"Ich würde lieber sterben": "Frankenstein"-Regisseur stellt sich klar gegen KI-Einsatz in Hollywood
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Wie man in Hollywood mit KI umgehen soll, wird eines der bestimmenden Themen der nächsten Jahre – mit sehr unterschiedlichen Sichtweisen. Nachdem sich ein Meisterregisseur gerade sehr offen zeigte, lehnt es ein anderer ab.

Netflix

„Pans Labyrinth“- und „Hellboy“-Regisseur Guillermo del Toro ist für seine visionären Bilder bekannt. Aktuell könnt ihr euch davon in „Frankenstein“ auf der großen Leinwand einen Eindruck verschaffen. Denn kurz vor dem Netflix-Start am 7. November gibt es die opulente Neuverfilmung des Klassikers momentan in ausgewählten Kinos zu bestaunen. Ihr solltet aber nicht erwarten, dass del Toro bei einem seiner künftigen Filme seine Bildpracht mit der Hilfe von KI erstellt. Das stellte er jetzt im Interview mit NPR mehr als deutlich klar:

„KI, insbesondere generative KI – ich bin nicht interessiert, und werde es auch niemals sein. Ich bin 61, und ich hoffe, ich kann uninteressiert bleiben, es überhaupt zu benutzen, bis ich abkratze. … Neulich schrieb mir jemand eine E-Mail und fragte: ‚Was ist deine Haltung zu KI?‘ Und meine Antwort war sehr kurz. Ich sagte: ‚Ich würde lieber sterben.‘“

Anders als Guillermo del Toro: Paul Schrader ist heiß auf KI

Während del Toro zudem dafür plädiert, weniger über künstliche Intelligenz und mehr über „natürliche Dummheit“ zu reden, da diese ihm größere Sorgen bereite und die schlimmsten Probleme der Welt antreibe, beschäftigt sich ein anderer preisgekrönter Filmemacher sehr umfangreich mit KI: Paul Schrader.

Der Autor von „Taxi Driver“ und Regisseur des Arbeiter-Meisterwerks „Blue Collar“ nutzt KI bereits privat fleißig und kann gar nicht erwarten, es auch für Filme häufiger einzusetzen. Vanity Fair erklärte er, dass die Welt seiner Meinung nach nur „zwei Jahre vom ersten KI-Kinofilm entfernt“ sei und er zudem schon das „perfekte Drehbuch“ dafür habe.

Schrader ist zudem der Meinung, dass KI in alle Entwicklungsschritte des Filmemachens einbezogen werden sollte – sogar in seine Arbeit. Auf seiner Facebook-Seite postet der Filmemacher regelmäßig KI-Fotos oder Dinge, die er mit ChatGPT besprochen hat. Bereits im Januar 2025 erklärte er dabei:

„Ich bin fassungslos. Ich habe ChatGPT einfach nach einer Idee für einen Paul-Schrader-Film gefragt. Dann Paul Thomas Anderson. Dann Quentin Tarantino. Dann Harmony Korine. Dann Ingmar Bergman. Dann Rossellini. Lang. Scorsese. Murnau. Capra. Ford. Spielberg. Lynch. Jede Idee, die ChatGPT lieferte (in wenigen Sekunden), war gut. Und originell. Und ausgearbeitet. Warum sollten Autoren monatelang herumsitzen und nach einer guten Idee suchen, wenn die KI eine in Sekundenschnelle liefern kann?“

KI ist beim Filmemachen schon in Einsatz – was kommt noch?

In Hollywood werden sogenannte KI-Tools bereits eingesetzt. Gerade im Bereich der visuellen Effekte ist KI ein hilfreiches Werkzeug. Bei monotonen und zeitaufwendigen Aufgaben wie dem Entfernen oder Ergänzen von Objekten im Bildhintergrund kann KI sehr gut unterstützende Aufgaben übernehmen. Ein weiteres Beispiel: Zuletzt gab es bereits mehrere Projekte, bei denen KI eingesetzt wurde, um die Lippensynchronität in fremdsprachigen Synchronfassungen automatisch anzupassen, sodass die Bewegungen der Münder besser zum Text passen, der gleichzeitig zu hören ist.

Doch die Frage ist, wie KI in den nächsten Jahren noch umfangreicher eingesetzt werden kann. Am prominentesten und lautesten wird die Debatte um digitale Schauspielerei geführt. Werden irgendwann unechte KI-Figuren gemeinsam mit echten Menschen vor der Kamera agieren? Während es sicher noch ein weiter Weg ist, dies bei einer großen Sprechrolle, erst recht bei einer Hauptrolle zu akzeptieren, gibt es durchaus Argumentationen, Statisten künftig mit KI aus dem Computer zu erzeugen. Große Menschenmassen entstehen oft schon durch digitale Effekte, gerade KI könnte das ausweiten.

Was Schrader fordert, geht natürlich noch weiter. Ob ein Film, bei dem eine KI das Drehbuch geschrieben hat, Regie führt und alle weiteren Rollen vor und hinter der Kamera übernimmt, wirklich eine Chance auf eines großes Publikum hat, bleibt noch fraglich. Entsprechende Experimentalfilme gibt es bereits und wird es noch mehr geben. Bei kommerziellen Projekten für die breite Masse wird uns die Zukunft eine Antwort liefern. Sicher können wir nur sein, dass Guillermo del Toro einen solchen Film nicht unterstützen würde...

Mehr über ein KI-Projekt, welches schon für Aufsehen sorgte, gibt es im folgenden Artikel:

Einige der besten Actionfilme aller Zeiten bekommen KI-Remakes – das ist leider kein Aprilscherz

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