Wer an 80er- und 90er-Jahre-Filme denkt, dem kommt wahrscheinlich direkt Steven Spielberg in den Sinn – und auch an seinem Regie-Kollegen Robert Zemeckis gibt es kein Vorbeikommen. Einige von Zemeckis' erfolgreichsten Filmen hat Spielberg produziert – darunter „Zurück in die Zukunft“ und „Forrest Gump“, der seinerzeit sechs Oscars abräumte, u.a. als Bester Film und für die Beste Regie.
Mit seinem innovativen Einsatz visueller Effekte und Filmtechnologie (nahtlose Bildtricks, Motion-Capture, KI…) setzte er Maßstäbe – Maßstäbe, die er, wenig überraschend, auch selbst nicht immer halten kann. So ist sein mit Marion Cotillard und Brad Pitt (und August Diehl herrlich als Neo-Nazi) hochkarätig besetzter „Allied - Vertraute Fremde“, den ihr heute Abend um 20.15 Uhr auf Puls 4 sehen könnt, geradezu konventionell.
Das Einschalten lohnt sich trotzdem: Das ungewöhnliche Kriegsdrama ist eine Hommage an das klassische Kino, ein Hauch „Casablanca“ weht hier durchs Bild, die Schauplätze sind episch, die Ausstattung makellos. Wenn ihr den Film lieber im Stream sehen möchtet, habt ihr aktuell bei Amazon Prime Video* die Möglichkeit, ihn zu leihen oder zu kaufen – oder zum Wiederanschauen auf Blu-ray und DVD:
"Casablanca", neu verpackt
Tatsächlich beginnt „Allied - Vertraute Fremde“ auch im staubigen Casablanca: Wir schreiben das Jahr 1942, der kanadische Geheimdienstoffizier Max Vatan (Brad Pitt) trifft auf die Résistance-Kämpferin Marianne Beauséjour (Marion Cotillard) und gemeinsam haben sie die Mission, den deutschen Botschafter (August Diehl) zu ermorden. Sie geben sich als Ehepaar aus, woraus schnell Ernst wird – nach vollbrachtem Auftrag gehen sie nach London und bekommen ein Kind.
Was bereits ein Happy End hätte sein können, dreht sich aber eine Runde weiter: Denn bald bekommt Max die Info zugesteckt, seine Frau sei eine Doppelagentin… Und das frisch entstandene Familienglück gerät ins Wanken.
Krieg, Glamour und große Momente
Der Drehbuchautor Steven Knight war 21, als die Tante seiner Freundin in Texas ihm die bewegende Geschichte einer deutschen Spionin erzählte. Es sollten 36 Jahre vergehen, bis die Story endlich auf die große Leinwand fand – das Ergebnis ist ein Film, dessen Plot etwas unentschlossen zwischen Liebe und Suspense mäandert und sich damit selbst untergräbt, gleichzeitig aber Szenen von größtem Schauwert präsentiert: Liebe im Sandsturm, Geburt während eines Fliegerangriffs – das ist großes Kino, aber eben auch eine mitunter überhöht melodramatische Inszenierung, die sich gelegentlich mehr an der Wirkung als an der Substanz orientiert.
Und doch: Durch die Schwächen hindurch glänzt es, das alte Hollywood, der Glamour. Besonders Marion Cotillard („Inception“, „La Vie en Rose“) als Marianne ist einmal mehr grandios – wohingegen Brad Pitt sich ungewohnt gebremst, zurückhaltend und zweifelnd, dabei aber nicht in seiner stärksten Form gibt. Pitt ist eben kein Bogart. Und „Allied - Vertraute Fremde“ kein „Casablanca“. Am Ende aber doch eine handwerklich einwandfrei inszenierte Zeitreise, die es sich vor allem wegen ihrer großen Bilder zu sehen lohnt.
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