Der viele Jahre in erster Linie für seine Western-Arbeiten bekannte Clint Eastwood konnte sich vor allem nach der Jahrtausendwende als Regisseur noch einmal neu erfinden. Neben „Million Dollar Baby“, „Der fremde Sohn“ oder „J. Edgar“ sticht hier vor allem ein Film besonders heraus: Das todtraurige und unheimlich eindringliche Schuld-und-Sühne-Drama „Mystic River“, das heute, am 3. April um 20:15 Uhr auf arte ausgestrahlt wird. Trotz seiner FSK-16-Freigabe zeigt arte den „Mystic River“ um 20:15 Uhr ungeschnitten.
Darum geht’s in "Mystic River"
Jimmy (Sean Penn), Dave (Tim Robbins) und Sean (Kevin Bacon) waren in ihrer Jugend unzertrennlich. Doch dann kam es zu einem traumatischen Ereignis: Dave wurde entführt und brutal von zwei Männern mehrere Tage vergewaltigt. Plötzlich war nichts mehr wie vorher. 25 Jahre später haben die Männer ihre Freundschaft längst vergessen, als sich ihre Wege im selben Vorort von Boston wieder kreuzen. Jimmys 19-jährige Tochter Katie (Emmy Rossum) wird nach einer durchzechten Partynacht brutal ermordet.
Die Ermittlungen in diesem Fall leitet ausgerechnet Sean, der es bei der Polizei weit gebracht hat. Während Sean und sein Partner Whitey (Laurence Fishburne) dem Täter langsam näher kommen, sinnt der vollkommen verstörte Jimmy auf Rache und stellt mit seinen Kumpanen eigene Nachforschungen an. Dave, der in der Bar zu den letzten Personen zählt, die Katie lebend gesehen haben, gerät ins Visier der Polizisten. Vor allem, weil er in der Mordnacht mit schweren Stichverletzungen nach Hause gekommen ist...
Hochspannend und unheimlich bewegend
In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es für „Mystic River“ hervorragende 4,5 von 5 möglichen Sternen. In seinem Fazit bezeichnet Carsten Baumgardt den Film als „eine feine, exzellente Arbeit, die aus dem Einheitsbrei der Hollywood-Produktionen deutlich herausragt. Düster, moralisch und unmoralisch zugleich, glaubhaft und packend – großes Kino eben.“
Clint Eastwood hatte „Mystic River“ Anfang der 2000er-Jahre auch verdammt nötig, nachdem „Blood Work“ und „Ein wahres Verbrechen“ zwar durchaus solide Kritiken bekamen, an den Kinokassen aber massiv floppten. „Mystic River“ hingegen avancierte zum kommerziellen Erfolg – und konnte bei den Oscars ebenfalls ein Wörtchen mitreden. Am Ende konnten sich Sean Penn und Tim Robbins vollkommen verdient den jeweiligen Goldjungen in der Kategorie Bester Haupt- und Bester Nebendarsteller schnappen.
Während sich die stimmungsvolle Inszenierung viel Zeit nimmt, um die Buchvorlage „Spur der Wölfe“ von Daniel Lahanes sorgsam auf die Leinwand zu übersetzen und dabei auf eine durchaus entschleunigte, aber niemals langatmige Erzählung baut, verdichtet sich die Spannung in „Mystic River“ vor allem aufgrund der grandiosen schauspielerischen Leistungen. Sean Penn und Tim Robbins liefern geradezu aufopferungsvolle Porträts zweier vom Leben gezeichneter und vom Schicksal gestrafter Männer ab, die sich in einer grausamen Gewaltspirale wiederfinden.
Der Diskurs über Schuld und Sühne, über Selbstjustiz und Vergebung, ist in „Mystic River“ aber nicht nur an die tollen Charaktere gebunden, die die Zuschauer*innen von der ersten Minute an mitreißen. Clint Eastwood erzählt hier auch in Form einer Milieustudie viel über den unterprivilegierten Vorort Bostons und spiegelt so das Psychogramm mit dem Handlungsort, was der düsteren Geschichte durch ihr greifbar-schroffes Lokalkolorit noch mehr Tiefe verleiht. Fest steht: „Mystic River“ wird euch definitiv einen kalten Schauer über den Rücken jagen.
Falls ihr wissen wollt, welches Thema Clint Eastwood ablehnt, wenn er an einem neuen Film arbeitet, müsst ihr den nachfolgenden Artikel lesen:
Clint Eastwood weigert sich seit Jahren, über dieses Thema zu sprechen, wenn er an einem neuen Film arbeitet: "Ich will das gar nicht wissen"Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.