Warum der Mel-Stuart-Klassiker „Charlie und die Schokoladenfabrik“ aus dem Jahre 1971 hierzulande so ein Schattendasein führt, will sich mir nicht ganz erschließen – immerhin wurde der Fantasy-Klassiker sogar zu großen Teilen in München gedreht. Für das Heimkino war die Scheibe lange vergriffen oder konnte nur als Importware bestellt werden und auch im Free-TV wurde der Film nur selten gezeigt. Zuletzt lief er am 29. August 2006 - und damit vor über 20 Jahren auf arte. Auch im Streaming war es lange Zeit nicht möglich, das Fantasy-Musical zu abzurufen. Vielleicht erfreute sich deshalb hierzulande die Neuinterpretation von Tim Burton, in der Johnny Depp in die Rolle des wunderlichen Süßigkeiten-Fabrikanten Willy Wonka schlüpft, ungleich größerer Beliebtheit.
Beim Streaming-Dienst HBO Max kann das Original von „Charlie und die Schokoladenfabrik“ aber nun endlich gestreamt werden. Ich habe die Chance sofort ergriffen – und kann euch nur empfehlen, es ebenso zu tun. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ist zumindest nach meiner Meinung der deutlich faszinierendere Film, der insbesondere von Gene Wilders unglaublicher Präsenz lebt. Ihr wollt euch selbst ein Bild machen? Dann schaut den Film jetzt einfach über HBO Max:
Darum geht es in "Charlie und die Schokoladenfabrik"
Charlie Bucket (Peter Ostrum) hat es nicht leicht im Leben. Er lebt mit seiner Mutter und seinen vier Großeltern in einer ärmlichen Hütte. Jeden Tag gibt es Kohlwasser – was auf Dauer nicht satt macht. Doch dann wendet sich sein Schicksal: Er entdeckt eines der fünf goldenen Tickets, die der exzentrische Schokoladenfabrikant Willy Wonka (Gene Wilder) versteckt hat. Der Gewinn verspricht nicht nur eine exklusive Führung durch Wonkas streng geheime Fabrik, sondern auch einen lebenslangen Vorrat an Schokolade.
Gemeinsam mit seinem Opa Joe (Jack Albertson) tritt Charlie das Abenteuer an – und besucht mit vier weiteren Kindern die Schokoladenfabrik. Doch Wonka stellt die jungen Besucher*innen auf eine harte Probe. Mit verlockenden Versuchungen und süßen Fallen bringt er die Kinder dazu, ihre Schwächen preiszugeben, und nicht alle widerstehen den Verführungen. Doch wie sieht es mit Charlie aus?
Gene Wilder ist unfassbar gut
„Charlie und die Schokoladenfabrik“ hält wohl die stärkste Leistung des Komikers und Schauspielers Gene Wilder („Frankenstein Junior“) bereit, der allzu oft nur auf seine komischen Rollen reduziert wird. Im Gegensatz zu Johnny Depp, der in Tim Burtons Remake mit seiner gigantischen Sonnenbrille wie ein insektenartiges Wesen aus einer fremden Galaxie anmutet, ist sein Wonka zutiefst menschlich – und teilweise fast schon verstörend emotional.
Er schwankt zwischen weltschwerer Melancholie und himmelsjauchzender Euphorie. Wirkt gütig und freundlich, nur um dann im nächsten Moment zu einer donnernden Zornesgestalt zu werden oder die Kinder in ein Albtraumreich zu entführen und ihnen mit kryptischen Versen die Angst in die Knochen zu treiben. Die Beweggründe dieser Figur bleiben stets ein Mysterium, ebenso wie seine Vergangenheit oder seine konkrete Beziehung zu den mystischen Oompa Loompas, deren schräge Songs zu den absoluten Highlights des Films gehören.
Die Rätsel und Fragzeichen, die Willy Wonka hinterlässt, laden das Publikum dabei zum Fantasieren ein. Inzwischen gibt es mit Paul Kings „Wonka“ zwar auch einen netten Film, der die Vorgeschichte des Schokoladenfabrikanten erzählt – ganz gerecht wird der von Timothée Chalamet verkörperte junge Wonka seinem eigenwilligen älteren Gegenstück dabei aber nicht.
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