Man muss nicht viel miteinander gemein haben, nur weil man derselben Generation entstammt. Und doch existieren gerade in der Kindheit und frühen Jugend bestimmte kulturelle Bezugspunkte, die eine gemeinsame Erinnerungswelt erschaffen. Für die sogenannten Kinder der 90er – denen ich ebenfalls angehöre – gilt das sogar noch einmal ganz besonders. Schließlich stand das Internet noch am Anfang, wodurch der Zugang zu Informationen deutlich begrenzter war als heute und etwa lineares Fernsehen eine übergeordnete Bedeutung hatte. Zugleich waren physische Heimmedien wie VHS und etwas später DVD bereits eine Selbstverständlichkeit, sodass man seine Lieblingsfilme jederzeit und immer wieder zu Hause erleben konnte.
Extrem oft habe ich mir so zum Beispiel „Die Schöne und das Biest“ und andere Disney-Zeichentrickfilme angeschaut, auch die Robin-Williams-Hits „Mrs. Doubtfire“ und „Jumanji“ liefen rauf und runter – und „Kevin – Allein zu Haus“ durfte sowieso vor keinem Weihnachten fehlen. Doch natürlich konnte sich nicht jeder Film gleichermaßen tief ins Gedächtnis einbrennen – zuletzt haben wir etwa über „Balto“, „Däumeline“ oder „Bernard & Bianca im Känguruland“ geschrieben, die wahrscheinlich nahezu jedes 90er-Jahre-Kind mindestens einmal gesehen hat, die aber mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind.
Dieses vergessene Fantasy-Abenteuer hat "Avatar" vorweggenommen
Gleiches gilt mit Sicherheit auch für „FernGully – Christa und Zaks Abenteuer im Regenwald“, der 1992 in den Kinos lief – und in gewisser Weise als eine Art frühe Animationsversion von „Avatar“ durchgehen könnte: Hier wie dort ändert der menschliche Protagonist seine Gestalt, um Teil eines magischen Ökosystems zu werden, das durch rücksichtslose menschliche Zerstörung bedroht ist. In beiden Filmen fungiert der Wald als zentraler Schauplatz, beide stellen die spirituelle Verbundenheit von Lebewesen und Natur in den Vordergrund, und sowohl in dem kaum 80 Minuten langen Zeichentrick-Abenteuer als auch in James Camerons rekordesprengendem Sci-Fi-Epos geht der Protagonist eine Liebesbeziehung mit einer indigenen Bewohnerin ein.
Darum geht's konkret: Holzarbeiter Zak (Stimme im Original: Jonathan Ward) wird im australischen Regenwald von Feenprinzessin Christa (Samantha Mathis) auf die Größe eines Insekts geschrumpft. Zunächst widerwillig taucht er in die ihm fremde Welt ein, bis er die Zerstörung, die seine menschlichen Kollegen anrichten, am eigenen Leib erlebt und er daraufhin die Seiten wechselt. Gemeinsam versuchen Zak und Christan nun, den Zauberwald vor den riesigen Abholzungsmaschinen und dem dabei freigesetzten Geist Hexxus (Tim Curry) zu retten – unterstützt werden sie dabei u.a. von der schrulligen Fledermaus Batty Koda (Robin Williams).
„FernGully“ spielt allein schon in Sachen Animationsqualität nicht annähernd in einer Liga mit den Erfolgen aus dem Hause Disney oder auch den von Don Bluth verantworteten Hits „Feivel, der Mauswanderer“ oder „Anastasia“ – vielmehr erinnert das Fantasy-Abenteuer aus heutiger Sicht an Sonntagmorgen-Cartoons.
Das macht ihn nicht uncharmant, sorgte aber schon damals dafür, dass der Film einem weltweiten Box-Office-Einspiel von 32,7 Millionen US-Dollar weit hinter dem im selben Jahr erschienenen Animations-Erfolg „Aladdin“ (504 Millionen) zurückblieb. Erst mit seiner Veröffentlichung auf Videokassette wurde der Film dann doch noch zum Hit (konsequenterweise wurde die 1998 gedrehte Fortsetzung dann direkt fürs Heimkino ausgewertet) – obwohl ihn die meisten Vertreter meiner Alterskohorte als Kind irgendwann einmal gesehen haben dürften, können sich heute aber noch wenige daran erinnern.
Auch auf unsere Liste der besten Animationsfilme nach den Bewertungen der FILMSTARTS-Community hat es „FernGully“ wenig überraschend nicht geschafft. Welcher oscarprämierte Leinwand-Erfolg an der Spitze steht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
4,62 von 5 Sternen! Das ist der beste Animationsfilm aller Zeiten – laut den deutschen ZuschauernDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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