Der Western galt Anfang der 1990er-Jahre als mausetot. Wohl kaum jemand hätte also damit gerechnet, dass ein mehr als dreistündiges Wildwest-Epos das Zeug hätte, zu einem der Kino-Hits des Jahres zu werden. Und trotzdem ist genau das passiert: „Der mit dem Wolf tanzt“ – bei dem Kevin Costner sowohl Regie als auch Hauptrolle übernahm – wurde mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 424 Millionen US-Dollar zum vierterfolgreichsten Film 1990 und dominierte mit insgesamt sieben Auszeichnungen (darunter Bester Film) auch die Oscars.
Dass der Film überhaupt entstehen konnte, liegt dabei nicht nur an Costner, sondern auch an Michael Blake, der das Drehbuch verfasste. Auch der 2015 verstorbene Autor wurde für seine Arbeit mit einem Academy Award geehrt.
Blake und Costner lernten sich bereits 1981 kennen. Ende der 1970er-Jahre war Blake nach Los Angeles gezogen und versuchte zunächst vergeblich, seine Drehbücher zum Verkauf anzubieten. Erst 1983 wurde erstmals einer seiner Stoffe verfilmt: „Gewagtes Spiel“. Der Gangsterfilm erschien zwar lediglich im Heimkino, hatte aber einen zukünftigen Superstar auf der Besetzungsliste – Kevin Costner, der nur wenige Jahre von seinem großen Durchbruch entfernt war.
Blake hingegen gelang es weiterhin nicht, in Hollywood Fuß zu fassen. Costner versuchte der Karriere seines Freundes auf die Sprünge zu helfen, indem er ihm mehrere Treffen mit einflussreichen Persönlichkeiten der Filmindustrie vermittelte – doch keines davon führte zum erhofften Erfolg. Zudem erreichten Costner immer wieder Rückmeldungen über Blake, die keine besonders schmeichelhaftes Bild des Schriftstellers zeichneten – viele hielten ihn für kompliziert und schwierig. „Ich habe ihn zu vielen Jobs geschickt, und alles, was ich hörte, war, dass er allen auf die Nerven ging“, erinnerte sich Costner bei einem Auftritt in der Graham Norton Show.
Erst eskalierte der Konflikt zwischen Kevin Costner und Michael Blake ...
Das führte wenig überraschend zu Spannungen zwischen den beiden Künstlern. Einmal gerieten sie sogar körperlich aneinander: „Er hat bei einem Freund von mir eine Grenze überschritten. Ich weiß nicht mehr genau, was passiert ist, aber ich habe ihn daraufhin gegen eine Wand gedrückt. Dann habe ich zu ihm gesagt: ‚Kannst du aufhören, ständig alle herabzusetzen? Und hör auf, Drehbücher mit 120 Seiten zu schreiben! Wenn du wirklich schreiben willst, dann schreib etwas mit 88 Seiten – oder mit 888 Seiten!‘“
Der „Bodyguard“-Star fügte hinzu: „Mir wurde erst später klar, dass ich ihm das gesagt habe, während ich ihn fest an die Wand gedrückt hielt. In diesem Moment dachte ich wirklich, unsere Freundschaft sei vorbei.“
Glücklicherweise kam es zu einer Aussprache, und Costner stimmte sogar zu, den kurz vor der Mittellosigkeit stehenden Drehbuchschreiber bei sich wohnen zu lassen. Dieser wollte sich nun ganz und gar seiner Arbeit zuwenden – und verließ in den darauffolgenden zwei Monaten kaum sein Zimmer. Er schrieb ununterbrochen und las gelegentlich Teile seines Textes sogar Costners Tochter vor. Doch Costners damalige Ehefrau Cindy Silva bat ihren Mann schließlich darum, dass Blake das Haus verlässt – was dieser kurz darauf auch tat.
... und dann schufen sie gemeinsam gegen alle Widerstände ein Meisterwerk!
Blake war sich sicher, dass seine Zeit in Hollywood vorbei war, und so zog er nach Arizona, wo er einen Job als Spülkraft in einem chinesischen Restaurant annahm. Costner schickte ihm ab und an etwas Geld, doch zwischenzeitlich war der US-Amerikaner sogar obdachlos. Das von ihm begonnene Drehbuch hatte Blake übrigens auf dem Schreibtisch des Hollywood-Stars zurückgelassen – und er bat diesen immer wieder, es doch bitte zu lesen. Costner gab schließlich nach und widmete sich dem Manuskript. Es war das Skript zu „Der mit dem Wolf tanzt“.
„Ich war noch nie so stolz auf jemanden“, gab Costner bei Graham Norton sichtlich bewegt zu Protokoll. Der eigentliche Kampf stand ihm und Blake allerdings noch bevor. Costner war sich schnell sicher, dass die Geschichte um den Unionsoffizier John Dunbar und seine Begegnung mit den Lakota-Sioux sein Regiedebüt werden sollte. Doch kein Studio wollte ihm die Mittel für einen aufwändigen Western zur Verfügung stellen.
Costner und Produzent Jim Wilson machten Blake also den Vorschlag, das Drehbuch zunächst in einen Roman umzuwandeln. Falls das Buch zum Erfolg werden sollte, hätte man bessere Argumente, den Film umsetzen zu lassen. „Der mit dem Wolf tanzt“ wurde zunächst überwiegend in Flughafenbuchhandlungen verkauft, entwickelte sich aber bald zu einem Bestseller. Dadurch war es Costner möglich, die Rechte am Werk seines alten Freundes zu erwerben – und es (zum Teil mit seinem eigenen Geld) ins Kino zu bringen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte!
Mit seinem nächsten Regieprojekt fiel Costner übrigens kräftig auf die Nase. Die ganze Geschichte lest ihr im nachfolgenden Artikel:
Tom Hanks wollte epischen Endzeit-Western drehen – dann übernahm Kevin Costner und fuhr ihn frontal gegen die Wand!Ein ähnlicher Artikel ist zuvor auf unserer französischen Schwesternseite AlloCiné erschienen.