Der Präsident der Titanic-Stiftung enthüllt: "Sie setzten sich in Liegestühle und baten darum, ihre Füße mit einer Decke zusammenzubinden, um gemeinsam zu sterben"
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Die wahre Geschichte von Ida und Isidor Straus ist sogar noch tragischer (und vielleicht auch romantischer) als die von Jack und Rose. James Cameron hat sie deshalb sogar in seinen „Titanic“-Blockbuster mit eingebaut.

Sicherlich fühlen sich viele von uns inzwischen wie Expert*innen auf dem Gebiet der vermeintlich unsinkbaren Titanic, seitdem wir das dreieinhalbstündige, mit elf Oscars prämierte Mammut-Werk von James Cameron ein, zwei oder auch dutzende Male gesehen haben. Aber das ist natürlich Unsinn. Wer hingegen wirklich Ahnung von dem Thema hat, ist Jesús Ferreiro, der Präsident der spanischen Stiftung „Fundación Titanic“, die sich der Bewahrung des historischen Erbes der RMS Titanic widmet.

Deshalb wurde Jesús Ferreiro auch in den Podcast von Alberto Chao San Román eingeladen, um dort ausführlich über die Geschichte des berühmtesten Schiffbruchs der Menschheitsgeschichte zu sprechen. Dabei kam eine Geschichte ans Licht, die beim Publikum ganz besondere Aufmerksamkeit erregte – und bei dieser geht es weniger um etwaige technische Hintergründe oder die fehlgeleitete Hybris der Verantwortlichen, sondern um eine intensive Liebe buchstäblich bis in den Tod.

Die "unglaublichste" Titanic-Geschichte ist wahr!

Als Ferreiro vom Moderator nach der „unglaublichsten Geschichte, die sich an Bord der Titanic ereignete“, gefragt wurde, zögerte er jedenfalls keine Sekunde: „Die unglaublichste Geschichte ist die von Isidor und Ida Straus. Isidor Straus war die älteste Person an Bord und zudem Senator der Regierung der Vereinigten Staaten.“ Zu jener Zeit war er der Miteigentümer der riesigen US-Ladenkette Macy’s, die u. a. dafür berühmt ist, jedes Jahr die gigantische Thanksgiving-Parade in Manhattan zu veranstalten.

„Als er in ein Rettungsboot springen wollte, sagte ihm ein Offizier, dass er nicht dürfe, weil die Boote nur für Frauen und Kinder vorgesehen seien. Ida war da bereits in das Boot gestiegen, aber die Leute bedrängten den Offizier: ‚Lassen sie ihn rein, er ist ein älterer Mann, ein Senator.‘ Der Offizier antwortete: ‚Nein, ich habe Befehle: Nur Frauen und Kinder.‘ Dann sprang Ida aus dem Boot zurück aufs Schiff, umarmte ihren Ehemann und sagte: ‚Wir haben 41 Jahre zusammen gelebt und wir müssen zusammen sterben.‘

In "Titanic" kommen sie auch vor

„Gemeinsam stiegen die beiden auf das Oberdeck, setzten sich in zwei Liegestühle – und als ein Besatzungsmitglied vorbeikam, baten sie ihn, ihre Füße mit einer Decke zusammenzubinden, damit sie auch im Wasser nicht getrennt werden würden. Das Besatzungsmitglied versuchte zwar, sie doch noch umzustimmen, aber sie blieben stur. Also band er ihre Füße zusammen und ließ sie dort zurück. Weil genau dieses Besatzungsmitglied zu den Überlebenden gehörte, konnte er später die Geschichte weitererzählen.“

Die Geschichte ist inzwischen so populär und ikonisch geworden, dass James Cameron sie sogar in seinen Film, der bei seinem Kinostart 1997 zum bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten avancierte, bis dieser Rekord vom Regisseur selbst mit „Avatar“ gebrochen wurde, mit eingebaut hat: Im Film ist es ein altes Paar, das sich im Bett ihrer Kabine umarmt, während das Wasser den Raum flutet. Fans erinnern sich sicherlich an die Szene, immerhin zählt sie zu den zärtlichsten und gleichzeitig erschütterndsten des ganzen Films – und nun wisst ihr auch, wo die Inspiration dazu herkam.

Ida und Isidor Straus sind 1912 mit der Titanic untergegangen. Aber auch dank James Cameron berührt ihr Schicksal bis heute Millionen. Public domain
Ida und Isidor Straus sind 1912 mit der Titanic untergegangen. Aber auch dank James Cameron berührt ihr Schicksal bis heute Millionen.

Sogar eine Statue gibt es

Nur ein Jahr nach dem Untergang der Titanic wurde für das Ehepaar Straus eine Bronzestatue errichtet. Diese befindet sich im Straus Park, einer kleinen Gartenanlage in New York. Sie wurde von dem US-Künstler Augustus Lukeman geschaffen und stellt eine Nymphe dar, die auf eine große Wasserfläche blickt.

Jemand anderes, der in „Titanic“ ebenfalls nur ganz kurz vorbeischaut, ist ein kleiner Junge, der im Film lediglich einen einzigen Satz sagt. Trotzdem bekommt er dafür bis heute, fast 30 Jahre später, noch immer regelmäßig Geld zugeschickt. Wie viel? Das verraten wir euch im folgenden Artikel:

So viel Geld bekommt der kleine Junge aus "Titanic" noch immer jedes Jahr ‒ für einen einzigen Satz, den er im Film spricht!

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Eine Version dieses Artikels ist zunächst bei unserer spanischen Schwesternseite Sensacine erschienen.

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