Wenn wir von den besten Western aller Zeiten sprechen und den Italo-Western, der von Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“) und Sergio Corbucci („Leichen pflastern seinen Weg“) geprägt wurde, ein wenig ausklammern, dann gibt es an „12 Uhr mittags“ (oder „High Noon“ im Original) von 1952 wahrlich kein Vorbeikommen. Der Western-Klassiker von Fred Zinnemann („Ein Mann zu jeder Jahreszeit“) ist wohl einer der stilprägendsten und wichtigsten Vertreter des Genres.
Ob „12 Uhr mittags“ wirklich der beste Western aller Zeiten ist, darf diskutiert werden. In jedem Fall zählt er zu den absoluten Highlights. In unserem FILMSTARTS-Ranking der besten Western überhaupt hat sich der Klassiker jedenfalls einen der vorderen Plätze gesichert. Und auch in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik gab es für „12 Uhr mittags“ mit 5 von 5 Sternen die absolute Höchstwertung. Selbst wenn man also andere Western bevorzugt, bekommt man hier so oder so einen echten Meilenstein geboten!
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Darum geht's in "12 Uhr mittags"
Inmitten einer tristen Landschaftskulisse nähern sich drei Männer einem unscheinbaren Wildwest-Städtchen namens Hadleyville. Es ist ca. 10 Uhr in der Früh. Jack Colby (Lee Van Cleef), Pierce (Robert J. Wilke) und Ben Miller (Sheb Wooley) reiten durch das Kaff. Alle Bewohner*innen kennen die drei Schurken. Vor allem aber ist der Mann bekannt, der gerade nicht durch die Stadt reitet: Frank Miller (Ian MacDonald).
Das Trio wartet auf den Gangster, der mit dem Zug um 12 Uhr in Hadleyville eintreffen soll. Frank Miller ist ein verurteilter Mörder, der aus absolut unerfindlichen Gründen vor Gericht begnadigt wurde. Miller wurde vom Marshal der Stadt, Will Kane (Gary Cooper), vor Jahren gefasst. Und Will Kane gilt nun auch der Besuch Frank Millers. Alle in der Stadt wissen das. Und alle wissen sie, dass Miller Rache an Kane üben will...
Ein Ausnahme-Western
In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik von Ulrich Behrens heißt es: „‚12 Uhr mittags‘ ist in jeder Hinsicht ein Ausnahme-Western. Wir sehen keine blühenden Landschaften eines glorifizierten Westens, keine furchtlosen Helden ohne Schwäche, keine lustigen Nester, keine typisch amerikanische Nach-Siedler-Generation, die sich in Furchtlosigkeit vor den Gefahren zusammenschweißt und ihre Führer (längst) auserwählt (hat). Alles läut hier anders ab, alles sieht hier anders aus.“
Tatsächlich ist „12 Uhr mittags“ eben kein amerikanischer Heimatfilm – also das, wozu das Western-Genre in den 1950er- und 1960er-Jahren oftmals degradiert wurde –, sondern eine beklemmende Gewaltstudie, in der es keine Helden gibt. Gary Coopers Marshal ist so allein, wie ein Mann nur sein kann. Hier wird ein sehr moderner Typus des Kinos in Szene gesetzt. Nämlich der vermeintliche Heroe, der zwar bis zum Ende seinem Gewissen folgt, aber dennoch von Angst, Enttäuschung und Verbitterung eingeholt wird.
Das führt nach einem nervenzerrenden Spannungsaufbau (nahezu) in Echtzeit nicht nur zu einem packenden, stilprägenden Showdown, der oftmals in der Filmgeschichte kopiert und hommagiert wurde, sondern auch zu einer legendären Geste, die an dieser Stelle natürlich nicht gespoilert werden soll, aber eins zu eins von Clint Eastwood am Ende von „Dirty Harry“ übernommen wurde. Passend dazu heißt es in der Kritik auch: „Düsterer kann man einen Western kaum drehen. Düsterer kann man aber vor allem kaum eine Atmosphäre einfangen.“
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Heute Abend streamen: Ein ungewöhnliches Western-Highlight mit Top-BesetzungDies ist eine Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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