Einer der besten Western aller Zeiten: Er hat 100 Prozent bei Rotten Tomatoes – und ist trotz dreier Hollywood-Ikonen viel zu unbekannt!
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Ein Western über ein Gewehr, das mehrfach den Besitzer wechselt und Streitobjekt aller Figuren wird – kann das funktionieren? Es kann, und wie! Der Meilenstein „Winchester '73“ zählt zu den besten Filmen seines Genres. Hier erfahrt ihr die Gründe.

Der 1950 von Anthony Mann inszenierte „Winchester ‘73“ ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Western, der sich von anderen Genre-Beiträgen deutlich unterscheidet. Einerseits lebt der Klassiker von seiner komplexen, episodisch angelegten Erzählweise, die im Western-Genre bis dahin eher unüblich war. Außerdem agiert eine Waffe gewissermaßen als eigener Charakter und wesentlicher Teil der Handlung. Die titelgebende Büchse gerät in den Besitz wechselnder Personen, deren Schicksal unmittelbar mit dem legendären Repetiergewehr verbunden scheint.

Winchester '73
Winchester '73
Starttermin 9. Februar 1951 | 1 Std. 32 Min.
Von Anthony Mann
Mit James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea
User-Wertung
3,9

Hinzu kommen die düster-unheilvollen Film-Noir-Einflüsse (Mann hatte zuvor Krimi- und Noir-Klassiker wie „Flucht ohne Ausweg“ und „Side Street“ gedreht). Und eine mitreißende, sich erst nach und nach offenbarende tragische Hintergrundgeschichte, die eine ungemeine Sogkraft entwickelt.

So verwundert es kaum, dass „Winchester '73“ auf der US-Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes bei 31 ausgewerteten Rezensionen auf nicht zu toppende 100 Prozent Zustimmung kommt! Damit erhält Manns 19. abendfüllender Film mehr positive Besprechungen als berühmte Western-Meisterwerke wie „12 Uhr Mittags“ (94 Prozent), „The Wild Bunch“ (91 Prozent) oder „Spiel mir das Lied vom Tod“ (96 Prozent).

Ähnlich wie Sergio Leones unverwüstlicher Italo-Western-Meilenstein rund um den schweigsamen Antihelden „Mundharmonika“ handelt auch „Winchester ‘73“ von unbewältigten Traumata und einer Hauptfigur, die von Rache angetrieben ist.

Darum geht's in "Winchester '73"

1876 in Dodge City (Kansas): Lin McAdam (James Stewart) gewinnt beim Preisschießen eine wertvolle Winchester '73 gegen einen Mann, der sich Dutch Henry Brown (Stephen McNally) nennt. Mit ihm hat McAdam noch eine persönliche Rechnung offen. Doch nach dem Wettschießen gelingt dem undurchsichtigen Brown nicht nur die Flucht – er bemächtigt sich auch des begehrten Gewehrs.

Winchester '73
Winchester '73
Starttermin 9. Februar 1951 | 1 Std. 32 Min.
Von Anthony Mann
Mit James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea
User-Wertung
3,9

McAdam und sein Partner „High-Spade“ Frankie Wilson (Millard Mitchell) nehmen umgehend die Verfolgung auf. Unterdessen wandert die Winchester durch viele Hände: vom Waffenhändler über einen Sioux-Häuptling bis hin zum Banditen. Ein ereignisreicher Irrweg, an dessen Ende zwischen McAdam und Brown ein Duell auf Leben und Tod steht.

Wer genauer hinsieht, erkennt zwei Schauspieler in kleineren Nebenparts, die 1950 noch nicht allzu bekannt waren: die damals 24-jährigen Rock Hudson (als Sioux-Häuptling Young Bull) und Tony Curtis (als junger Kavalleriesoldat Doan). Ab den mittleren 1950er-Jahren zählten beide zu den größten Leinwandhelden der Traumfabrik.

James Stewart verdreifachte sein Honorar

Apropos Leinwandheld: Mit dem zugkräftigen Hollywood-Star James Stewart („Cocktail für eine Leiche“) in der Hauptrolle entwickelte sich „Winchester '73“ schnell zum Kassenerfolg. Laut dem US-News-Magazin TIME ist der Western der zweiterfolgreichste Film seines Start-Monats (er lief Mitte Juli 1950 in den USA an).

Stewart erhielt für seine Rolle insgesamt rund 600.000 Dollar – das Dreifache seiner sonst üblichen Gage. Der Grund: Der Star hatte im Vorfeld auf die sonst übliche Vorabzahlung seines Honorars verzichtet (das Studio Universal konnte ihn nicht sofort bezahlen) und sich stattdessen eine Beteiligung an den Einspielergebnissen zusichern lassen. „Winchester '73“ gilt damit als erste Hollywood-Produktion der Geschichte, bei der ein Hauptdarsteller eine prozentuale Gewinnbeteiligung anstelle einer festen Gage bekam. Dieses „Verfahren“ ist in der Traumfabrik bei besonders großen Namen bzw. Weltstars bis heute üblich.

Um einen anderen viel zu unbekannten Western dreht sich der nachfolgende Artikel:

"Ein Western wie kein anderer": Martin Scorsese bewundert diesen "visuell atemberaubenden" Film einer Hollywood-Ikone

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