Für nicht wenige Kritiker und Filmfans galt der Western bereits Anfang der 1960er-Jahre als altbackenes, angestaubtes Genre. Viele der großen Klassiker und Kassenerfolge mit Leinwandlegenden wie John Wayne oder Gary Cooper lagen bereits Jahre – oder Jahrzehnte – zurück. In den späten 50ern und frühen 1960ern hatten Historienfilme („Ben Hur“) und lebensbejahende Musicals („West Side Story“) in der Gunst der Zuschauer die Nase vorn – Western galten als unsexy.
Der 1962 veröffentlichte „Das war der Wilde Westen“ (OT: „How The West Was Won“) jedoch bewies das Gegenteil. Das Genre funktionierte noch und sprach nach wie vor die Massen an – wenn es sich auf seine Stärken besann. Drei (!) Regisseure drückten dem 160-minütigen Meisterwerk, das in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist, ihren Stempel auf. Der Film, der von der Erschließung des amerikanischen „Wilden Westens“ im 19. Jahrhundert handelt, vereint spektakuläre Schauwerte und eine beachtliche Starbesetzung mit einer für das Genre ungewöhnlichen, episodenähnlichen Erzählstruktur. Ein Muss für alle Western-Fans!
Wer „Das war der Wilde Westen“ noch nicht kennt oder sich ihn gerne mal wieder ansehen möchte, sollte sich den Film im Heimkino oder Stream nicht entgehen lassen. Aktuell gibt es ihn als kostenpflichtiges VoD bei Amazon Prime Video in der Leih- und Kaufversion:
Darum geht’s in "Das war der Wilde Westen"
Die Aussicht auf ein besseres Leben und ein eigenes Stück Land lockt viele Menschen in den 1830er- und -40er-Jahren in Richtung Westen. So auch die Familie Prescott, die sich auf dem Fluss und Landweg in das unbesiedelte Land aufmacht. Bald finden die Farmerstöchter auch ihr privates Glück. Während Eve (Carroll Baker) einen Trapper heiratet, verliebt sich Schwester Lilith (Debbie Reynolds) in den Glücksritter Cleve Van Valen (Gregory Peck).
Jahre danach: Eves Sohn Zeb (George Peppard) gerät 1862 in die Wirren des Bürgerkriegs. Nach dem Krieg versucht er als hochrangiger Armeeangehöriger beim Bau der Eisenbahn eine Auseinandersetzung mit den indigenen Ureinwohnern zu verhindern. In den 1880er-Jahren zieht er nach Arizona und bekämpft als Marshal gesetzlose Desperados.
In fünf Episoden rekapituliert der Film die Besiedelung der riesigen, noch weithin unbekannten Regionen westlich des Mississippi. Das an Originalschauplätzen im US-Westen gedrehte Epos fasst gewissermaßen die wesentlichen Themen und Kerninhalte vieler vorheriger Genre-Beiträge zusammen: Er zeigt Trapper und Pelzhändler bei ihren Abenteuern, folgt einem Planwagentreck durch die wilde Natur und behandelt den transkontinentalen Eisenbahnbau. Im zweiten Drittel thematisiert er schließlich noch eine der bekanntesten Schlachten des Sezessionskriegs (die „Schlacht von Shiloh“).
Dafür griff Produzent Bernard Smith („Elmer Gantry“) auf die Expertise von gleich drei Regisseuren zurück. Henry Hathaway („Niagara“), George Marshall („Der große Bluff“) und Western-Experte John Ford („Der schwarze Falke“) teilten sich die Regie der jeweiligen Episoden. Strenggenommen gab es sogar noch einen vierten beteiligten Filmemacher. Denn der unerwähnt gebliebene Richard Thorpe (bekannt vor allem für seinen Ritterfilm „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“) inszenierte die Übergangssequenzen zwischen den Akten.
Mitreißende Actionszenen
Ein Erzähler (im Original: Hollywood-Legende Spencer Tracey) führt in die Kapitel ein und vermittelt wichtige, einordnende Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Ereignissen. Ein didaktischer, an lexikale Wissensvermittlung erinnernder Unterrichts- oder Lehrfilm ist "Das war der Wilde Westen" aber keineswegs. Denn für Abwechslung und Kurzweil ist gesorgt! Verantwortlich dafür sind die straffe Erzählweise sowie die spektakulären Massen- und Actionszenen, von denen es zahlreiche gibt.
Am beeindruckendsten sind eine rasante Wildwasser-Szene auf einem reißendem Strom gleich zu Beginn, der Überfall der Indigenen auf den Siedlertreck und, als großes „Actionfinale“ konzipiert, der Überfall einer Gruppe von Banditen auf die Eisenbahn. Der fahrende Zug brettert durch die Wildnis, während sich auf den Waggons die Desperados und die „Riding Shotgun“ atemlose Schießereien und heftige Gefechte liefern. Die Szene, die kaum Luft zum Atmen lässt, endet schließlich mit einer grandios inszenierten Entgleisung des Führerzugs und der Waggons. In diesen Momenten zeigt sich der Wilde Westen von seiner gefährlichen und packendsten Seite!
Einen wunderbaren Gegenentwurf bieten die entschleunigten Szenen rund um die Trapper und den Siedlertreck, der sich durch unberührte – und wahrlich atemberaubende – Natur bewegt. Und so kommen auch Liebhaber*innen und Kenner*innen der weltberühmten Landschaften und monumentalen Outdoor-Kulissen, die man seit den 30er-Jahren in zahlreichen US-Western gesehen hat, voll auf ihre Kosten.
Weltstars in beeindruckender Natur
Der Film präsentiert eine Art „Best-of“ dieser ikonischen Western-Drehorte, z.B. die Felsformationen des Monument Valley in Arizona, den markanten Chimney Rock (Nebraska) und die kalifornischen Alabama Hills.
Universal Pictures / Warner Bros.
Apropos Alabama Hills: Das Gebirge diente bis heute in mehreren hundert Filmen (nicht nur Western) als Außen-Drehort und auch Regie-Visionär Quentin Tarantino filmte dort einige Szenen für „Django Unchained“. Daneben zeigt der Film noch an anderer Stelle eine Auswahl vom Allerfeinsten und -besten: bei den Darstellern.
In „Das war der wilde Westen“ versammeln sich einige der beliebtesten Schauspieler ihrer Zeit zu einem wahren Schaulaufen der (Alt-)Stars. Von Richard Widmark und James Stewart über John Wayne und Karl Malden bis hin zu Lee Van Cleef (in einer Mini-Rolle als Trapper). Bis in die Nebenrollen hinein ist der Film exquisit besetzt und es lohnt tatsächlich, mal genauer hinzusehen. Denn viele der Stars sind auf den ersten Blick durch Maske und Ausstattung gar nicht zu erkennen – darunter Leinwand-Ikone Henry Fonda („Die zwölf Geschworenen“) als Büffeljäger mit dichtem Rauschebart.
Das Staraufgebot und die Mühen der drei (bzw. vier) Regisseure sowie der gesamten, riesigen Filmcrew waren am Ende nicht umsonst: „Das war der Wilde Westen“ gewann drei Oscars und sicherte sich in der Rangliste der erfolgreichsten Filme des Jahres 1962 in den USA Platz zwei hinter „Cleopatra“.
Trotz seines damaligen Erfolgs hat so manch ein Filmfan „Das war der Wilde Westen“ vermutlich gar nicht mehr auf der Rechnung – weshalb wir euch eine Wiederentdeckung dieses epischen Fünfakters nur empfehlen können! Dasselbe gilt für einen ebenfalls in Vergessenheit geratenen Western aus den 90ern, der dem berühmten Marshal und Revolverheld Wyatt Earp in die Goldgräberstadt Tombstone folgt:
Heute Abend streamen: Ein viel zu unbekannter Western aus den 90er-Jahren – vom "Rambo 2"-Regisseur*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.