Seit 1911 versetzt er das (fiktive) Frankreich in Angst, Schrecken und makabere Bewunderung: Der Superschurke Fantômas war zuerst ein gewaltiges Literaturphänomen. Doch es dauerte nicht lang, bis die 400 Seiten langen Kriminalromane rund um den skrupellosen, genialen Verbrecher mit Hang zu perfiden Plänen und verblüffenden Verkleidungen ihren Weg ins Kino fanden.
Die meisten deutschen Filmfans dürften vor allem die in den 1960ern entstandene „Fantomas“-Trilogie (ausnahmsweise ohne Akzent auf dem o) kennen: Aus dem sadistisch-finsteren Vergnügen wurde eine schrille, exzentrische Ganovensause, die sich zunehmend um die Hatz zwischen der Titelfigur und einem kauzigen Gesetzeshüter (gespielt von der populären Ulknudel Louis de Funès) drehte.
Nach dieser Kult-Trilogie wurde es jedoch spürbar ruhiger um den sagenumwobenen Bösewicht: Es erschienen zwar weiterhin Comics, und in den 1980ern entstand eine vierteilige TV-Serie. Geplante Kino-Fortsetzungen und Reboots verliefen allerdings stets im Sande.
Nun hat die filmische Dürreperiode aber ein Ende: In wenigen Wochen sollen die Dreharbeiten zu einem neuen „Fantômas“-Film beginnen – und der wird ganz anders als die Kultfilme aus den 1960ern!
"Fantômas": Ein ambitionierter Blockbuster soll als Vorbild dienen!
Die glorreiche Leinwand-Rückkehr von Fantômas soll ab Januar 2026 in Paris gedreht werden und 2027 unter dem schlichten Titel „Fantômas“ in die Kinos kommen. Regie führt Frédéric Tellier („Goliath“), der sich auch am Drehbuch beteiligt. In tragenden Rollen wurden der französische Superstar Romain Duris („L'Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“, „Final Cut Of The Dead“), „Die schönste Zeit unseres Lebens“-Darsteller Guillaume Canet, „The Sentinels“-Mime Louis Peres und Lyna Khoudri („The French Dispatch“) besetzt.
Laut dem US-Branchenblatt Variety wird „Fantômas“ zu den Ursprüngen der Figur zurückkehren und im Paris des Jahres 1914 spielen: Der titelgebende Meistergauner hält die Stadt mit brutalen Verbrechen in Atem und ruft somit Lieutenant Juve auf den Plan. Aber wie hält man in Zeiten der Gewalt und politischer Spannungen einen Mann auf, der kein Motiv, keine Agenda, kein Handlungsmuster und nicht einmal eine Identität hat?
Ramy Nahas, der bei der Produktionsfirma SND für den internationalen Rechteverkauf verantwortlich ist, vergleicht Telliers Vision mit einem aufwändigen, französischen Superhit: „Wie zuvor schon 'Der Graf von Monte Christo' ist 'Fantômas' die Adaption eines zeitlosen Klassikers, die dazu bestimmt ist, der nächste globale Blockbuster zu werden!“
Die „Monte Christo“-Adaption, auf die Nahas anspielt, lief hierzulande Anfang 2025 an, und lockte allein in Frankreich über neun Millionen Menschen in die Lichtspielhäuser. Weltweit brachte es die für ihren massiven Aufwand und ihre Balance zwischen Originalität und Originalgetreue gelobte Buchverfilmung auf Einnahmen von rund 100 Millionen Dollar.
Fantômas beschäftigte sogar Frankreichs reale Justiz!
Diese Rückkehr zu den „Fantômas“-Wurzeln lässt sich womöglich nicht bloß allein auf den „Der Graf von Monte Christo“-Erfolg zurückführen. Denn die bunte, quirlige Interpretation des Schurken stand, trotz immenser Beliebtheit, nicht unter dem besten Stern: Ein vierter Teil wurde noch in den 60er-Jahren geplant, jedoch verworfen, weil sich Jean Marais und Louis de Funès verkrachten – und somit die beiden zentralen Stars der Reihe.
Darüber hinaus klagte Marcel Allain, einer der beiden „Fantômas“-Schöpfer, gegen die ihm zu leichtfüßig-albern gewordenen Filme: Sie verwässerten seine unheimliche Figur, die auf der Höhe ihres literarischen Ruhms von begeisterten Stimmen des Kunstbetriebs als Ausdruck eines anarchistischen Grolls auf die vom Kapitalismus verführte Welt verstanden haben. Die Justiz gab Allain Recht und sprach ihm 100.000 Franc Schadensersatz zu – ein Urteil, das in Frankreich ein langes Echo nach sich zog!
Selbst viele Jahre nach Allains Tod traute man sich nicht an die Figur heran. Und die Pläne, die seither geschmiedet wurden, führen die Figur stets zurück in die Finsternis. 2010 sah es bislang am ehesten nach einem Kino-Comeback für Fantômas aus. „Silent Hill“-Regisseur Christophe Gans verpflichtete damals Jean Reno und Vincent Cassel für eine Neuinterpretation. Nachdem Cassel angeblich aus terminlichen Gründen ausstieg, dauerte es allerdings nicht lange, bis das Projekt aufgegeben wurde.
Fantômas ist übrigens nicht die einzige beliebte Figur, die endlich wieder einen Film spendiert bekommt. So haben sich Emma Stone und Jennifer Lawrence für ein anderes Comeback zusammengetan – mehr erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Nach 50 Jahren: Eine der größten TV-Kultfiguren bekommt ihren eigenen Film – von und mit Jennifer Lawrence & Emma Stone!