Clint Eastwood ist wie sonst wohl nur John Wayne der Inbegriff einer Western-Ikone: Schließlich wirkte er bereits in den frühen Tagen seiner Karriere in 217 Episoden der Wildwest-Serie „Tausend Meilen Staub“ mit, bevor er sich mit Sergio Leones legendärer Dollar-Trilogie endgültig unsterblich machte. Auch als Regisseur widmete sich der heute 95-Jährige dem uramerikanischen Genre immer wieder und schuf (mit sich selbst in der Hauptrolle) Meisterwerke wie „Ein Fremder ohne Namen“, „Der Texaner“ oder „Erbarmungslos“, der 1993 vier Oscars gewann.
Doch wie steht Eastwood eigentlich zu Western-Filmen, an denen er nicht selbst beteiligt war? Bekannt ist beispielsweise seine Bewunderung für die 50er-Jahre-Klassiker „Der schwarze Falke“ oder „Mein großer Freund Shane“, während er ausgerechnet mit „12 Uhr mittags“ nicht allzu viel anfangen konnte. Dasselbe gilt für einen berühmt-berüchtigten Spätwestern, dem FILMSTARTS-Redakteur Björn Becher in seiner Kritik aus guten Gründen die vollen fünf Sterne spendiert hat: „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“ von Sam Peckinpah.
Das ist "The Wild Bunch"
Der 1969 erschienene Film erzählt von einer alternden Outlaw-Bande um Pike Bishop (William Holden), die nach einem missglückten Überfall auf der Flucht vor dem Kopfgeldjäger Deke Thornton (Robert Ryan) Richtung mexikanische Grenze zieht. Gemeinsam mit Dutch Engstrom (Ernest Borgnine) geraten die Männer in den Strudel der mexikanischen Revolution und schließlich in einen Konflikt mit dem brutalen General Mapache (Emilio Fernández).
Peckinpahs Film gilt wegen seiner für die damalige Zeit bemerkenswert offenen Gewaltdarstellung sowie des moralisch desillusionierten Figurenarsenals als einer der radikalsten Abgesänge auf den Western-Mythos – und zugleich als später Meilenstein des Genres. Oder wie es in der offiziellen FILMSTARTS-Rezension heißt:
„Spätestens wenn im Finale William Holden, Ernest Borgnine, Warren Oates und Ben Johnson sich ihren Feinden entgegenstellen (eins der wohl berühmtesten Bilder der Filmgeschichte), bereit zu sterben, aber dabei noch eine ganze Armee mit in den Tod nehmend, dann weiß man, hier hat man etwas ganz Großes gesehen. Und erst danach folgt ja noch das bleihaltige und grandiose Finale sowie die wunderbare Schlusssequenz…“
Eastwood zeigte sich in einem Interview deutlich weniger euphorisiert (via Far Out Magazine). Zwar räumte er ein, dass es sich bei „The Wild Bunch“ um einen „guten Film“ handele – nur, um sein Lob im Anschluss direkt wieder zu relativieren. „[...] Ich war nie ein Fan dieser Zeitlupentechnik, dieses Gewaltballetts. Es war sehr wirkungsvoll und wurde zum Vorbild für viele, die später etwas Ähnliches versucht haben – aber mir hat das nie gefallen.“
Der „Dirty Harry“-Darsteller mag es einfach etwas bodenständiger – passend dazu gab er bei einer anderen Gelegenheit auch zu, mit den opernhaften Überhöhungen von „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu fremdeln. Diese Haltung spiegelt sich übrigens auch in seiner pragmatischen Arbeitsweise wider, mit der Meryl Streep anfangs heftige Schwierigkeiten hatte. Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich war beunruhigt": Meryl Streep verstand nicht, warum Clint Eastwood während der Dreharbeiten zu "Die Brücken am Fluss" kein Wort mit ihr sprach*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.