Mit „The Strangers“ konzentrierte sich Regisseur Bryan Bertino kompromisslos auf die Essenz des Terror-Kinos: keine Erklärungen, kein Trost, nur (physische wie psychische) Gewalt, vor der es scheinbar kein Entrinnen gibt. Auch wenn die Kritiken seinerzeit durchwachsen ausfielen, entwickelte sich der Film in Genre-Kreisen rasch zu einem anerkannten Angstmacher. Zudem erwies sich der Home-Invasion-Schocker als beachtlicher kommerzieller Erfolg: Bei einem Budget von rund 9 Millionen US-Dollar spielte er weltweit über 82 Millionen ein.
Umso erstaunlicher ist es, dass ganze zehn Jahre vergehen mussten, bis mit „The Strangers: Opfernacht“ eine Fortsetzung erschien. Das Presseecho fiel diesmal sogar noch reservierter aus als beim Vorgänger. Dennoch sollten Liebhaber*innen intensiver Schauerstücke unbedingt einen Blick riskieren, denn Regisseur Johannes Roberts beweist auch hier, warum er zu den spannendsten Stimmen des zeitgenössischen Horror-Kinos zählt.
„The Strangers: Opfernacht“ läuft heute, am 27. Februar, ab 22:05 Uhr bei Tele 5 – und das ungekürzt! Sollte euch die späte Sendezeit nicht entgegenkommen, könnt ihr alternativ auf Streamingdienste wie Amazon Prime Video ausweichen, wo der Film gegen einen kleinen Aufpreis zum Abruf bereitsteht:
Das ist "The Strangers: Opfernacht"
Kurz bevor die rebellische Tochter Kinsey (Bailee Madison) auf ein Internat geschickt werden soll, plant die Familie – Mutter Cindy (Christina Hendricks), Vater Mike (Martin Henderson) und ihr älterer Bruder Luke (Lewis Pullman) – einen letzten gemeinsamen Urlaub. Ziel ist der abgelegene Wohnwagenpark des Onkels, praktischerweise auf dem Weg zum Internat gelegen.
Doch die Reise kippt rasch ins Unvorstellbare: Kaum angekommen, stoßen Kinsey und Luke auf die Leichen von Onkel und Tante. Offenbar waren hier bereits die drei maskierten Psychopathen Dollface (Emma Bellomy), Pin-Up Girl (Lea Enslin) und The Man In The Mask (Damian Maffei) am Werk. Schon bald beginnt das grausame Katz-und-Maus-Spiel – und für Kinsey und ihre Familie entbrennt ein erbarmungsloser Kampf ums nackte Überleben.
Es geht um Leben und Tod
Wer sich näher mit dem Werk von Johannes Roberts beschäftigt hat – etwa mit seinen Hai-Horrorfilmen „47 Meters Down“ oder zuletzt „Primate“ – erkennt schnell, worum es ihm im Kern geht: um das Wesen der Urangst, um existenzielle Todesfurcht. Genau diesen Zustand lähmender Beklemmung zelebriert er auch in „The Strangers: Opfernacht“. Der abgelegene Trailerpark wird zur dabei Bühne des absoluten Grauens.
Handwerklich demonstriert Roberts dabei, wie bedacht, präzise und druckvoll er inszenieren kann. Darüber hinaus wählt er einen bemerkenswerten Zugang zu kanonischen Musik-Klassikern. Wenn die Familie im Wohnwagenpark Besuch von den maskierten Fremden erhält und im Hintergrund „Kids In America“ von Kim Wilde erklingt, ließe sich die motivlose Gewalt zwar ohne Weiteres (und reichlich platt) gesellschaftlich deuten: als Sinnbild für die Kinder Amerikas – und die Brutalität, die mit ihnen heranwächst. Als etwas Selbstverständliches, Unausweichliches.
Tatsächlich jedoch setzt „The Strangers: Opfernacht“ ausschließlich auf Evergreens, die nicht ironisch gebrochen werden, um den Schrecken augenzwinkernd zu relativieren. Vielmehr verschränkt Roberts die alltägliche Vertrautheit dieser Radio-Dauerbrenner mit der dargestellten Gewalt. Das Grauen wirkt dadurch ebenso vertraut wie die Hits, die seit Jahrzehnten im Äther rotieren – und genau darin liegt die verstörende Kraft.
Diese Herangehensweise kulminiert in einer der eindringlichsten Horror-Sequenzen der letzten zehn Jahre: Zu den Klängen von Bonnie Tyler entfaltet sich ein nervenzerreißender Kampf auf Leben und Tod – mitten in einem Swimmingpool. Die Kamera gleitet dabei beobachtend in ruhigen Bewegungen über und unter der Wasseroberfläche. Ein Moment purer Gänsehaut, der Roberts' feines Gespür für Atmosphäre und Rhythmus eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Nachfolgend könnt ihr euch den Trailer zu „The Strangers: Opfernacht“ im englischsprachigen Original anschauen:
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