Bevor er seiner eigenen Karriere mit allerlei Skandalen um antisemitische Äußerungen und häusliche Gewalt empfindliche Kratzer verpasste, war Mel Gibson einer der größten Hollywood-Stars. Seit seinem internationalen Durchbruch als „Mad Max“ konnte der heute 70-Jährige in Actionfilmen (die „Lethal Weapon“-Reihe) ebenso überzeugen wie in Historien-Epen (der von ihm selbst inszenierte Oscar-Hit „Braveheart“) oder RomComs („Was Frauen wollen“).
Doch es gibt mindestens einen im Rückblick recht skurrilen Ausreißer in seiner Filmografie, bei dem man sich durchaus die Frage stellen kann, wie es überhaupt zu dem Projekt gekommen ist: Vor 26 Jahren war Gibson unter der Regie des deutschen Regie-Auteurs Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“) in einer eigenwilligen Kombination aus Mysterythriller, Romanze und Kunstfilm zu sehen, deren Drehbuch von niemand Geringerem als U2-Sänger Bono verfasst wurde, der zugleich auch den Soundtrack beisteuerte. Die Rede ist von „The Million Dollar Hotel“.
In dem Film geht es um eine Gruppe von Außenseitern und Gestrandeten in einer baufälligen Herberge in Los Angeles, in der der Junkie Izzy (Tim Roth) unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt. Da das Opfer der Sohn eines einflussreichen Medienmoguls ist, wird der unberechenbare Special Agent Skinner (Mel Gibson) entsandt, um in dem Hotel zu ermitteln. Während er die skurrilen Bewohner*innen unter Druck setzt, entspinnt sich zwischen dem naiven Tom Tom (Jeremy Davies) und der sensiblen Eloise (Milla Jovovich) eine zarte Romanze.
Bono entwickelte die Idee zu „The Million Dollar Hotel“ bereits Ende der 1980er-Jahre, als er während der Dreharbeiten zum Musikvideo von „Where The Streets Have No Name“ in der Innenstadt von Los Angeles das im Mittelpunkt des Films stehende Rosslyn Hotel entdeckte. Anfang der 1990er-Jahre erwarb schließlich Mel Gibson die Rechte, während Gary Oldman („Das fünfte Element“) als Hauptdarsteller an Bord kam. Doch aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten und Terminkonflikten landete das Projekt zunächst in der sogenannten Entwicklungshölle.
Als die Produktion unter der Regie von Wim Wenders wieder Fahrt aufnahm, war Oldman längst wieder abgesprungen – und Gibson sprang nicht nur höchstpersönlich für den späteren Oscar-Gewinner („Die dunkelste Stunde“) ein, sondern machte mit seiner Firma Icon Productions auch das benötigte Budget von rund 8 Millionen US-Dollar locker.
Trotz seiner geringen Produktionskosten erwies sich „The Million Dollar Baby“ letztlich als absoluter Kassenflop: Gerade einmal 1,5 Millionen US-Dollar konnte der Gewinner des Silbernen Bären auf der Berlinale 2000 in die weltweiten Kinokassen spülen. Dazu kam ein wenig wohlwollendes Echo der Fachpresse: Die US-amerikanische Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes zählt nur 25 Prozent an überwiegend positiven Rezensionen.
Mel Gibson lästerte über "The Million Dollar Hotel" – und entschuldigte sich direkt
Obwohl Gibson den Film selbst entscheidend voranbrachte, äußerte sich auch der „Maverick“-Star noch vor (!) dem Kinostart abfällig über „The Million Dollar Hotel“ – und bezeichnete ihn öffentlich als „so langweilig wie einen Hundearsch“ (via Far Out Magazine).
Wie so oft entschuldigte er sich kurze Zeit später für seinen Kommentar: „Es war das Ende eines Tages, an dem ich 6.000 Interviews geführt hatte, und irgendein Typ hat den Film runtergemacht, und es ist einfach herausgerutscht. Später dachte ich: ‚Gott, warum habe ich das gesagt? Ich bin ein Idiot! Ich habe diesen Film produziert. Ich vertreibe ihn!‘ Es war ziemlich gedankenlos, weil viele Leute sehr hart an diesem Film gearbeitet haben.“
Übersetzt heißt das wohl: Er findet „The Million Dollar Hotel“ tatsächlich todlangweilig – denn warum sollte es sonst sein Impuls sein, mitzulästern, anstatt den Film zu verteidigen? –, hätte diesen Umstand aber lieber für sich behalten. Regisseur Wenders reagierte übrigens gelassen auf Gibsons verbalen Ausfall: Dieser habe wahrscheinlich einen Blockbuster im Stil der „Lethal Weapon“-Filme erwartet und sei mit den Stilmitteln des europäischen Autorenkinos wohl schlichtweg nicht vetraut.
Warum Mel Gibsons Bruder den „Die Passion Christi“-Macher für das Scheitern seiner Schauspiel-Karriere verantwortlich macht, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Donal Gibson, der Bruder von Mel Gibson, gibt dem "Braveheart"-Star die Schuld am Scheitern seiner Schauspiel-Karriere: "Ich wurde auf die schwarze Liste gesetzt"*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.