Er gewann zwei Academy Awards und wurde allein für seine Schauspielleistungen sieben weitere Male nominiert. Und auch außerhalb seiner Oscar-Rollen glänzt er mit enormer Zuverlässigkeit: Denzel Washington gehört zu den größten Schauspieltalenten unserer Zeit, vereint er doch gewinnendes Charisma und filigran zum Ausdruck gebrachte Gefühlswelten mit Ehrfurcht erbietender Intensität.
Diese Stärken spielt Washington mit bemerkenswerter Zielsicherheit in einem Film aus, der von der Academy Of Motion Picture Arts And Sciences übersehen wurde. Auf dem US-Markt stellte er zwar einen beachtlichen Publikumserfolg dar, doch als Anfang der 2000er gestartetes Drama über Football und Rassismus ging es hierzulande unter.
Jetzt, da der Sport auch in Deutschland wachsende Popularität genießt, ist es an der Zeit, ihn wiederzuentdecken: Auf Disney+ ist „Gegen jede Regel“ abrufbar – und somit ein ebenso unterhaltsamer wie dramatisch-fesselnder Film mit einer von Denzel Washingtons besten Leistungen!
Das ist nicht nur meine Ansicht: Auch die FILMSTARTS-Community hat „Gegen jede Regel“ ins Herz geschlossen. Denn das auf wahren Begebenheiten basierende Drama von Hit-Produzent Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“) und Regisseur Boaz Yakin („Safe – Todsicher“) befindet sich in eurer Top 5 der besten Denzel-Washington-Filme!
Darum geht es in "Gegen jede Regel"
1971 im US-Bundesstaat Virginia: In der Stadt Alexandria soll die Trennung zwischen Schwarzen und Weißen aufgehoben werden. Zu diesem Zweck werden zwei High Schools zusammengelegt, doch parallel brodelt die Stadt im Zuge der Ermordung eines schwarzen Jugendlichen durch einen weißen Ladenbesitzer. Es kommt zu Ausschreitungen, Protesten und Gegenprotesten.
Inmitten dessen müssen der keinerlei Geduld für Respektlosigkeit aufbringende Herman Boone (Denzel Washington) und der betont zurückhaltende Bill Yoast (Will Patton) vorbildlich vorangehen: Sie trainieren die Titans, die Schul-Footballmannschaft. Es kommt zu Querelen bezüglich Kompetenzen, Zuständigkeiten und Trainingsmethoden. Aber nach und nach wird aus den Titans eine Einheit, die den Leuten von Alexandria vorlebt, was Zusammenhalt und Toleranz ermöglichen. Doch nicht alle lassen sich für diese Werte gewinnen...
Auch in kleinen Rollen top besetzt
Als Film über eine Footballmannschaft bietet „Gegen jede Regel“ einer Vielzahl an Darstellern die Chance, in kleinen Rollen zu überzeugen. So gehören „La La Land“-Hauptdarsteller Ryan Gosling und „Scrubs“-Mime Donald Faison als zwischenzeitlich um denselben Platz in der Aufstellung konkurrierende Spieler dazu. Craig Kirkwood als religiöser „Rev“ und Earl C. Poitier als musikalischer „Blue“ bereichern die Titans um Seele respektive Soul, und Wood Harris sowie Ryan Hurst als Julius Campbell bzw. Gerry Bertier tragen mühelos einen bedeutungsvollen Subplot über Animositäten, die schleichend Sympathien Platz machen.
Das Gelingen dieser Erzählung ist selbstredend nicht bloß der Besetzung, sondern ebenso dem ausgeklügelten Skript von Gregory Allen Howard und Yakins mitreißender, uneitel jede sich anbietende Emotion unterstreichender Inszenierung zu verdanken: Mit zügigem Tempo erzählt, das dem von Soul-, R&B- und Pop-Rock-Evergreens sowie Ohrwurm-Kompositionen von Trevor Rabin bestückten Soundtrack ebenso gerecht wird wie den tänzerisch das Feld betretenden Titans, wirkt dieses Drama nie dröge oder didaktisch.
Es fängt die Aufregung eines packenden Footballspiels ein, ohne den Ernst seiner Thematik wegzutackeln. Denn zusätzlich zur unübersehbaren Oberfläche, zu zeigen, wie Schwarze auf offener Straße ununterbrochen auf verschiedenste Weise in allen erdenklichen Lautstärken rassistisch beschimpft werden, gibt es viele pointierte Annäherungen an das Sujet.
Etwa skizziert eine denkwürdige Sequenz, wie leicht sich selbst wohlmeinende Weiße in Ignoranz gegenüber den fundierten Erfahrungen verlieren, die Menschen angesammelt haben, die wiederholt Ziel rassistischer Anfeindungen sind: Die Titans schreiten nach einem gewonnenen Spiel triumphierend durch die Innenstadt und der gutmütige Hippie Ronnie 'Sunshine' Bass (Kip Pardue) bequatscht schwarze Teammitglieder, mit ihm in ein Lokal zu gehen. Sie flehen ihn an, es bleiben zu lassen, weil sie wittern, dort nicht erwünscht zu sein – doch er lässt nicht locker, bloß um gemeinsam mit seinen ihn warnenden Freunden vom Wirt gedemütigt zu werden.
Washington glänzt rundum
„Gegen jede Regel“ touchiert auch die stete Diskussion um Quotenregelungen, indem aufgezeigt wird, weshalb sie als Korrektiv für ein kaputtes System dienen. Und obwohl sich Boone seinen Schützlingen gegenüber als gemeiner Schleifer inszeniert, zeigt ihn der Film letztlich in einem komplexeren Licht:
Mal reagiert er auf Hass, Hetze und beiläufige Herabwürdigungen mit besonnenen Argumenten, andere Male mit geballtem, eloquent dargebotenem Pathos, an anderer Stelle mit (vollauf berechtigtem) brodelndem Zorn. Streckenweise schindet er die Jungs, damit sie zu erschöpft sind, um Zeit, Nerv und Kraft für gegenseitigen Hass haben. Zugleich treibt er sie an, sich als Mitmenschen kennenzulernen und somit ihre Intoleranz zu verlernen. Und wenn der zu Filmbeginn noch nicht geläuterte Gerry ihn mit lächerlichen Forderungen konfrontiert, erwidert Boone dies, indem er den Jungen voller Sarkasmus zur Witzfigur degradiert.
Dadurch kann sich Washington in seiner Rolle frei entfalten und den verbissenen, vorausschauend handelnden Trainer mit Witz, Pathos, Zorn und Menschlichkeit spielen. Diese ausdifferenzierte, jedoch in sich komplett stimmige Figur zeigt gleichzeitig auf, dass der Kampf für Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt nicht mit einer Universallösung geschlagen werden kann – er erfordert ständige Anpassungsfähigkeit und wechselnde Ansätze, um sich Gehör zu verschaffen und das Gegenüber zu erreichen (oder in seine Schranken zu verweisen).
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