Als sich die Regie-Legenden Martin Scorsese und Quentin Tarantino Ende 2019 im Rahmen der Directors Guild of America zu einem ausführlichen Gespräch trafen (via IndieWire), entstand ein Dialog zweier Regiegrößen, die das Kino gleichermaßen geprägt und verstanden haben. Zwischen Anekdoten über gemeinsame Weggefährten und filmhistorischen Rückblicken kam das Gespräch auch auf Joe Pesci – und auf den eher unscheinbaren Film, der seine Karriere ins Rollen brachte.
Tarantino erinnerte sich dabei an einen fast vergessenen Streifen: „Ich erinnere mich an diesen Film, den Ralph De Vito gemacht hat, ‚Blutiger Zahltag‘, das war Joe Pescis erster Film“, sagte er. Scorsese bestätigte das und erzählte, wie Pesci letztlich in „Wie ein wilder Stier“ landete: „So haben wir Joe für ‚Wie ein wilder Stier‘ bekommen. ‚Blutiger Zahltag‘ – Robert De Niro sah ihn damals zufällig im Fernsehen, auf CBS. Er sagte: ‚Ich habe da etwas gesehen, dieser Typ ist wirklich interessant.‘ Also besorgten wir uns eine Kopie des Films.“
Dank dieses Films wurde Joe Pesci von Scorsese entdeckt
Der 1976 erschienene „Blutiger Zahltag“ ist ein Independent-Gangsterfilm mit rauem Straßenflair und minimalistischer Inszenierung. Regisseur Ralph De Vito drehte den Film (sein einziger) mit geringem Budget, erzählte aber dennoch eindringlich vom Alltag kleiner Gangster in New Jersey – Männer, die zwischen Loyalität, Gewalt und der Hoffnung auf ein besseres Leben hin- und hergerissen sind. Joe Pesci, damals noch völlig unbekannt, verkörperte den Kleinganoven Joe mit einer natürlichen Präsenz und Schärfe, die später zu seinem Markenzeichen werden sollten.
Tarantino beschrieb das Werk treffend: „Als ich ihn gesehen habe, dachte ich: Das ist wie eine Exploitation-Version von ‚Hexenkessel‘.“ Diese Beobachtung passt, denn wie Scorseses „Hexenkessel“ ist auch „Death Collector“ ein Film, der das Milieu von unten betrachtet – roh, ungeschliffen und ohne romantische Überhöhung.
Dass „Taxi-Driver“-Star Robert De Niro den Film zufällig im Fernsehen entdeckte und Scorsese daraufhin eine Kopie anforderte, war letztlich ein Schlüsselmoment in Pescis Laufbahn. Ohne diesen Zufall hätte Scorsese womöglich nie den Schauspieler gefunden, der seinen Jake LaMotta in „Wie ein wilder Stier“ (1980) so eindrucksvoll ergänzte. Pesci erhielt für seine Darstellung eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller und gewann den Preis schließlich 1991 für seine legendäre Rolle in Scorseses „GoodFellas“.
„Blutiger Zahltag – Die Mafia kennt kein Erbarmen“ blieb trotz dieser Verbindung ein kaum bekannter Titel, doch seine Bedeutung für die Filmgeschichte ist unbestreitbar. Er steht sinnbildlich für jene kleinen Produktionen, die unbemerkt den Grundstein für große Karrieren legen. Übrigens, für Scorsese ist „Hexenkessel“ einer seiner Favoriten. Warum er dennoch Schwierigkeiten hat, sich sein eigenes Meisterwerk anzusehen, darum geht es im folgenden FILMSTARTS-Artikel.
"Zu persönlich": Martin Scorsese kann seinen eigenen Lieblingsfilm nicht mehr sehenFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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