Heute im TV: Ein bildgewaltiger, grandios inszenierter Historienfilm mit 2 Oscar-Gewinnern
Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.

Mit „Mary Shelley's Frankenstein“ lieferte Kenneth Branagh Mitte der 1990er-Jahre eine Literaturverfilmung ab, die gerade durch ihre verschwenderisch schöne Ausstattung glänzt. Heute Abend läuft der Film im TV.

Nachdem Francis Ford Coppola mit „Bram Stoker's Dracula“ nicht nur einen Megahit an den Kinokassen landete, sondern obendrein drei Oscars abräumte, sollte nur zwei Jahre später das nächste opernhafte Schauerstück die Kinos erobern – erneut basierend auf einem der größten Klassiker der Weltliteratur: „Mary Shelley's Frankenstein“ von und mit Oscar-Gewinner Kenneth Branagh.

Zwar performte der Film am Box Office ebenfalls stark, doch blieben die Kritiken im Vergleich zu Coppolas Vampir-Epos spürbar verhaltener – und auch bei der Academy blieb der große Wurf aus: Statt einer Trophäe gab es lediglich eine (verdiente) Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bestes Make-up“.

Während „Bram Stoker's Dracula“ als der virtuosere und sinnlichere Film gefeiert werden darf, ist Branaghs „Frankenstein“ dennoch sehenswert – vor allem dank seiner opulenten Schauwerte. Die schwarzromantische Mischung aus Grusel, Science-Fiction, Drama und Historienfilm habt ihr bislang noch nicht gesehen? Dann könnt ihr den Film heute, am 25. Oktober ab 22 Uhr bei ZDFNeo nachholen.

Mary Shelley's Frankenstein
Mary Shelley's Frankenstein
Starttermin 5. Januar 1995 | 2 Std. 08 Min.
Von Kenneth Branagh
Mit Robert De Niro, Kenneth Branagh, Aidan Quinn
Pressekritiken
3,0
User-Wertung
3,0
Filmstarts
3,0

Darum geht's in "Mary Shelley's Frankenstein":

Im 18. Jahrhundert ist Victor Frankenstein (Kenneth Branagh) von der Idee besessen, künstliches Leben zu erschaffen. Nach dem Tod seiner Mutter verlässt er seine Heimatstadt Genf und nimmt ein Medizinstudium in Ingolstadt auf, wo ihn vor allem die Vorlesungen von Professor Waldman (John Cleese) faszinieren. Frankenstein will Theorien aber nur diskutieren, er will sie verwirklichen. Und so beginnt er, sich auf dem örtlichen Friedhof Leichenteile zusammenzusuchen.

Sein Experiment gelingt: Er erschafft tatsächlich eine lebendige Kreatur (Robert De Niro, Oscars für „Der Pate II“ und „Wie ein wilder Stier“). Doch als er das Wesen zum ersten Mal erblickt, überkommt ihn das Grauen über sein eigenes Werk. Am nächsten Morgen ist das Geschöpf verschwunden. Frankenstein hofft, es sei der grassierenden Cholera-Epidemie zum Opfer gefallen – doch bald muss er erkennen, dass seine Schöpfung lebt und auf der Suche nach ihrem Schöpfer ist…

Ausstattungskino vom Feinsten

Kenneth Branagh, der bis dahin vor allem durch seine Shakespeare-Verfilmungen Bekanntheit erlangt hatte, wollte mit „Frankenstein“ eine möglichst werkgetreue Adaption vorlegen – im Gegensatz zu vielen früheren Verfilmungen, die den Fokus weniger auf Victor Frankenstein als vielmehr auf seine Kreatur legten. Schauspielerisch gelingt es Branagh auch, die krankhafte Besessenheit und die verbohrte Hybris seiner von einem Gottkomplex befallenen Figur eindrucksvoll darzustellen – auch wenn er sich dabei etwas zu oft oberkörperfrei in Szene setzt, was Branagh und seinem Charakter in ihrer narzisstischen Eitelkeit einen gewissen Gleichklang verleiht.

Die eigentliche Stärke des Films liegt in seiner bis ins letzte Detail durchkomponierten Ausstattung: Ob das von majestätischen Alpenpanoramen eingerahmte Genf, das fiebrige, von Krankheit gezeichnete Ingolstadt oder die bedrohlich stille Eiswüste des Nordpolarmeers – jedes Bild, jede Kulisse, jede Requisite ist mit verschwenderischer Liebe zum Detail gestaltet und lässt „Frankenstein“ in visueller Hinsicht zu einem echten Kinoerlebnis werden. Die kolportierten 45 Millionen US-Dollar Budget haben sich jedenfalls mehr als bezahlt gemacht!

Problematisch ist jedoch, dass der Film sich in seiner zweiten Hälfte zunehmend selbst aus dem Blick verliert. Was zu Beginn noch als vielschichtiges Figurenporträt mit kulturell, sozial und historisch greifbarem Setting beginnt, entwickelt sich später zu einem hastigen, episodenhaften Ritt durch die Romanvorlage – der dann auch stärker von ihr abweicht. So bleibt das Seherlebnis insgesamt etwas sprunghaft und fragmentarisch. Doch die Bilder … die bleiben in wohliger Erinnerung.

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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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