich doch mehr gewesen wäre. Auf eine längere Staffel mit zehn Folgen statt auf eine 13 Episoden umfassende Zweiteilung zu setzen, hätte gegebenenfalls für ein knackigeres Ergebnis gesorgt, ohne Abstriche bei der eigentlichen Story und Figurenentwicklung machen zu müssen.

Doch so schlimm das so geballt jetzt klingen mag, ist das bei „Squid Game“ dennoch Meckern auf hohem Niveau. Die erwähnten Stolpersteine mögen einen perfekten Home Run verhindern, machen Staffel 3 womöglich gar zur schwächsten Season der Serie. Schwach ist sie damit aber noch lange nicht, ganz im Gegenteil: „Squid Game“-Mastermind Hwang Dong-hyuk gelingt es nach wie vor, massig Situationen zu kreieren, die für Staunen, Entsetzen, Nägelkauen, Wut und Tränen sorgen. Und letztlich kriegt die Serie ohnehin die Kurve, um ein hinsichtlich ihrer Botschaft recht konsequentes und überraschendes Finale abzufeuern – bei dem allerdings nicht jedem schmecken dürfte, wie die Reise für so manche Figur zu Ende geht.

Fazit: Das i-Tüpfelchen auf einem ganz besonderen Gesamtwerk

Zwar erreicht die dritte „Squid Game“-Staffel nicht ganz die erzählerische Dichte ihrer Vorgänger, doch gerade im Zusammenspiel ihrer emotionalen Höhepunkte und der gewohnt nervenzerrenden Todesspiele bildet sie einen eindrucksvollen und letztlich krönenden Schlusspunkt – kompromisslos, wuchtig und nachhaltig. Eine solche Ausnahmeserie wird es (trotz geplanter Ableger) in der Form und mit diesem wohlverdienten Impact wohl so bald nicht noch mal geben.

Mit welchen Filmen und Serien Netflix im kommenden Juli um die Gunst des Publikums buhlen wird, könnt ihr in unserer großen Monatsvorschau nachlesen:

Neu auf Netflix im Juli 2025: Kultfilm-Sequel nach 30 Jahren, einer der größten Marvel-Flops & die "Yellowstone"-Vorgeschichte

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