"Wir hatten Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern": Der neue Jason-Statham-Actionkracher wurde unter Extrembedingungen gedreht
Susanne Gietl
Susanne Gietl
-Freie Autorin
Susanne Gietl ist freie Kulturjournalistin und lebt in Berlin. Sie liebt es, mit Kunstschaffenden in Interviews und Publikumsgesprächen über ihre Arbeit zu sprechen. Sie fühlt sich bei Arthouse-Filmen zu Hause, traut sich dafür aber selten in Horrorfilme.

„Greenland“-Regisseur Ric Roman Waugh ist ein echter Action-Experte. In „Shelter“ arbeitet er nun erstmals mit Jason Statham zusammen. FILMSTARTS-Autorin Susanne Gietl hat mit dem Filemacher zum Interview getroffen.

Tobis

Mit 58 Jahren ist Jason Statham vom Alter her eigentlich ein altes Eisen, aber seit Jahren heißt es: Wo Jason Statham draufsteht, ist auch Jason Statham drin - und damit knallharte Action, körperbetonte Kampfszenen sowie eine Kombination aus coolem Auftreten und trockenem Humor. Zum ersten Mal arbeitet nun „Angel Has Fallen“- und „Greenland“-Regisseur Ric Roman Waugh bei „Shelter“ mit Jason Statham zusammen. Action trifft hier auf Emotion.

Im Mittelpunkt von „Shelter“ steht der ehemalige Elitesoldat und Inselbewohner Michael Mason (Jason Statham), der ein Mädchen (Bodhi Rae Breathnach) während eines tödlichen Sturms rettet und dann in seine Obhut nimmt. Doch Michael Masons Feinde sind ihm dicht auf den Fersen. Regisseur Ric Roman Waugh erklärt FILMSTARTS-Autorin Susanne Gietl, welches Risiko der Cast eingegangen ist und worauf es bei One-Takes ankommt.

Jason Statham ist wieder voll in seinem Element. Tobis
Jason Statham ist wieder voll in seinem Element.

FILMSTARTS: „Shelter“ ist ein klassischer Jason-Statham-Actioner - von Verfolgungsjagden bis hin zu Schießereien alles dabei. Welche Stunts hat Jason Statham gemacht und was war der gefährlichste?

Ric Roman Waugh: Zunächst einmal macht er sie wirklich alle selbst. Der gefährlichste und körperlich anstrengendste war die Rettung von Bodhi (Bodhi Rae Breathnach) mitten im stürmischen Meer von Travelahawk Bay in Irland. Jason hat das 13-jährige Mädchen, das bewusstlos spielt, wirklich auf stürmischer See gerettet und den Elementen und Gezeiten, Strömungen und Wellen getrotzt. Er war an keinem Seil befestigt oder dergleichen. Wenn man seine eigene Sicherheit riskiert, ist das eine Sache. Aber wenn man auch die Verantwortung für eine Minderjährige hat, dann ist das etwas ganz anderes.

FILMSTARTS: Wie habt ihr die Szene im Meer umgesetzt?

Ric Roman Waugh: Ein Teil der Szene wurde draußen im echten Meer gedreht und ein anderer Teil in einem sehr großen Tank. Jetzt könnte man sagen: „Oh, na ja, im Tank waren sie ja sicher. Das ist ja nur ein Swimming Pool!“ Nun, nicht, wenn man plötzlich die stürmische See nachbildet, wo man jederzeit untergehen kann. Man kann zwei Personen mitten auf dem Meer positionieren, aber nicht 50 oder 70 Personen mit Kameras! Das war der einzige Grund, warum wir auch im Tank gedreht haben. Wir hatten Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern im Studio, während vier bis fünf Fuß hohe Wellen (ungefähr 1,50 Meter) die Köpfe der Schauspieler überspült haben.

FILMSTARTS: Was mir besonders gefällt, ist der sehr natürliche Look des Films, der eine ganz eigene Kraft entwickelt und die Handlung unterstützt.

Ric Roman Waugh: Martin Ahlgren ist einfach ein phänomenaler Kameramann. Wir haben mit so viel natürlichem Licht wie möglich gearbeitet und auf aufwendige Filmbeleuchtung verzichtet. Dadurch ist eine sehr intime Darstellung entstanden, zum Beispiel, als im Schatten der Leuchtturm-Wohnräume, nur vom Feuer erhellt, ein kleines, ängstliches Kind in der Ecke sitzt. Man kann bei Jason kaum das Weiße in seinen Augen sehen, was das Angstgefühl des Kindes unterstreicht.

Shelter
Shelter
Starttermin 26. März 2026 | 1 Std. 48 Min.
Von Ric Roman Waugh
Mit Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy
User-Wertung
3,1
Filmstarts
3,0
Vorführungen (355)

FILMSTARTS: Was war dir beim Casting von Bodhi Rae Breathnach und Jason Statham wichtig?

Ric Roman Waugh: Als Regisseur muss man vor allem verstehen, dass man Chemie nicht vortäuschen kann. Bei Jason spürt man sofort seine unbändige, leidenschaftliche Kraft und das liebe ich. Ich wusste, dass ich eine Naturgewalt wie Jason brauchte. Deshalb haben wir über 500 Mädchen gecastet. Als ich Bodhi und Jason zusammen gesehen habe, war ihre Verbindung einfach unbestreitbar und authentisch. Wenn die Chemie stimmt, dann lässt man ihnen einfach vor der Kamera freien Lauf.

FILMSTARTS: Michael Mason und Jessie bauen Vertrauen zueinander auf. Dann beginnt die eigentlich bekannte Geschichte von einem Mädchen, das - wie in Luc Bessons „Léon – Der Profi“ - auf einen vollausgebildeten Kampfprofi trifft. Wie hast du dich der Geschichte genähert?

Ric Roman Waugh: Der Film hat eine sehr moderne Western-Atmosphäre. Mich hat „Shelter“ an George Stevens Klassiker „Mein großer Freund Shane“ (1953) erinnert, wo ein Antiheld in einer fremden Stadt eine Familie findet und eine besondere Verbindung zu einem kleinen Jungen aufbaut. Auch „Shelter“ zeigt diese großartige Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die sich unter außergewöhnlichen Umständen finden. Genau diese Umstände hindern sie daran, zusammen als Familie glücklich zu sein. Wenn man dann noch Action in diese ergreifende Story einbaut, wird es spektakulär.

FILMSTARTS: Das war sicherlich kein einfacher Dreh. Auch Bodhi Rae Breathnach hantiert mit Waffen. Was hat das für die Arbeit am Set bedeutet?

Ric Roman Waugh: In solchen Momenten verwenden wir Nachbildungen, die zu 100 Prozent echt aussehen. Die Sicherheitsvorkehrungen, die wir treffen, wenn wir am Set echte Waffen verwenden, sind auf einem ganz anderen Niveau. Wenn ein junges Mädchen dem Star ein Messer an die Kehle hält, muss man sicherstellen, dass wirklich alle auf ihren Positionen sind. Dann wird alles so geprobt, dass alles so gut choreografiert ist, dass sich die beiden Schauspieler nur auf ihre Darstellung und nichts anderes konzentrieren müssen, wenn man die echte Waffe einsetzt. Jason kann sich gleichzeitig in seine Emotionen fallen lassen und trotzdem performen. Das könnte ich nicht. Deshalb ist er so sensationell!

In Tobis
In "Shelter" kracht es wieder gewaltig.

FILMSTARTS: Welche der Szenen wurde in einem Take gedreht?

Ric Roman Waugh: Das gibt es recht viele, weil ich generell nicht viele Takes brauche. Das Ende wurde fast komplett in einem Take aus drei Blickwinkeln gedreht. Ich habe sie einfach spielen lassen. Deshalb probe ich auch so etwas nicht mit den Schauspielern. Das ist für mich eine Sache des Vertrauens. Wenn wir alle verstehen, was wir mit der Szene bezwecken wollen, dann fange ich einfach den Moment ein.

FILMSTARTS: Was war der teuerste Posten bei der Produktion und von welcher Summe sprechen wir?

Ric Roman Waugh: Ich darf keine Zahlen nennen, aber das war mit Sicherheit der Bau des kompletten Leuchtturms. Wir haben das gesamte Set bei widrigen Wetterbedingungen mitten in der freien Natur aufgebaut, weil wir nicht in einem Studio drehen wollten und auch keine Bluescreen-Technik verwenden wollten. Alles sollte echt sein. Leute haben mich sogar gefragt, wie viel die Miete für den Leuchtturm gekostet hat, weil sie nicht wussten, dass wir den alten Leuchtturm wie das Bootshaus selbst gebaut hatten. Den Rest haben wir an realen Orten in London gedreht: im Fabric - einem echten Nachtclub, direkt an der Themse, gegenüber der O2 Arena und in Canary Wharf.

FILMSTARTS: Du hast schon mit vielen Leuten zusammengearbeitet, von denen einige auch an Marvel-Produktionen beteiligt waren. Wie hat das die Arbeit am Film beeinflusst?

Ric Roman Waugh: Ich bin schon mein ganzes Leben dabei und habe an sehr großen Filmen im Stuntbereich mitgewirkt (Ric Roman Waugh war im frühen Leben Stuntman) und auch an sehr kleinen. Auch viele meiner Crewmitglieder haben schon alles Mögliche gemacht, von „Titanic“ bis hin zu den größten Filmen. Wahre Profis zeichnet aus, dass sie sich alle fragen, wie man die Geschichte am besten erzählen kann. Im Guten wie im Schlechten geht es um meine Vision. Deshalb möchte ich dem jeweiligen Material so originalgetreu wie möglich begegnen. Man behandelt jeden Film individuell. Zum Beispiel ist „Greenland: Migration“ ästhetisch ein völlig anderer Film als „Shelter“.

FILMSTARTS: Viele Leute wünschen sich, dass „Shelter“-Star Jason Statham und „Greenland“-Star Gerard Butler mit dir einen gemeinsamen Film drehen. Ist da in naher Zukunft etwas geplant?

Ric Roman Waugh: Ich glaube nicht, aber man weiß ja nie. Alles ist möglich. Letztlich machen beide ihr eigenes Ding und gerade das liebe ich. Ich achte immer darauf, was sich für die Person, mit der ich arbeite, natürlich anfühlt. Bei Jason ist das wieder ganz anders als bei Gerry (Gerard Butler). Gibt man fünf Filmemachern dasselbe Drehbuch, dann bekommt man fünf verschiedene Filme. So ist das hier auch.

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