Streaming-Tipp für alle, die Nervenkitzel suchen: Dieses Netflix-Highlight führt euch in die Abgründe der menschlichen Psyche
Sophia Foertsch
Sophia Foertsch
-Freie Autorin
Sophia ist Filmkritikerin und freie Journalistin mit Leib und Seele. Filme sind ihre Schokolade und der Kinobesuch ihr Kurzurlaub. Ihr liebster Arbeitsort ist natürlich der Kinosaal. Sie liebt Historienepen und Filme nach wahrer Begebenheit, kann aber auch jedem anderen Genre etwas abgewinnen.

Dunkle Geheimnisse. Gebrochene Seelen. Und ein Ermittler, der nichts mehr zu verlieren hat: Netflix liefert mit „Dept. Q“ eine packende, atmosphärisch dichte Thriller-Serie im Nordic-Noir-Stil, die unter die Haut geht.

Netflix hat mit „Dept. Q“ eine packende und ungemein atmosphärische Krimi-Thriller-Serie ins Rennen geschickt, die Fans düsterer Thrillerkost begeistern dürfte. Basierend auf der zehnteiligen Romanreihe des dänischen Autors Jussi Adler-Olsen, aber neu verortet in den Gassen Schottlands, entführt uns die Serie in die Abgründe ungelöster Fälle. Und überzeugt nicht zuletzt dank eines grandios spielenden Matthew Goode in der Hauptrolle. Scott Frank und Chandni Lakhani haben für den Neun-Folgen-Krimi das erste Buch der Carl-Mørck-Reihe „Erbarmen“ adaptiert:

Darum geht's in "Dept.Q"

Im Zentrum der Serie, die seit dem 29. Mai 2025 auf Netflix läuft, steht Carl Mørck (Matthew Goode), ein brillanter, aber zynischer und von persönlichen Dämonen geplagter englischer Ermittler, der bei der Polizei in Edinburgh arbeitet. Nach einem traumatischen Vorfall, bei dem er einen Kollegen verloren hat und ein anderer schwer verletzt wurde, findet sich Mørck im titelgebenden Sonderdezernat Q wieder.

Dieses unwürdige Kellerbüro in alten Duschräumen ist die letzte Station für ungelöste Fälle – abgeschoben und eigentlich zum Scheitern verurteilt. Doch gemeinsam mit seinem ebenso unkonventionellen wie loyalen Assistenten Akram (Alexej Manvelov) und der resoluten Rose (Leah Byrne) beginnt Mørck, sich durch die Akten zu wühlen und stößt dabei auf Abgründe, die längst vergessen schienen. Er übernimmt den ungelösten Fall der Staatsanwältin Merritt Lingard (Chloe Pirrie), die vor vier Jahren plötzlich auf einer Fähre verschwand.

Dept. Q
Dept. Q
Starttermin 2025-05-29
Serie: Dept. Q
Mit Matthew Goode, Chloe Pirrie, Jamie Sives
User-Wertung
3,4
Im Stream

Nordic Noir in Schottland

Der „Nordic Noir“, auch bekannt als „Scandinavian Noir“, hat sich zu einem faszinierenden Subgenres des Kriminalromans und -films entwickelt. Ursprünglich aus Skandinavien stammend, zeichnet sich der Stil durch eine Reihe unverkennbarer Merkmale aus. Obwohl „Dept. Q“ in Schottland angesiedelt ist, trägt die Serie dank ihrer Romanvorlage und ihrer Inszenierung unverkennbar die Handschrift dieses Stils:

Eines der prägendsten Merkmale des „Nordic Noir“ ist seine düstere und melancholische Atmosphäre. Das Setting ist oft von Kälte, Grau und einer gewissen Trostlosigkeit geprägt, die die innere Stimmung der Handlung widerspiegelt. Man sieht viel Regen, Nebel und eine gedämpfte Farbpalette. In „Dept. Q“ wird diese Stimmung meist durch das oft ungemütliche schottische Wetter – Nebel, Regen und bedeckte Himmel – geschaffen und so eine visuell melancholische und beklemmende Atmosphäre aufgebaut. Die gedämpften Farben und die spärliche Beleuchtung ebenso wie das Kellerbüro verstärken das Gefühl von Isolation und Schwere.

Akram (Manvelov) und Carl (Goode) ermitteln im Fall der verschwundenen Staatsanwältin. Netflix
Akram (Manvelov) und Carl (Goode) ermitteln im Fall der verschwundenen Staatsanwältin.

Eng damit verbunden sind die komplexen, oft gebrochenen Protagonisten. Selten sind die Ermittler*innen strahlende Helden. Stattdessen tragen sie persönliche Traumata, haben mit Suchtproblemen zu kämpfen oder sind familiär stark belastet. Ihre Schwächen machen sie nahbar und ihre innere Zerrissenheit treibt die Geschichte voran. Carl Mørck ist das perfekte Beispiel hierfür. Sein Trauma nach dem verheerenden Vorfall, seine Verbannung in das obskure Dept.Q im Keller und sein zynischer, desillusionierter Charakter definieren ihn als klassischen Anti-Helden des Nordic Noir.

Der realistische und oft langsame Erzählstil ist ein weiteres Kennzeichen des Genres. Die Geschichten entfalten sich nicht in rasender Geschwindigkeit, sondern nehmen sich Zeit für Details, die Entwicklung der Charaktere und die psychologische Tiefe der Fälle. Brutalität wird gezeigt, aber nie um des bloßen Schockeffekts willen, sondern als integraler Bestandteil der Handlung. Auch hier passt „Dept. Q“ ins Bild. Die Serie lässt dem Fall Raum zur Entfaltung und legt den Fokus auf die akribische Ermittlungsarbeit und die Ergründung des Motives hinter dem Verbrechen.

Ein Glücksgriff in der Besetzung

Die Besetzung von Matthew Goode als Carl Mørck ist meines Erachtens ein absoluter Glücksgriff. Goode, den man zuletzt neben Anthony Hopkins in „Freud - Jenseits des Glaubens“ oder der Fantasy-Serie „A Discovery Of Witches“ sah, verkörpert den desillusionierten englischen Ermittler mit einer faszinierenden Mischung aus Griesgrämigkeit, scharfem Verstand und einer unterschwelligen Verletzlichkeit.

Sein Mørck ist kein strahlender Held, sondern ein gebrochener Mann, dessen Trauma ihn auf Schritt und Tritt begleitet. Goode gelingt es meisterhaft, die innere Zerrissenheit seiner Figur spürbar zu machen. Seine oft trockenen, sarkastischen Kommentare und sein ironischer Blick auf die Welt sorgen für eine Auflockerung in der sonst so düsteren Materie. Zudem stimmt die Chemie zwischen ihm und Alexej Manvelov als Akram. Sie bildet das Herzstück des Ermittler-Duos.

Matthew Goode wird als Carl Mørck ins Kellerbüro abgeschoben. Netflix
Matthew Goode wird als Carl Mørck ins Kellerbüro abgeschoben.

Was mir persönlich besonders gut gefällt ist, dass sich die Serie Zeit nimmt seine Geschichte zu entwickeln und die Figuren einzuführen. Der Krimi hüpft in den neun Episoden nicht von einem Fall zum Nächsten, sondern fokusiert sich. Die beiden Handlungsstränge fügen sich zusammen, wie in einem Zahnrad: In der ersten Hälfte von „Dept. Q“ laufen sie parallel. Allerdings sind sie so gut verwoben, dass man glaubt, es passiere alles auf einer gemeinsamen Zeitebene.

Erst als Morck sich für einen Cold Case entscheidet, werden aus zwei Strängen eine Haupthandlung und es gibt diesen Aha-Effekt als Zuschauer*in. Der Fall der verschwundenen Staatsanwältin ist komplex, vielschichtig und verstörend. Er taucht tief in die menschlichen Abgründe ein und beleuchten auch soziale Missstände. Der Spannungsbogen wird von Episode zu Episode langsam aufgebaut – und bis zur letzten Sekunde gehalten. Den Zuschauer*innen wird nichts vorausgenommen. Sie wissen genauso viel, wie die Figuren selbst (es darf mitgerätselt werden, was genau mit der Frau passiert ist). Zudem wird man am Ende nicht stehen gelassen, wie es bei offenen Ende der Fall ist. Die Geschichte ist insich geschlossen und man kann nach der letzten Folge befriedigt seinen Laptop zuklappen.

Carl und Rose besprechen den Fall. Netflix
Carl und Rose besprechen den Fall.

Wer auf der Suche nach einer intelligenten, atmosphärisch dichten und exzellent gespielten Krimiserie ist, sollte „Dept. Q“ unbedingt eine Chance geben. Netflix liefert hier eine Adaption ab, die den Geist der Romanvorlagen perfekt einfängt und mit Matthew Goode einen Hauptdarsteller präsentiert, der seine Rolle mit Bravour meistert.

Und für alle Fans von Krimi-Serien hat der Streaming-Gigant auch bereits das nächste Serie-Highlight am Start: „Untamed“ mit Eric Bana in der Hauptrolle. Den Trailer könnt ihr euch hier ansehen:

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