Wenige Filmemacher arbeiten so penibel wie Quentin Tarantino: Fein ausgeschliffene Dialoge, perfekt getaktete Musikeinlagen und ein durchdachtes Spiel mit Erzählebenen zeichnen seine Filme aus. Doch ausgerechnet sein Meisterwerk „Pulp Fiction“ beinhaltet einen derart faszinierenden Anschlussfehler, dass noch heute spannende Fan-Diskussionen darüber geführt werden.
Besagter Fehler findet sich in einer der beliebtesten Szenen des Films, dem ikonischen Schussgefecht, das Vince (John Travolta) und Jules (Samuel L. Jackson) wie durch ein Wunder überleben. Sieht man nämlich genau hin, tut sich im Hintergrund ein zeitliches Paradoxon auf.
Einschusslöcher aus der Zukunft
Nachdem das Gangster-Duo Vince und Jules in einer Wohnung aufgekreuzt ist und zwei Männer umgelegt hat, kommt plötzlich ein ungeahnter Dritter mit einer Pistole aus dem Badezimmer gestürmt. Er feuert blindlings Schüsse auf die beiden ab, bis sich das Magazin geleert hat. In seiner Verzweiflung hat er allerdings nur die Wand getroffen – und kriegt es nun mit einem doppelt auf ihn einpreschenden Kugelhagel heimgezahlt.
Unsere Aufmerksamkeit müssen wir jedoch auf wenige Augenblicke zuvor lenken: Bei 113 Minuten und 6 Sekunden, noch bevor die Schießerei überhaupt stattgefunden hat, sind die Einschusslöcher in der Wand bereits deutlich zu erkennen. Hier auch in einem Szenenfoto festgehalten:
Miramax Films
Nun könnte man ganz einfach damit abschließen, dass auch ein Perfektionist wie Tarantino bisweilen Dinge übersieht. Einige Zuschauer spekulieren allerdings seit jeher, ob der Regisseur diesen Fehler nicht sogar ganz bewusst in seinen Film hat einbauen lassen. Doch was spricht überhaupt für diese Vermutung?
Göttliche Intervention
Im Anschluss an den Schusswechsel diskutieren Jules und Vince, ob sie womöglich unter dem Schutz höherer Mächte standen. Für Vince klingt es lächerlich, dass Gott persönlich zu ihnen heruntergestiegen sein soll, um die Kugeln für sie abzufangen. Jules hingegen ist der tiefen Überzeugung, ein zweites Leben erhalten zu haben, das er von nun an rechtschaffen führen will.
Schenken wir Jules’ Theorie Glauben, dann handelt es sich bei den Einschusslöchern in der Wand offenbar um keinen Filmfehler. Vielmehr war es vom Schicksal vorgesehen, dass die Kugeln an eben jenen Stellen eintreffen und die beiden verfehlen werden. Was ebenfalls für Jules’ Theorie spricht: Durch die unchronologische Erzählstruktur wissen wir zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Vince sein sündhaftes Gangsterleben in Zukunft weiterführen wird – und ihn das letztlich das Leben kostet.
Ob Tarantino tatsächlich religiöse Symbolik in seinem Film untergebracht hat oder beim Dreh schlichtweg nicht richtig hingesehen hat, werden wir wohl niemals erfahren. Ebenso wenig wie sich Vince und Jules sicher sein können, ob sie Zeuge eines Wunders oder eines glücklichen Zufalls geworden sind.
Was wir aber ganz sicher wissen, ist, wie der Titel von Tarantinos nächstem Werk lautet – und wann es uns bereits erwartet:
Start für 2027 bestätigt: Quentin Tarantinos neues Werk trägt den Titel "The Popinjay Cavalier"*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.