Eine der größten Hollywood-Ikonen bekam trotz 2 Oscars keine Rollen mehr – und schaltete eine provokante Zeitungsanzeige
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Sie war einer der größten Stars des klassischen Hollywood, doch nachdem sie die 40 überschritten hatte, ging es mit ihrer Karriere bergab. Vor diesem Hintergrund fasste sie einen ungewöhnlichen Entschluss – und hatte Erfolg damit.

Bette Davis galt als einer der größten und einflussreichsten weiblichen Stars des klassischen Hollywood. Anfang der 1930er-Jahre zog es die in Massachusetts geborene Schauspielerin nach Hollywood, wo sie nicht zuletzt aufgrund ihrer eindringlichen, im gleichnamigen 80er-Jahre-Hit von Kim Carnes besungenen „Bette Davis Eyes“ schnell auf sich aufmerksam machte. Ihre Rollen wurden dabei beständig größer, bis sie schließlich 1934 in der Literaturverfilmung „Of Human Bondage“ in die erste Reihe vortreten durfte.

Of Human Bondage
Of Human Bondage
1 Std. 23 Min.
Von John Cromwell
Mit Alan Hale, Reginald Owen, Bette Davis
User-Wertung
3,0

Ihre Verkörperung der skrupellosen und emotional unberechenbaren Mildred Rogers war dabei bereits exemplarisch für ihre späteren Rollen: Die von ihr gespielten Frauenfiguren waren oftmals widerspenstiger und ambivalenter, als es weiblichen Charakteren damals in der Regel zugestanden wurde.

In den darauffolgenden Jahren wurde Davis zu einem der größten Namen des US-amerikanischen Films – womöglich nicht obwohl, sondern gerade weil sie es nicht darauf anlegte, dem Publikum um jeden Preis sympathisch zu erscheinen. Die MelodramenDangerous“ (1935) und „Jezebel - Die boshafte Lady“ (1938) brachten ihr jeweils einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin ein, und auch in den 1940er-Jahren riss ihre Erfolgsstrecke nicht ab.

Mit Filmen wie „Das Geheimnis von Malampur“, „Die kleinen Füchse“ und „Reise aus der Vergangenheit“ zählte sie durchgehend zu den prägenden Gesichtern des Studiosystems. Den Höhepunkt (und Abschluss) dieser Phase stellte „Alles über Eva“ dar: Als Theaterdiva Margo Channing spielte Davis eine ihrer ikonischsten Rollen und erhielt dafür im Jahr 1951 ihre achte Oscar-Nominierung (von insgesamt zehn), während der Film selbst mit sechs Auszeichnungen die Academy Awards deutlich dominierte und heute als Meisterwerk gilt.

Als es mit ihrer Karriere bergab ging, schaltete Bette Davis eine viel diskutierte Zeitungsanzeige

Im Anschluss geriet die Karriere der „Opfer einer großen Liebe“-Darstellerin allerdings ins Stocken. Mit gerade mal Anfang 40 wurden die Rollenangebote seltener – und vor allem weniger anspruchsvoll. Während die großen Studios in den beiden Jahrzehnten davor noch aktiv um sie geworben hatten, musste sie nun um die wenigen überhaupt infrage kommenden Rollen kämpfen. Das lässt sich an ihrer Filmografie gut ablesen: So stand sie etwa zwischen 1952 und 1955 für keinen einzigen Film vor der Kamera, und auch die meisten ihrer späteren Projekte blieben sowohl künstlerisch als auch kommerziell hinter den einst so hohen Standards zurück.

Vor diesem Hintergrund fasste Davis Anfang der 1960er-Jahre einen ungewöhnlichen Entschluss: Frustriert über ihre Situation, schaltete sie eine Anzeige im Hollywood Reporter. Darin präsentierte sie sich in bewusst nüchternem, aber beißend ironischem Ton als arbeitssuchende Schauspielerin. Ihr Gesuch im Wortlaut:

„Mutter von drei Kindern (10, 11 und 15). Geschieden. Amerikanerin. Dreißig Jahre Erfahrung als Filmschauspielerin. Noch voll beweglich – und umgänglicher, als man sagt. Sucht feste Anstellung in Hollywood. Bette Davis.“

Nach ihrem Protest erhielt Davis eine ihrer berühmtesten Rollen

Die Anzeige sorgte in Hollywood für beträchtliche Aufmerksamkeit, wenngleich größere Diskussionen über den Umgang der Branche mit alternden Schauspielerinnen ausblieben – und sich im größeren Kontext somit nichts veränderte. Doch immerhin für Davis zahlte sich die Aktion aus. Schon kurz darauf flatterten ihr wieder Angebote ins Haus, und im Jahr 1962 bekam sie an der Seite von Joan Crawford – einer anderen Ikone des alten Hollywood, die mit dem schwindenden Interesse der Studios zu kämpfen hatte – eine Hauptrolle in „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“.

Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Starttermin 22. Juli 1963 | 2 Std. 14 Min.
Von Robert Aldrich
Mit Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono
Pressekritiken
5,0
User-Wertung
3,5

Nicht nur vor der Kamera lieferten sich die beiden Stars dabei ein Psychoduell, auch hinter den Kulissen kam es zu heftigen Spannungen, die maßgeblich zur Legendenbildung um den Film beitrugen. An den Kinokassen wurde er zum Überraschungs-Hit, heute hat er längst Klassiker-Status. Drei Jahre später drehte Davis noch einen weiteren Psychothriller mit Regisseur Robert Aldrich: „Wiegenlied für eine Leiche“ schlug dabei zwar nicht ganz so hohe Wellen wie „Baby Jane“, erreichte aber dennoch ein breites Publikum.

Einen ähnlich großen kommerziellen Erfolg konnte Davis anschließend nicht mehr verbuchen, doch sie blieb bis ins hohe Alter aktiv und arbeitete bis zu ihrem Tod im Jahr 1989 kontinuierlich in Film und Fernsehen. In ihren letzten Jahren war sie in mehreren Disney-Produktionen zu sehen (darunter einem der wenigen Horrorfilme, die unter der Ägide des Mäusehauses entstanden sind), ihren finalen Auftritt hatte sie in der Horrorkomödie „Tanz der Hexen“ von Larry Cohen.

Wisst ihr eigentlich, wer mit 101 (!) Jahren die älteste noch lebende Hollywood-Legende ist? Im folgenden Artikel findet ihr es heraus:

101 Jahre, 1 Oscar, 2 Sterne auf dem Hollywood Walk Of Fame: Sie ist die älteste Kino-Ikone der Welt und begeisterte noch vor 8 Jahren auf der Oscar-Bühne

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