Dieser Regisseur hält mit 148 (!) Western einen Weltrekord – und trotzdem kennt fast niemand seinen Namen!
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Fragt man nach einflussreichen, berühmten Western-Regisseuren, fällt sein Name ziemlich sicher nie: Lambert Hillyer. Der Western-Spezialist ist kaum bekannt – obwohl er laut Guinness-Buch den Rekord für die meisten gedrehten Western hält!

Monogram Pictures

Was haben die Regisseure John Ford, Howard Hawks, Sergio Leone und Sam Peckinpah gemeinsam? Sie alle gingen mit ihren legendären Western in die Filmhistorie ein. Während Ford („Ringo“, „Faustrecht der Prärie“) und Hawks („Rio Bravo“) den Western der „klassischen Ära“ (30er- bis 50-Jahre) prägten, gelten Leone und Peckinpah als die großen „Erneuerer“ des Genres.

Leone prägte mit psychologisch tiefgründigen Klassikern wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ den Italo-Western wie kein Zweiter. Und Peckinpah sicherte sich mit seinen zynischen, von Gewalt durchzogenen Spätwestern („The Wild Bunch“) seinen Platz in der Geschichte. Doch es gibt mit dem US-Amerikaner Lambert Hillyer eine andere prägende Figur in der Entwicklungsgeschichte des Western, die alle genannten Filmemacher in einem Punkt übertrifft.

Mit 148 Western drehte Hillyer nämlich so viele Filme dieses Genres wie niemand sonst. Diese Leistung brachte ihm als „produktivster Western-Regisseur aller Zeiten“ sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Wer war dieser „Western-Verrückte“?

Hillyer drehte 156 Filme – und ist trotzdem kaum bekannt

Ihr habt den Namen Lambert Hillyer zuvor noch nie gehört? Da seid ihr garantiert nicht die einzigen, und auch der Verfasser dieser Zeilen muss eingestehen, vor der Recherche zu dem Beitrag noch nie etwas vom „Western-Rekordhalter“ gehört zu haben. Kein Wunder, gelang dem Mann aus Indiana, der 1969 im Alter von 76 Jahren verstarb, doch nie der ganze große künstlerische oder kommerzielle Durchbruch. Und dass trotz einer unfassbaren Anzahl von weit über 150 inszenierten Filmen (Hillyer drehte neben Western auch noch einige Krimis und Horrorfilme).

Mit diesem Western gab eine absolute Hollywood-Ikone ihr Regiedebüt – der Film geriet völlig zu Unrecht in Vergessenheit!

Doch vermutlich liegt genau hier das Problem: an der schier unüberschaubaren Masse meist sehr günstig produzierter Filme. Hillyer war ab 1917 bis in die späten 40er-Jahre beim Film aktiv. In diesen über 30 Jahren als Filmschaffender entstanden seine 148 Western. In besonders produktiven Jahren drehte der frühere Zeitungsreporter wie am Fließband – so realisierte er allein im Jahr 1922 sechs (!) Filme. Wie das möglich war? Durch enorm kurze Produktionszeiten (viele seiner Western entstanden in nur einer Woche) und die Tatsache, dass etliche Filme an den immer gleichen Schauplätzen mit den immer gleichen Darstellern entstanden.

Klassiker der Stummfilm-Ära

Hillyers wichtigste Western-Arbeiten entfallen auf die Stummfilm-Ära der späten 1910er- und der 20er-Jahre. Damals inszenierte er mit Stummfilm-Star und „Cowboy-Legende“ William S. Hart dutzende Western. Die Wichtigsten: „The Narrow Trail“ (1917), „Der Siedlertreck“ (1919) und vor allem „An der Grenze zwischen Gut und Böse“ (OT: „The Toll Gate“) von 1920. Darin geht es um einen Banditen (Hart), der seine kriminelle Karriere hinter sich lassen will, von seinem Komplizen jedoch verraten – und zur Rache gezwungen – wird.

Wenige von Hillyers Stummfilm-Western erschienen hierzulande überhaupt auf DVD oder Blu-ray. Das liegt unter anderem, dass viele seiner Werke in den Archiven verloren gingen oder unvollständig sind. Auch bei Streaming-Diensten sind seine Filme, u.a. aufgrund ungeklärter urheberrechtlicher Fragen, unterrepräsentiert. Bei genauerer Recherche stößt man dann aber doch auf den ein oder anderen Klassiker dieses außergewöhnlichen Regisseurs, darunter die im Absatz zuvor genannten.

Western-Interessierte und Fans der guten alten Silberscheibe können alternativ auf ausgewählte US-Importe zurückgreifen.

Die zwei bekanntesten Filme im gesamten Schaffen Hillyers sind jedoch keine Western. Vielmehr bewies er mit „Draculas Tochter“ (1936) und „Tödliche Strahlen“ aus demselben Jahr sein Faible fürs Morbide und Gruselige. Erstgenannter Film ist die Fortsetzung des Universal-Horror-Kultfilms „Dracula“ (1931), bei „Tödliche Strahlen“ handelt es sich um einen Horror-Thriller alter Schule über die Gefahren von Radioaktivität und einen an Wahnvorstellungen leidenden Wissenschaftler. In den Hauptrollen: der „Master of Horror“ Boris Karloff und Horror-Ikone Bela Lugosi („Dracula“).

Ihr wollt wissen, welcher Horrorfilm der allererste war, der je einen Oscar gewonnen hat? Dann schaut euch nachfolgenden Beitrag an. Ein Tipp für Kenner: Der entsprechende Film (eine weltberühmte Horror-Literatur-Verfilmung) erschien im selben Jahr wie Karloffs legendäres Durchbruchswerk als Frankensteins Geschöpf:

Der erste Horrorfilm, der jemals einen Oscar gewann: Es ist die beste Verfilmung eines Literatur-Klassikers

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