So hätte Darth Vader ursprünglich klingen sollen – es hätte das komplette "Star Wars"-Universum verändert
Björn Becher
Björn Becher
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Björn ist mit „Star Wars“ aufgewachsen, schaut alle Filme jährlich, hat zahlreiche Bücher rund um das beste Franchise der Welt gelesen und feiert gerade die herausragende 2. Staffel „Andor“.

Nahezu alle wissen, dass James Earl Jones in der Originalfassung der „Star Wars“-Stimme Bösewicht Darth Vader die Stimme leiht, aber David Prowse die Figur spielt. Doch unbekannter ist die ganze Geschichte dahinter...

Disney und seine verbundenen Unternehmen

Dass Darth Vader in der „Star Wars“-Saga mit seiner tiefen, bedrohlichen Stimme und seinem ikonischen Atem-Geräusch so eindrucksvoll und furchteinflößend klingt, wie wir ihn kennen, verdanken wir einer bewussten Entscheidung von George Lucas. Ursprünglich hatte der vielleicht berühmteste Mann in der Maske der Filmgeschichte nämlich eine ganz andere Stimme – die des britischen Schauspielers David Prowse.

Doch Lucas fand Prowses Stimme – mit starkem West-Country-Akzent – unpassend für den dunklen Sith-Lord. Also holte er den Amerikaner James Earl Jones – und der legte in nur wenigen Stunden im Tondstudio den Grundstein für eine der ikonischsten Figuren der Filmgeschichte. Doch wie kam es dazu?

Der Mann hinter der Maske – und seine Farmer-Stimme

Auch aufgrund seiner imposanten Größe von fast zwei Metern heuerte George Lucas für „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ den britischen Ex-Gewichtheber David Prowse als Darth Vader an. Bei den Lichtschwert-Kampfszenen wurde er zwar durch den Profi-Fechter Bob Anderson gedoubelt, doch eigentlich sollte Prowse sonst Vader sein. Während der Dreharbeiten sprach er so auch alle Dialoge. Doch der für viele nach einem Landwirt klingende Akzent des aus Bristol im Südwesten Englands stammenden Prowse sorgte schon während des Drehs für Spott der Crew. Wie Prinzessin-Leia-Darstellerin Carrie Fisher später in der auf Disney+ verfügbaren* Dokumentation „Empire Of Dreams“ enthüllte, kursierte am Set sogar der Spitzname „Darth Farmer“.

Auch George Lucas musste irgendwann eingestehen, dass er seine Vision mit der Stimme von Prowse nicht realisieren kann. Zu banal, zu freundlich für einen Sith-Lord, der Furcht und Autorität vermitteln soll, wirkte dieser. Dazu kamen technische Probleme, die es ohnehin nötig machten, dass alle Szenen von Darth Vader noch einmal neu eingesprochen werden müssen. Denn unter dem Helm wurde die Originalstimme nur sehr schlecht eingefangen.

Die Suche nach einer neuen Stimme für Darth Vader

Lucas und sein Team fragten wohl einige etablierte Stimmen Hollywoods an. Sogar der legendäre Orson Welles soll ein Kandidat gewesen sein. Doch Lucas entschied sich gegen die Hollywood-Legende. Der „Citizen Kane“-Regisseur war schließlich auch seit Jahrzehnten eine präsente Radiostimme. Jeder hätte ihn erkannt, das würde das Publikum aus der Illusion reißen, befürchteten die Verantwortlichen.

Schließlich kam James Earl Jones ins Spiel, der zwar schon eine erfolgreiche Karriere im TV und Kino samt einer Oscarnominierung in der Vita hatte, aber als Sprecher noch nicht so präsent war. Das sollte sich erst – auch dank „Star Wars“ – später ändern. Mit Hörbüchern, TV-Ansagen, Videospielvertonungen und natürlich seiner legendären Darbietung von Mufasa im Animationsklassiker „Der König der Löwen“ avancierte Jones zu einer der markantesten Stimmen Hollywoods. Lucas kannte den Schauspieler bereits, weil dieser gerade für einige Freunde des Filmemachers die Hauptrolle in der Sport-Komödie „The Bingo Long Traveling All-Stars & Motor Kings“ bekleidet hatte und fragte ihn so ganz unverbindlich.

Geheime Neuaufnahmen ohne Wissen von Prowse

Jones war angetan und seine Stimme erwies sich schneller als perfekt passend zur Erscheinung von Vader. Die zusätzlichen Tonaufnahmen für den allerersten „Star Wars“-Film, den wir heute als „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ kennen, dauerten übrigens gerade einmal zweieinhalb Stunden. Jones verlangte dafür nur 7.500 Dollar und verzichtete sogar auf eine Nennung als Stimme von Darth Vader im Abspann des Films. Er war der Meinung, dass David Prowse zu 100 % diese Figur ist, auch wenn die Stimme jetzt von einem anderen kommt.

Leicht unglücklich war in diesem Zusammenhang nur, dass David Prowse dachte, er sei weiterhin wirklich zu 100 % Darth Vader. Er war überzeugt, man werde ihn sicher bald kontaktieren, sollte die Nachvertonung einiger Dialoge notwendig sein. Prowse soll erst erfahren haben, dass er nicht mehr Darth Vader spricht, als er den fertigen Film das erste Mal sah. Es gibt viele Berichte, dass der Bösewicht-Darsteller danach heftigst enttäuscht war. Er übernahm zwar für die Sequels „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ trotzdem wieder den Schauspielpart, soll aber am Set durchaus seinen Frust gezeigt haben. So soll er seine Dialoge teilweise nicht mehr gelernt, sondern einfach improvisiert haben oder sogar auch bewusst vom Skript abgewichen und falsche Sachen gesagt haben.

Dürfen wir nicht unterschlagen: Atemgerät und Sounddesign

Dass Darth Vader diese Bösewichtikone wurde, hat aber nicht nur mit Prowses Schauspieler und Jones‛ Stimme zu tun. Für die Bedrohlichkeit ungemein wichtig ist das ikonische Atmen. Der Sounddesigner Ben Burtt schlug vor, Vaders Atem durch einen Regler eines Tauchgeräte-Atemreglers zu erzeugen. So entstand das keuchende, mechanische Atmen, das bis heute untrennbar mit Vader verbunden ist.

Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn Burtt nicht noch diesen Einfall gehabt hätte und wenn man Ende vielleicht sogar bei Prowses Originalstimme geblieben wäre. Vielleicht hätte Vader durch seine Erscheinung trotzdem noch zu einem gewissen Maße unheimlich gewirkt – dann vielleicht aber mehr wie ein gewöhnlicher menschlicher Horrorfilm-Bösewicht. Die Stimme, das markante Atmen, der alien-artige Klang machen die Figur gemeinsam mit ihren Machtfähigkeiten erst zu einer übernatürlichen Bedrohung. Ohne all das hätte Vader möglicherweise nie diesen ikonischen Status erreicht.

Die Wahl einer anderen Stimme für Vader war als weit mehr als nur eine kosmetische Änderung und Korrektur, obwohl dies zuerst der Hintergedanke und Anlass war. Es ist wohl das Paradebeispiel, um zu unterstreichen, wie wichtig nicht nur Bilder, sondern auch der Ton für das moderne Kino sind. Und es zeigt, dass kleine kreative Entscheidung eine Figur erst unsterblich machen kann.

Welchen Sci-Fi-Film George Lucas trotzdem besser als seine berühmte Saga findet, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

"Viel besser als Star Wars": Das ist laut George Lucas der definitive Science-Fiction-Film

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