Seit Jim Jarmusch 1984 mit „Stranger Than Paradise“ die Goldene Palme in Cannes gewann und das Independent-Kino quasi über Nacht auf den Kopf stellte, ist er aus dem Arthouse nicht mehr wegzudenken. Bekannt ist er für seinen Bruch mit Erzählkonventionen, für lange, kontemplative Einstellungen (oftmals in Schwarz-Weiß) und dafür, immer wieder aufs Neue unter Beweis zu stellen, dass man auch mit wenig viel erreichen kann. Längst zählt er zu den namhaftesten Vertretern des US-Indie-Kinos.
Zu seinem Stammensemble zählen einige der ganz großen Namen – darunter Tilda Swinton, Bill Murray oder Cate Blanchett. Oftmals schreibt er seine Filme nach eigenen Aussagen „um die Schauspieler*innen herum“. Bei „Paterson“ existierte die Grundidee allerdings schon vorab, und Adam Driver macht den Film erst zu dem, was er ist: Die Rolle des stillen, beobachtenden, Gedichte schreibenden Busfahrers Paterson ist ihm wie auf den Leib geschrieben.
Die Fachpresse feierte den Film bereits bei seiner Premiere in Cannes – und auch in der offiziellen, hervorragende 4,5 Sterne vergebenden FILMSTARTS-Kritik heißt es, „Paterson“ sei „von überbordender Schönheit“ und entwickle „einen unwiderstehlichen Sog.“ Davon könnt ihr euch selbst überzeugen – und das sogar kostenfrei, sofern ihr einen Bibliotheksausweis besitzt! Denn damit könnt ihr „Paterson“ bei filmfriend streamen. Alternativ findet ihr den Film auch als Leih- oder Kaufoption u.a. bei Amazon Prime Video:
Alltagspoesie in Reinstform
Viel ist es nicht, was da in „Paterson“ passiert: Wir sehen Paterson (Adam Driver) über acht Tage hinweg beim Leben zu. Dieses besteht darin, morgens seine Frau Laura (Golshifteh Farahani) im Bett zu küssen, als Busfahrer seine Route durch New Jersey zu drehen, Lauras neueste ungewöhnliche Dinner-Kreationen zu probieren und jeden Abend in seiner Stammkneipe ausklingen zu lassen.
Während Paterson scheinbar nichts erlebt, passiert alles im Kleinen: Gespräche im Bus, zufällige Beobachtungen, wiederkehrende Rituale. Aus diesen Momenten entstehen seine Gedichte, die er heimlich in ein Notizbuch schreibt – inspiriert von Streichholzschachteln, Gesprächen oder einfachen Alltagsdetails.
Und genau diese kleinen Momente, dieses zauberhafte Nichts, sind es, die „Paterson“ so schön machen – zwar ähnelt jeder Tag dem vorherigen, doch gibt es tägliche Verschiebungen und leise Variationen. Allein schon Lauras täglich neue Einfälle – und der wiederkehrende Einsatz ihrer Liebe für Muster – sind ein kleines Gedicht. Hinzu kommen natürlich die tatsächlichen Gedichte, die via Voice-over vorgetragen und gleichzeitig visuell in den Film eingeschrieben werden.
„Paterson“ gelingt, was nur wenige Filme schaffen: mit leisen Mitteln und ohne großes Aufsehen eine tiefe Schönheit zu vermitteln. Er zwingt uns, langsamer zu werden, bewusster hinzusehen – und das Leben in seiner ganzen Fülle aufzusaugen.
Wenn ihr noch mehr von Jim Jarmusch sehen wollt, können wir euch außerdem diesen ungewöhnlichen Western mit Johnny Depp ans Herz legen:
Heute Abend streamen: Dieser grandiose Western mit Johnny Depp ist viel zu unbekannt*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.