Das Reich des Tier-Horrors ist überbevölkert von Haien, Hai-Mutationen, Hai-Kreuzungen und Haien in verschiedensten übernatürlichen Formen. Wer von den Knorpelfischen die Schnauze voll hat, muss sich also erst einmal an diesem Überangebot vorbei wühlen – und hat dann allerhand mal ironischen, mal unfreiwillig komischen, mal glibschig-ekligen B-Movie-Stoff zur Auswahl. Was Spaß machen und gelegentlich die Nerven kitzeln kann.
Filmfans, die aber einen mit Raffinesse inszenierten Tier-Horror ohne Haie sehen wollen, die kommen einfach nicht an Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ vorbei! Mit einem famosen 13. Platz in der FILMSTARTS-Rangliste der besten Horrorfilme aller Zeiten ist „Die Vögel“ aber auch so ein Muss.
Ironisch, neckische Dialoge, diebischer Spaß an der grundlegenden Prämisse, der nach und nach einem Gefühl der Beklemmung weicht, und ein tolles, zentrales Star-Doppel machen den behände umgesetzten Klassiker heute noch überaus sehenswert – egal, wie gut manche, und wie schlecht manch andere Effekte gealtert sind. Heute, am 2. März 2026, zeigt arte „Die Vögel“ ab 21.55 Uhr, außerdem ist das Horror-Meisterwerk derzeit in der arte-Mediathek abrufbar.
Darum geht es in "Die Vögel"
Mitchell „Mitch“ Brenner (Rod Taylor) lernt in einem Zoofachgeschäft die gewitzte Millionärstochter Melanie Daniels (Tippi Hedren) kennen, die kürzlich in den Schlagzeilen stand. Als der Junggeselle Melanie foppt, nimmt sie sich vor, ihn zurück zu necken. Allein zu diesem Zweck fährt sie sogar bis zum Küstenort Bodega Bay, wo sich Mitchs Elternhaus befindet.
Melanie muss sich zwar ein Gästezimmer bei der Lehrerin Annie Hayworth (Suzanne Pleshette) mieten, mit der Mitch einst was hatte. Annie ist jedoch überaus zuvorkommend gegenüber Melanie und schenkt ihr sogar als Vorwarnung reinen Wein über das erdrückende Gluckengehabe von Mitchs Mutter Lydia (Jessica Tandy) ein. Die scheint neben sich und Mitchs deutlich jüngerer Schwester Cathy (Veronica Cartwright) keine weitere Frau im Leben ihres Sohnes zu erdulden. Und als wäre das nicht schaurig genug, häufen sich plötzlich sonderbare Begegnungen mit der gefiederten Art....
Flattrige Stimmung für Figuren mit Herz- und Nervenflattern
Basierend auf einer Kurzgeschichte von Daphné Du Maurier schufen Drehbuchautor Evan Hunter und Regisseur Alfred Hitchcock einen Film, der weiß, wie schräg seine Grundidee ist: Der Horror-Klassiker ist durchzogen mit dem markanten Hitchcock-Humor, der sich an liebenswerten, aber hochmütigen Figuren ergötzt, die in der Patsche sitzen, und der sich zudem dreckig kichernd über Missverständnisse und Doppeldeutigkeiten freut.
Dass der sich anbahnenden Vogel-Apokalypse erzählerisch das auf Streichen basierende Balzverhalten zweier attraktiver, kommunikativ ungelenker Menschen vorgeschaltet wird, ist kein Zufall: Wer „Die Vögel“ aufgrund seiner Prämisse ins Lächerliche ziehen will, kommt über 60 Jahre zu spät – und ist einfach zu starr, um einer geschickt eingefädelten, tonalen Reise zu folgen.
Denn egal, wie banal starrende oder heikle Sturzflüge absolvierende Vögel eingangs sein mögen: Man muss arg verhärmt sein, um mit verschränkten Armen zuzuschauen, wenn Melanies und Mitchs peinlich berührtes, naiv-freches Liebesglück durch eine (innerhalb der Filmlogik) unerklärliche Naturanomalie in Gefahr gebracht wird. Dafür sind die Figuren zu charismatisch umgesetzt und Hitchcock findet dafür (wenig überraschend) zu einprägsame, haarklein zurechtgerückte Bilder. Auch wenn er dafür mit seiner Besetzung bedauerlicherweise unmenschlich umging:
"Schauspieler sollten wie Vieh behandelt werden": Keine Gnade von einem der größten Hollywood-Regisseure aller ZeitenWenn euch dieses Flattern zwischen atmosphärischen und amüsanten Szenen nicht genügt, könnt ihr euch auf die thematischen Ebenen von „Die Vögel“ stürzen wie die Seemöwe aufs Fischbrötchen: „Die Vögel“ wurde etwa wiederholt als Versinnbildlichung der atomaren Bedrohung gedeutet. Für den Verfasser dieses TV-Tipps steht das Aufbegehren der Vögel aber viel mehr für die sich tönend freikämpfende Sexualität der zentralen Figuren – ist Mitch doch schnippisch und flirtwillig, wird bei ernsten Annäherungsversuchen allerdings unverhofft überaus scheu und flattrig. Und seine Ex macht Melanie schönere Augen als es 1963 gemeinhin gesellschaftlich geduldet wurde...
Hollywood-Erfolgsproduzent Walt Disney wiederum duldete einen anderen Hitchcock-Film ganz und gar nicht, was enorme Auswirkungen auf die Pläne hatte, die der Suspense-Regisseur für eines seiner Projekte schmiedete. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Beitrag:
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