Diese Sci-Fi-Serie mit einem Oscar-Star in der Hauptrolle bekommt perfekte Bewertungen – trotzdem ist sie völlig unbekannt!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Ausgezeichnet, gefeiert – und doch kaum beachtet: Wir stellen euch eine außergewöhnliche Serie vor, die Spionage mit Sci-Fi verbindet und von einem Oscar-Preisträger in einer brillanten Doppelrolle getragen wird.

Es ist ein seltsames Phänomen der Film- und Serienlandschaft: Manche Werke werden gefeiert, ausgezeichnet und verschwinden dennoch erstaunlich schnell aus dem kollektiven Gedächtnis. Genau das trifft auch auf die außergewöhnliche Serie „Counterpart“ zu, die mit einem der faszinierendsten Konzepte der letzten Jahre aufwartet – und mit Oscar-Preisträger J. K. Simmons („Whiplash“) einen Hauptdarsteller besitzt, der hier eine seiner eindrucksvollsten Leistungen abliefert.

Counterpart
Counterpart
Starttermin 2018-01-21
Serie: Counterpart
Mit J.K. Simmons, Olivia Williams, Harry Lloyd
User-Wertung
3,3

Das ist "Counterpart"

In „Counterpart“ verkörpert Simmons gleich zwei Versionen desselben Mannes: Howard Silk, ein unscheinbarer Büroangestellter in einer geheimnisvollen, UN-ähnlichen Behörde in Berlin, entdeckt, dass seine Organisation ein Portal zu einer Parallelwelt bewacht. Die beiden Versionen seiner selbst könnten unterschiedlicher kaum sein – hier der zurückhaltende, beinahe naive Beamte, dort ein abgeklärter, gefährlicher Agent. Simmons nutzt diese Doppelrolle für ein intensives Schauspiel-Duell mit sich selbst, das zu den größten Stärken der Serie zählt und sie weit über konventionelle Genreproduktionen erhebt.

Hinter der Serie steht ein kreatives Team, das Spionage-Thriller mit Science-Fiction auf bemerkenswert elegante Weise verbindet. Besonders hervorzuheben ist dabei die Regiearbeit von Charlotte Brändström, die mehrere Episoden inszenierte. Sie zählt längst zu den gefragtesten Serienregisseurinnen unserer Zeit und war unter anderem auch an „The Witcher“ sowie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ beteiligt. Die Staffeln könnt ihr unter anderem bei Joyn streamen* oder bei Prime Video.

Neben J.K. Simmons gehören außerdem noch Olivia Williams („The Sixth Sense“), Ulrich Thomsen („Banshee“), Betty Gabriel („Get Out“), Harry Llyod („Game of Thrones“), Nicholas Pinnock („Hedda“) sowie „Ein Schweinchen namens Babe“-Farmer James Cromwell zur Besetzung der empfehlenswerten Serie.

Warum "Counterpart" unterschätzt ist – und für wen sich die Serie lohnt

Und doch stellt sich die Frage: Warum ist „Counterpart“ heute so unbekannt? Ein wesentlicher Grund liegt in der komplexen Erzählstruktur. Die Serie verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf ein vielschichtiges Gedankenspiel einzulassen. In einer Zeit, in der viele Produktionen auf unmittelbare Reize setzen, wirkt „Counterpart“ beinahe aus der Zeit gefallen – im besten Sinne. Sie richtet sich klar an ein Publikum, das anspruchsvolle Stoffe schätzt und sich gerne in moralischen Grauzonen bewegt.

Gerade deshalb lohnt es sich, der Serie eine Chance zu geben. Wer Serien wie „Dark“ oder „The Americans“ schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen. „Counterpart“ verbindet Spionage, Identitätsfragen und politische Paranoia zu einem dichten Gesamtbild, das lange nachhallt. Gleichzeitig zeigt die Serie eindrucksvoll, wie stark Fernsehen sein kann, wenn es sich Zeit für Figuren und ihre Entwicklung nimmt.

Ein weiterer Faktor für die geringe Bekanntheit dürfte die vergleichsweise zurückhaltende Vermarktung gewesen sein. Während große Streamingdienste ihre Inhalte mit enormem Aufwand positionieren, lief „Counterpart“ beim US-Sender Starz eher unter dem Radar. Ohne breite mediale Präsenz und ohne virale Dynamik blieb der Serie jene Aufmerksamkeit verwehrt, die ihr künstlerischer Anspruch eigentlich nahelegt.

Hinzu kommt, dass sich „Counterpart“ bewusst eindeutigen Genre-Schubladen entzieht. Die Serie ist weder reine Science-Fiction noch klassischer Agententhriller – genau diese eigenwillige Mischung macht ihren Reiz aus, erschwert aber zugleich die klare Ansprache eines Massenpublikums. Wer sich jedoch darauf einlässt, entdeckt ein ungewöhnlich vielschichtiges Werk, das sich deutlich von der Masse abhebt. Was übrigens die beliebtesten Serien des Publikums sind, erfahrt ihr hier:

4,66 von 5 Sternen! Das ist die beste Serie aller Zeiten – laut den deutschen Zuschauern

Vorzeitiges Ende trotz Top-Wertungen und Verbindungen nach Deutschland

„Counterpart“ wurde nach nur zwei Staffeln vom US-Sender Starz abgesetzt. Trotz herausragender Kritiken – darunter beeindruckende 100 Prozent (!) bei Rotten Tomatoes – blieben die erhofften Zuschauerzahlen aus. Ein Schicksal, das viele anspruchsvolle Serien teilen. Die Geschichte endet somit nach insgesamt 20 Episoden. Das Finale lässt zwar einzelne Fragen offen, verzichtet jedoch auf frustrierende Cliffhanger und bietet einen insgesamt stimmigen Abschluss, der die zentralen Themen konsequent zu Ende führt.

Auch produktionstechnisch ist „Counterpart“ bemerkenswert – insbesondere aus deutscher Perspektive. Die Dreharbeiten fanden teilweise in Los Angeles, vor allem aber in Deutschland statt. Internationale Serien dieser Qualität, die so stark auf hiesige Schauplätze setzen, sind nach wie vor eher selten.

Das koproduzierende Studio Babelsberg in Potsdam organisierte Dreharbeiten an Originalschauplätzen in Berlin und Umgebung. Ergänzt wurden diese durch Aufnahmen in den traditionsreichen Ateliers des Studios. Dieses Zusammenspiel verleiht der Serie eine visuelle Authentizität, die maßgeblich zu ihrer unverwechselbaren Atmosphäre beiträgt.

Ebenfalls eine makellose 100-Prozent-Wertung bei Rotten Tomatoes erreicht eine aktuelle Western-Serie, die nicht nur fortgesetzt wird, sondern auch den letzten Auftritt von Hollywood-Legende Robert Redford („Der Clou“) bereithält. Mehr dazu lest ihr im folgenden FILMSTARTS-Artikel:

In dieser viel zu unbekannten Western-Serie spielte Robert Redford seine letzte Rolle – sie hat 100 Prozent bei Rotten Tomatoes!

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