Nach über 50 Jahren (!) feiert dieser finstere Western mit mehreren Oscar-Stars heute seine TV-Premiere
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Drei Schauspielgrößen, die einen Oscar einheimsen konnten, ein Oscar-nominierter Publikumsliebling, eine grimmige Rachegeschichte und auffallende, atypische Western-Filmmusik: Heute Abend läuft „The Revengers“ erstmals im deutschen Free-TV.

Trotz einer namhaften Besetzung war der raue Western „The Revengers“ alias „Die Rächer“ 1972 an den US-Kassen ein Misserfolg. Auch in Deutschland, wo der von Daniel Mann („Die tätowierte Rose“) inszenierte Film bloß gekürzt auf die große Leinwand kam, ging er völlig unter. Dafür war es der deutsche Heimkinomarkt, der ihm ein spätes Upgrade bescherte: 2014 feierte „The Revengers“ auf dem hiesigen Markt seine globale Blu-ray-Premiere, und zwar uncut!

Wenn ihr den von Italo-Western beeinflussten Hollywood-Genreeintrag nachholen möchtet, könnt ihr auch schlicht den Fernseher anschmeißen. Denn heute, am 13. Februar 2026, feiert „The Revengers“ nach 54 Jahren (!) seine deutsche Free-TV-Erstausstrahlung – nämlich ab 22.50 Uhr im BR! Außerdem ist der Film bei joyn* und sogleich drei Amazon Prime Video Channels abrufbar – GRJNGO*, Seven Entertainment* und Kabel Eins CLASSICS:

Darum geht es in "The Revengers"

Als der wohlhabende Rancher John Benedict (William Holden) von einem Jagdausflug heimkehrt, macht er eine erschütternde Entdeckung: Seine Frau und seine Kinder wurden in seiner Abwesenheit ermordet! Um seine Familie zu rächen, heuert er eine Bande von Verbrechern an, um die Mörder zu finden und zur Strecke zu bringen. John hat jedoch seine Autorität überschätzt!

Das Sextett ist völlig unberechenbar und sieht gar nicht ein, seinen Ansagen zu gehorchen. Schnell wird in John der grausige Verdacht wach, dass diese wilden Killer den Spieß umdrehen und bald ihn auf ihre stetig wachsende Liste an Opfern setzen werden...

Eine stark besetzte US-Antwort auf den Italo-Western

Gewalt, die Gegengewalt und noch mehr Gegengewalt provoziert: Drehbuchautor Wendell Mayes („Ein Mann sieht rot“), der eine Storyidee von Steven W. Carabatsos („Raumschiff Enterprise“) verfolgte, und Daniel Mann loten in „The Revengers“ auf moralisch grau-graue Weise Themen aus, die im klassischen US-Western zwar nicht völlig verpönt waren, aber oftmals idealistisch unter den Teppich gekehrt wurden. 1972 war die Zeit jedoch reif für einen pessimistischen Spätwestern mit Rückgriffen auf eine neue Genresprache, die italienische Western-Regisseure wie Sergio Leone etablierten.

Dafür holte sich Mann ein talentiertes Ensemble vor die Linse: Hauptdarsteller William Holden begeisterte in Filmen wie „Boulevard der Dämmerung“ sowie „Die Brücke am Kwai“ und gewann für Billy Wilders Kriegsfilm „Stalag 17“ den Oscar. Ernest Borgnine, der arge Probleme gehabt haben soll, sich in seine schroffe Ganovenrolle einzufinden, mischte in Klassikern wie „Das dreckige Dutzend“ sowie „The Wild Bunch“ mit und gewann durch seine mit dem Oscar prämierte Darbietung in der Romanze „Marty“ den Ruf eines liebenswerten Jedermanns.

Susan Hayward wiederum, auf deren Rolle die harten Kerle im späteren Verlauf der Handlung stoßen, gewann den Academy Award für ihre Leistung im legendären Film noir „Lasst mich leben“ und schockierte kurz vor „The Revengers“ im Showgeschäft- und Medikamentenmissbrauchsdrama „Das Tal der Puppen“. Diese mimischen Schwergewichte sowie Nebendarsteller Arthur Hunnicutt (meist in kauzig-liebenswerten Rollen zu sehen, Oscar-nominiert für den Western „The Big Sky – Der weite Himmel“) verleihen dem Film eine thematische Schwere – und arbeiten engagiert gegen das fahrige Skript an.

Denn „The Revengers“ springt seiner direkten Botschaft und den finsteren Wendepunkten zum Trotz recht unkoordiniert von Erzählduktus zu Erzählduktus, schrammt in einzelnen komödiantischen Parts sogar glatt an der Selbstparodie vorbei. Und Pino Calvis an die Blaxploitation-Strömung erinnernde, schmissige Musik weiß ebenso ins Ohr zu gehen wie in diesem Kontext zu irritieren. Doch aufgrund des fähigen Casts und den genrerevisionistischen Ideen bleibt „The Revengers“ für Western-Begeisterte einen Blick wert – und hat es definitiv verdient, vor 54 erneuten Jahren Schattendasein bewahrt zu werden.

Ganz große Western-Kost stellen wir euch übrigens im folgenden Artikel konkret vor:

Heute Abend streamen: Der vielleicht beste Western aller Zeiten – mit einem unvergesslichen Finale

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