Seit Jahren warten Fans dieses irre lustigen Kultfilms auf eine Fortsetzung: Heute läuft das Original im TV – ohne Werbung!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Aus einem von der Kritik mit gerümpfter Nase beäugten Achtungserfolg wurde ein Kulthit, der in zahlreichen Bestenlisten beheimatet ist: Die geradewegs anarchische Blödelkomödie „Stiefbrüder“ läuft heute Abend im Free-TV!

Als 2008 „Stiefbrüder“ in die Kinos kam, war die Komödie mit einem weltweiten Einspielergebnis von 128,1 Millionen Dollar aufgrund ihres stattlichen Budgets von 65 Millionen Dollar bloß ein Achtungserfolg. Doch der von „Anchorman“-Regisseur Adam McKay inszenierte Blödelspaß über zwei erwachsene Kindsköpfe zog massives Echo nach sich:

Die irren, leicht zu rezitierenden Dialoge, die tolldreiste Situationskomik und konsequenten Running Gags sorgen dafür, dass der Film mit Will Ferrell und John C. Reilly beim wiederholten Anschauen immer besser wird. Mittlerweile taucht die einst von der Filmpresse nur müde betrachtete Komödie regelmäßig in Genre-Bestenlisten auf und inspirierte ein jährliches Event auf Catalina Island.

Eine Fortsetzung wird von Fans und Castmitgliedern seit Jahren gefordert, allerdings steht es aufgrund eines Bruchs zwischen Ferrell und McKay schlecht um sie. Nun steht sowieso das Original im Mittelpunkt: Heute, am 17. März 2026, zeigt ZDFneo „Stiefbrüder“ ab 22.35 Uhr – natürlich ohne Werbeunterbrechungen. Alternativ findet ihr die Kultkomödie auf diversen Plattformen als VOD, beispielsweise bei Amazon Prime Video:

Darum geht es in "Stiefbrüder"

Brennan Huff (Will Ferrell) ist 39 Jahre alt, wohnt bei seiner alleinstehenden Mutter Nancy (Mary Steenburgen), hält sich mit kleinen Gelegenheitsjobs über Wasser und testet mit seinem kindischen Verhalten die Geduld seines Umfelds. Dale Doback (John C. Reilly) ist 40 Jahre alt, lebt bei seinem Single-Vater Robert (Richard Jenkins), ist arbeitslos und geht mit seiner Faulheit und Infantilität den meisten Menschen gehörig auf den Keks.

Als sich Nancy und Robert ineinander verlieben, wird aus den verantwortungslosen Kindsköpfen ein sich verachtendes Stiefbrüder-Doppel, dessen Charakterschwächen sich zunächst intensivieren. Doch nach und nach lernen sie, einander zu schätzen und darin zu bestärken, endlich aus ihrem Entwicklungsstillstand herauszufinden...

Infantilität, die man liebend gern hasst (oder hasst man, dass man sie liebt?)

Erst wollte er eine kostengünstige, auf stark begrenztem Raum spielende Komödie mit seinem damaligen Arbeitskollegen und Freund Will Ferrell drehen. Dann schwebte Adam McKay beim Gedanken an das Bild zweier Erwachsener, die sich ein Etagenbett teilen, vorübergehend ein Drama über Menschen vor, die in ihrer Charakterbildung und sozialen Entwicklung hängen geblieben sind.

Aus dieser ernsten Geschichte entwickelte sich im Laufe der Vorproduktion letztlich doch wieder eine ausufernde, wilde Komödie, bei deren Dreharbeiten die Besetzung angehalten war, stets zu improvisieren. Auch McKay schmiss beim Dreh zeitweilige Pläne über Bord: Ursprünglich sollte die kalifornische Insel Santa Catalina als zentraler Drehort dienen. Weil es McKay dort allerdings nicht gefallen hat, verlegte er die Dreharbeiten letztlich an die Küste Kaliforniens.

Dass einzelne Inselszenen schon im Kasten waren, juckte den Regisseur nicht weiter: Er ließ die so entstandenen Kontinuitätsfehler bewusst im Film – einfach aus Jux! Ob man diese Randinformation nun ulkig-sympathisch oder faul und ätzend findet, dürfte ein guter Indikator sein, ob man an „Stiefbrüder“ Spaß haben kann oder nicht.

Stiefbrüder
Stiefbrüder
Starttermin 11. September 2008 | 1 Std. 38 Min.
Von Adam McKay
Mit Will Ferrell, John C. Reilly, Richard Jenkins
Pressekritiken
2,5
User-Wertung
3,1
Filmstarts
3,5

Denn die mit einem ebenso schmissigen wie in vergangenen Jugendzeiten stehen gebliebenen Soundtrack (mit dabei: Vampire Weekend, LCD Soundsystem, Q-Tip, Sheryl Crow, The Kinks, Badly Drawn Boy und Vanilla Ice) versehene Impro-Blödelei suhlt sich im infantilen Wahnsinn der Titelfiguren sowie in der Fremdscham ihrer (Stief-)Eltern.

McKay und Ferrell fahren dabei zweigleisig und wollen einerseits eine US-amerikanische Teilgeneration als maßlos egozentrisch, wehleidig und jämmerlich kritisieren, andererseits aber den Protagonisten Sympathiepunkte abringen und uns dazu bringen, mit ihnen über ihre freigeistig-ungezügelten Eskapaden zu lachen. Das ist ein haariger Drahtseilakt, der zum Scheitern verurteilt wäre, würde McKay in „Stiefbrüder“ nicht derart vehement auf Konfrontationskurs gehen und wäre die Entwicklung von Hassliebe zu inniger Brüderliebe, die Ferrell und Reilly ausleben, nicht derart plausibel.

Eine große Fremdschamtoleranz braucht man bei „Stiefbrüder“ dennoch, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man mit einem unberechenbar eskalierenden Strudel aus Running Gags, zügellosem Spiel und (guter wie ätzender) Nonkonformität entlohnt! Und wenn ihr danach einen anderen kreativen, aber längst nicht so kindischen Film mit John C. Reilly schauen wollt: Gebt doch unserem folgenden Streaming-Tipp eine Chance!

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