Heute Abend im TV: Einer der besten und wichtigsten Actionfilme aller Zeiten – wer das Genre liebt, muss ihn schauen!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob athletische Kampfkunst, die ehrfürchtig-ruhig gefilmt ist, oder explosiv-lärmender Hollywood-Bombast: Im Action-Kino ist er flexibel – eine konsequente Umsetzung ist für ihn aber stets ein Bonus.

Riskante Stunts, präzise eingefädelte Action und ein ambitionierter Mix aus realem Wagemut und fabelhaften Tricksereien: „Der General“ ist ein sensationeller, oft imitierter Vorreiter des Actionkinos, der heute noch den Atem raubt!

Obwohl er fast 100 Jahre alt ist, zieht dieser mit exorbitantem Aufwand und unfassbarem Mumm gedrehte Actionklassiker in seinen Bann wie eh und je: „Der General“ von und mit Buster Keaton ist ein Vergnügen voller Dramatik, Nervenkitzel, Humor und Sensationen. All das ist derart brillant inszeniert, strukturiert und gespielt, dass sich seither haufenweise weitere Filme auf ihn berufen – darunter „Die Brücke am Kwai“, „Zwei glorreiche Halunken“, „Lone Ranger“ und „Mission: Impossible - Dead Reckoning“.

Sie alle beziehen sich auf die unglaublichen Stunts und Szenen der Verwüstung, die sich in „Der General“ rund um Züge, Schienen und Brücken abspielen. Jetzt steht aber das Original im Mittelpunkt: arte zeigt „Der General“ heute, am 27. Oktober 2025, ab 23.45 Uhr! Außerdem ist das Stummfilm-Meisterwerk für begrenzte Zeit in der arte-Mediathek abrufbar.

Darum geht es in "Der General"

Das Herz des Eisenbahners Johnnie Gray (Buster Keaton) aus dem Süden der USA schlägt allein für seine Angebetete Annabelle (Marion Mack) und seine getreue Lokomotive „The General“. Als die Nachricht umgeht, dass die Armee der Nordstaaten einen Großangriff auf Johnnies Heimat plant, beschließt er, die feindlichen Linien zu durchbrechen und durch ständige Manipulation und Beharrlichkeit die Gegenseite wieder in die Flucht zu schlagen...

Der General
Der General
Starttermin 4. April 1927 | 1 Std. 29 Min.
Von Clyde Bruckman, Buster Keaton
Mit Buster Keaton, Marion Mack, Glen Cavender
User-Wertung
3,9
Im Stream

Die Initialzündung für „The General“ waren die Memoiren des Nordstaatlers William Pittenger. Darin erzählt er aus seiner Sicht die erstaunliche, wahre Geschichte, wie eine Gruppe Unions-Soldaten ins Gebiet der Konföderierten eindrang, den Zug „The General“ übernahm und eine wichtige Telegrafenlinie sowie essentielle Eisenbahnbrücken zerstören wollte. Doch ein unnachgiebiger Eisenbahner der Konföderierten verfolgte Pittenger und die restliche, fast zwei Dutzend Personen große Truppe mit einer Draisine und mehreren Lokomotiven, bis er ihren Plan vereitelte.

Keaton war von dieser historischen Anekdote gefesselt, beschloss jedoch, entgegen Pittengers Memoiren die Verfilmung aus der Perspektive des stoischen Südstaatlers zu erzählen: Dies ermöglichte eine höhere Dichte an todesmutigen Stunts und positionierte sein kurzweiliges Action-Spektakel als ironischen Gegenentwurf zu einer Vielzahl an damals populären, die Konföderierten romantisierenden Melodramen. Eine Distanzierung, die sich dem heutigen Publikum ohne diesen Kontext kaum erschließt.

Etwas wirtschaftliches Kalkül soll ebenfalls mitgespielt haben: Keaton habe gefürchtet, dass der Film floppt, würden die Südstaaten in ihm direkt und offensichtlich in der Antagonistenrolle gezeigt. Stattdessen löste er seinen Protagonisten von der realen Kriegsmotivation und überließ die weitere Einordnung dem kritisch mitdenkenden Publikum. Der befürchtete wirtschaftliche Rückschlag folgte dennoch – bei Erstveröffentlichung lehnte das zahlende Publikum „Der General“ aufgrund seiner vergleichsweise niedrigen Gagdichte ab. Man wusste nichts mit Keatons furchtlosem Einsatz vor der Kamera anzufangen.

Konstant dem Tod ins Gesicht gestarrt

Erst mit Abstand wurde die logistische Ausnahmeproduktion als der fulminante Meisterstreich erkannt, der sie ist: Die Handlungsfäden, wiederkehrenden Motive und Gags greifen ineinander wie eine perfekt geschmierte Maschine. Inszenatorisch lenkt Keaton den Blick des Publikums stets in die richtigen Bahnen, um Gefahren, Hindernisse und mögliche, aber unwahrscheinliche Auswege für Johnnie zu verdeutlichen – und dann mit denkbar knappen Erfolgen, glücklichem Scheitern oder kleinen Rückschlägen zu erstaunen.

Und kein Beitrag über „Der General“ wäre komplett, ohne auf die Verschränkung aus minutiöser Vorbereitung, angstfreier Improvisation und beispielloser Kühnheit einzugehen, die Keaton als Regisseur und (Stunt-)Performer an den Tag legt: Im Finale wird eine Brücke gesprengt, während ein echter Zug über sie fährt – eine spektakuläre, absurd teure Aufnahme, die trotzdem von diversen, kleinen Momenten überschattet wird!

Keaton kraxelt immer wieder an fahrenden Zügen entlang, lässt sich von ihnen mitreißen und räumt wenige Schritte vor einer auf ihn zusteuernden Lok die mit schweren Hindernissen vollgemüllten Schienen frei. Es werden Kanonen abgefeuert, potentiell halsbrecherische Sprünge gewagt und viel, viel mehr: Da werden selbst Jackie Chan und Tom Cruise blass vor Neid!

Unserer folgender, modernerer Action-Tipp bietet zwar nicht das Maß an Risikofreude, das „Der General“ für die Ewigkeit auf Zelluloid festhält. Trotzdem wird auch er von namhaften Filmschaffenden wie Quentin Tarantino gefeiert!

Heute Abend streamen: Quentin Tarantino liebt dieses bildgewaltige Fantasy-Epos – und vergleicht es sogar mit "Herr der Ringe"!
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