Tief sitzende Traumata, Klassenunterschiede, komplizierte menschliche Beziehungen: Diesen Themen widmet sich wohl kein anderer moderner Autorenfilmer so vielschichtig wie der Südkoreaner Lee Chang-dong. Der 71-jährige Regisseur und Schriftsteller machte sich in den frühen 2000ern einen Namen mit hintersinnigen psychologischen Dramen wie „Peppermint Candy“ und „Oasis“. Der große Wurf aber gelang ihm 2018 mit „Burning“, einem mit internationalen Filmpreisen überhäuftem Thriller-Drama.
Kein Werk zuvor wurde beim Filmfest in Cannes mit einer derart guten Kritikerwertung bedacht (Jury-Bewertung: 3,8 von 4 Punkten). Auch für uns ist das fast 150-minütige Epos, das Themen wie (Sozial-)Neid und toxische Männlichkeit klug verhandelt, ein Meisterwerk. In unserer FILMSTARTS-Kritik erhielt „Burning“ die seltene Höchstwertung: 5 von 5 möglichen Sternen!
Doch in der Zwischenzeit sind acht Jahre vergangenen und Lee-Fans warten seither sehnsüchtig auf den neuen Film des Regie-Visionärs, dessen Titel schon 2025 bekannt gegeben wurde: „Possible Love“. Die Wartezeit neigt sich dem Ende entgegen, denn nun steht endlich das Veröffentlichungsdatum fest.
Gegensätze ziehen sich an – Das ist "Possible Love"
Wie aus übereinstimmenden Medienberichten hervorgeht, wird Lees siebter abendfüllender Film im vierten Quartal 2026 (also zwischen Oktober und Dezember) exklusiv als Netflix Original auf dem Streamingdienst veröffentlicht. Ersten Informationen zufolge soll es darin um zwei Paare mit grundverschiedenen Lebensstilen gehen. Ihre differierenden Ansichten und Wege kreuzen sich wiederholt – was natürlich großes Konfliktpotential birgt. Mehr ist zur Story aktuell noch nicht bekannt.
Stattdessen wissen wir schon länger, dass der Filmemacher auf vertraute Gesichter und bewährte Darsteller setzt, mit denen er schon früher erfolgreich zusammengearbeitet hat. Mit dabei ist Jeon Do-yeon, die schon für Lees „Secret Sunshine“ (2007) vor der Kamera stand. Die weiteren Hauptrollen übernehmen Seol Kyung-gu, den wir aus „Peppermint Candy“ und „Oasis“ kennen, sowie Jo In-sung. Jo zählt dank südkoreanischer Kassenhits wie „The Great Battle“ und „The King“ zu den erfolgreichsten Schauspielern seiner Heimat.
Kurioser Entstehungsprozess
Beachtlich bei alledem ist, dass es „Possible Love“ aufgrund seiner wahrlich ereignisreichen Entstehungsphase fast nicht gegeben hätte. Nachdem die Finanzierung durch südkoreanische Studios scheiterte (und sich auch private Geldgeber zurückgezogen hatten), stand die Realisierung im April letzten Jahres kurzzeitig auf der Kippe. Und das trotz des Entgegenkommens der Hauptdarsteller, die auf einen Teil ihrer zuvor vereinbarten Gagen verzichteten. Schließlich übernahm Netflix das Projekt im Sommer 2025 vollständig – und rettete damit die Produktion.
Ob „Possible Love“ ähnlich erfolgreich wird und solch überschwänglichen Kritiker-Anklang findet wie „Burning“ erfahren wir in ein paar Monaten. Die ersten Plot-Infos lassen aber schon einmal vermuten, dass Lee auch diesmal wieder das Leben in unserer modernen, konsumorientierten Welt genaustens seziert und die Auswirkungen sozialer Unterschiede kompromisslos herausarbeitet.
Im vergangenen Herbst nahmen über 150 Filmkritiker*innen an einer Umfrage teil, die den besten südkoreanischen Film aller Zeiten ermitteln sollte. Seht hier das Ergebnis, das 20 wahre Meisterwerke bereithält (inklusive „Burning“ und DEM Oscar-Abräumer 2019):
Ist der beste Film der letzten 20 Jahre doch nur die Nummer 2?! Jetzt wurde ein anderes Meisterwerk auf Platz 1 gewählt